MAIN-SPESSART

Der Landkreis vergreist zusehends

Immer mehr Senioren im Landkreis: Und die sind noch fit und wollen teilhaben am öffentlichen Leben. Der Landkreis muss sich darauf einstellen. Dazu dient das „Seniorenpolitische Gesamtkonzept“.
Foto: Gambarini | Immer mehr Senioren im Landkreis: Und die sind noch fit und wollen teilhaben am öffentlichen Leben. Der Landkreis muss sich darauf einstellen. Dazu dient das „Seniorenpolitische Gesamtkonzept“.

Fast 260 Seiten stark ist das „Seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises Main-Spessart“. Die Seite 19 ist besonders interessant, weil sie die kommende dramatische Entwicklung aufzeigt. Eine Grafik zeigt dort die Bevölkerungsstruktur im Jahr 2030.

Die Menschen aus den geburtenstarken Jahrgängen, die heute um die 50 sind, sind 70 geworden. Von einer Bevölkerungspyramide kann schon lange keine Rede mehr sein. Die Grafik gleicht mehr einem Pilz mit einem großen Schirm im Bereich der 70-Jährigen. Nach der Prognose wird es 2030 mehr als doppelt so viele 70-Jährige wie Neugeborene im Landkreis geben.

Dabei sind in dieser Grafik die Wanderungsbewegungen noch gar nicht eingerechnet, die die Lage noch weiter verschärfen werden, denn in der Regel wandern die Jungen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz ab, während die Alten hier bleiben. Das alarmierende Ergebnis: Der Landkreis überaltert.

Zwölf Handlungsfelder

Das Problem ist erkannt. Auch Landrat Thomas Schiebel weist in seinem Vorwort zum „Seniorenpolitischen Gesamtkonzept“ darauf hin. „Weniger Kinder, weniger Einwohner, mehr Senioren“ – so fasst er das Ergebnis der Studie zusammen, die in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Sozialplanung in Bayern im Landkreis Main-Spessart erstellt worden ist. Zufällig ausgewählte Bürger aus allen Landkreiskommunen hatten ab 2010 dazu Fragebögen bekommen, zudem flossen Erfahrungen der Seniorenbeiräte in die Untersuchung mit ein. Das Ergebnis ist ein dickes Werk mit zwölf Handlungsfeldern für die künftige Seniorenpolitik.

Das darf nicht in der Schublade verschwinden. Daher hat der Landkreis eine Fachstelle geschaffen, die die Vorschläge des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts aufgreift, weiterentwickelt und die Seniorenarbeit aller Akteure in den Kommunen, Verbänden, Vereinen, Institutionen und im Ehrenamt vernetzt und unterstützt. Keine leichte Aufgabe für Monika Rothagen, die die Halbtagsstelle seit November 2011 bekleidet.

„Bewusstsein schaffen“ – so umschreibt sie ihre Arbeit. Gemäß dem Seniorenpolitischen Gesamtkonzept sollte die künftige Seniorenpolitik nach dem Motto „ambulant vor stationär“ organisiert sein. Das deckt sich mit dem Willen der meisten älteren Menschen, möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben. Dabei liegt das durchschnittliche Eintrittsalter in die Alten- und Pflegeeinrichtungen heute schon bei über 85 Jahren. In Zukunft wird es auch verstärkt alternative Wohnformen im Vergleich zum klassischen Alten- und Pflegeheim geben, ist Rothagen sich sicher.

Wichtige Verbündete des Landkreises dabei sind die gut funktionierenden Seniorenbeiräte vor allem in den Städten des Landkreises, die bereits schon seit 1997 aktiv sind. Die würden es immer wieder schaffen, dass die Wünsche der älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen, aber auch die Belange von Kindern und Familien berücksichtigt werden. Als Beispiel nennt sie den Rollatorweg in der Lohrer Altstadt.

Rothagen würde sich wünschen, dass es Seniorenbeiräte oder Seniorenvertreter in allen Gemeinden und Gemeindeteilen des Landkreises gibt. In vielen ländlichen Gemeinden wurde bereits ein Seniorenvertreter berufen. Es gibt aber immer noch Gemeinden, die keinen Beirat, Vertreter oder Ansprechpartner für Senioren haben.

