Die Gaukler und die Keller-Geister

Lohr Ein zweiter Wurf an Welturaufführung in Lohr ist gelungen: Mit der Komödie "Lotti sieht Gespenster" starteten die "Gaukler" am Samstag an einem völlig neuen Ort - dem für solche Zwecke umgebauten Kulturkeller des Weinhauses Mehling - in ihre neue Theatersaison; auch die Örtlichkeit hatte Premiere. So irre die Handlung auf den ersten Blick anmuten mag - gut und gerne könnte das reale Leben selbst sie Autor Joe Henselewski diktiert haben.
Eines jedoch sei klargestellt: keineswegs spiegelt sich die Biografie von Namensgeberin Lotti Stenger in dem Einakter wider. Lotti Stenger, Bedienung im Weinhaus Mehling, hatte zur Premiere einen Ehrenplatz unter den Zuschauern. Sichtlich gerührt verfolgte sie - laut Autor und Regisseur Henselewski der lebende Beweis von "liebenswürdig" - was ihr da galt.

In allen Punkten könne sie sich nicht mit der Wirtin "Lotti" auf der Bühne identifizieren, bekannte Stenger: "Mit Esoterik zum Beispiel habe ich gar nichts am Hut." Gefallen an der Komödie habe sie jedoch gefunden. So weit so gut. Hatte es doch Goethe im 16. Jahrhundert in seinem "Faust" schon statuiert: Die Gespenster, die man ruft, man wird sie nicht mehr los.

Ob sich Autor Henselewski in seinem zweiten Stück das er für die Lohrer Theatergruppe "Die Gaukler" schrieb, von Altmeister Goethe hatte inspirieren lassen, sei dahingestellt. Ein "guter Wurf" ist ihm allemal gelungen: Er hat das richtige Stück für eine treffliche Kulisse kreiert und es mit einem Ensemble besetzt, das sich der Leidenschaft Schauspielerei unverkennbar verschrieben hat. Sechs Wochen lang haben die elf Akteure Abend für Abend stundenlang geprobt. Es hat sich gelohnt: Die "Gaukler" starteten am Samstag auf der neuen Lohrer Bühne famos in ihre neue Theatersaison - und ernteten üppigen und verdienten Beifall vor mit 62 Zuschauern ausverkauftem Haus.

Nach eineinhalb Stunden Spielzeit konnte Regisseur Henselewski nicht anders, als seine professionell agierenden Laien-Darsteller zu loben: "Lasst die Kühe weiter so fliegen, dann gehört Lohr euch."

Es waren bei weitem nicht nur die beiden Hauptdarsteller Inge Schwab als Wirtin Lotti und Jörg Engelhard - ein Gespenst in der Haut des 1495 ermordeten Kellermeisters Christoph Wagner, das 527 Jahre nach dessen Tod an den Esoterik-Stammtisch seines Lokals zurückkehrt -, die sich gewohnt versiert auf der zwei Meter schmalen Bühne bewegten. Hier bewiesen alle spielerisches Potenzial. Susanne Balzer-Endres wie auch "Gaukler"-Neuling Gerhard Kolbert wurden zur wahren Wucht an Stimme, Gestik und Mimik.

Lorbeeren für Leidenschaft

Ditte Remmel sammelte Lorbeeren, und nicht nur wegen temperamentvoller Bewegungsabläufe. Wer würde Mirta Dantlgraber, der forschen Many Hermann, Dorte Kirfel oder Thomas Herrmann und Christian Handel nicht applaudieren wollen für gelebte Bühnen-Leidenschaft?

Summa summarum: Mit den "Gauklern" tritt ein Ensemble auf die Bühne, das die Kostüme aus der Nadel von Hanni Herrmann (Mutter des Schauspielers Thomas Herrmann) mit pulsierendem Leben auszufüllen vermag.

Bis Februar 2002 sind 26 Vorfüh-
rungen geplant. Termine auch für
den Kartenvorverkauf wöchentlich
im Kulturkalender. Nächste Vor-
stellung: 2. Oktober.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Spessart und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!