Breite Themenpalette

Das Seniorenpolitische Gesamtkonzept behandelt alle Bereiche, die für Senioren wichtig sind. Der Bogen spannt sich von der ärztlichen Nahversorgung, Essen auf Rädern und dem Hausnotruf bis zu Angeboten für pflegende Angehörige. Es ist dargestellt, wie angesichts des demografischen Wandels die verschiedenen Bereiche sich bereits entwickelt haben und wie sie sich weiter entwickeln werden.

In diesem April hat die Fachstelle für allgemeine Seniorenarbeit daher einen Seniorenwegweiser für ältere Leute und ihre Angehörige erstellt. Er informiert auf 83 Seiten über Aktivitäten im Alter, Unterstützung im Alltag, finanzielle Hilfen, Wohnen im Alter, stationäre Pflege und Vorsorgemaßnahmen.

Es ist die Aufgabe von Monika Rothagen, dass die Belange der Senioren angesichts einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft stärker berücksichtigt werden. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt sie am Beispiel des Wonnemars in Marktheidenfeld.

Da wurde bei der ersten Planung auf eine Treppe ins Schwimmerbecken verzichtet. Für manche ältere Menschen wäre der Einstieg über die Stufenleiter ins Wasser allerdings nicht möglich gewesen. Die Treppe wurde auf Anregung des städtischen Seniorenbeirates von Marktheidenfeld eingeplant und auch eingebaut.

Rothagen appelliert daher, bei der Planung von Wohnungen an die Barrierefreiheit zu denken, auch wenn dieses Thema zum Zeitpunkt der Plan-Erstellung für viele Bauherren noch ganz weit weg erscheint.

Bei öffentlichen Gebäuden ist dies Pflicht, wie das die Posse um das öffentliche Klohäuschen in Gemünden zeigt. Dieses wurde erst nach Einschaltung des Petitionsausschusses des Bayerischen Landtags barrierefrei nachgebessert.

ONLINE-TIPP

Alle Texte der Serie „Heimat im Wandel“ finden Sie im Internet unter www.mainpost.de/heimat

Veranstaltungsreihe: Alter bunterleben

Für diesen Herbst ist die Veranstaltungsreihe „ Alter bunterleben – Zukunft gestalten“ mit Vorträgen und Kursen rund um das Alter geplant:

So wird beispielsweise die aus Funk und Fernsehen bekannte Ärztin und Buchautorin Dr. Marianne Koch am 18. September im Pfarrheim St. Laurentius in Marktheidenfeld darüber informieren, wie man jünger bleibt, auch wenn man älter wird.

Buchautor Professor Bernd Fischer erläutert in seinem Vortrag „wie man seine Vitalität bis ins hohe Alter erhält, so dass man locker hundert wird“.

In weiteren Veranstaltungen wird übers Fahren mit E-Bikes, ganzheitliches Gedächtnistraining, Themen zu Ernährung, Nachbarschaftshilfe, Demenz, Patientenverfügungen oder Elternunterhalt informiert. In einem Alterssimulationsanzug besteht die Möglichkeit, die Einschränkungen des Alters nachzuempfinden. Die Wanderausstellung „Reife Leistung – keine Frage des Alters“ zeigt auf, dass Menschen auch im hohen Alter in vielfältigen Bereichen unsere Gesellschaft bereichern.

Auch einige Senioreneinrichtungen ermöglichen mit einem Tag der offenen Tür einen Einblick in ihre Einrichtung. Das gesamte Programm zu den einzelnen Veranstaltungen gibt es ab September beim Landratsamt Main-Spessart oder in allen Städten, Gemeinden und Volkshochschulen. GI

Hilfe für Senioren: Monika Rothagen betreut das Seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises Main-Spessart.
Foto: Klaus Gimmler | Hilfe für Senioren: Monika Rothagen betreut das Seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises Main-Spessart.
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