Die "Gaukler" und ihre Sternstunde

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Foto: FOTO RITA GREß
Lohr Ohne Lokal-Heroisierung betreiben zu wollen: Die "Gaukler"-Premiere des Thrillers "Zum Henker mit den Henks" im ausverkauften Mehlingskeller am Samstag wurde zur Parade-Leistung. Vielleicht das Beste, was dieses blitzsauber agierende homogene Ensemble je auf die Bühne gebracht hat. Der Status "Laienschauspieler" gerät ins Wanken.

Die Generalprobe am Abend vor der Premiere hatte anders ausgesehen: Verpatzt! Nach monatelangem Proben-Marathon hatten die Nerven einfach gestreikt. "Ich ging heulend zu Bett", gestand Schauspielerin Ditte Remmel nach dieser fatalen Angelegenheit.

Samstag, Minuten vor "Vorhang auf!" atmet Regisseur Matthias Hahn durch, sagt: "Es wird schon." Er behält Recht! Sein zehnköpfiges Ensemble brilliert, an schauspielerischem Potenzial schöpfen sie allesamt aus dem Vollen. Sie legen ein scharfes Tempo vor, reißen die Zuschauer in die Handlung hinein. Letztere applaudieren mitten in der Szene.

Weg vom Rampenlicht ein nicht minder bravourös agierender Jürgen Remmel. Der Techniker hinter den Kulissen hat mit der Koordination von 29 verschiedenen Toneinspielungen zu den Szenen aus dem Texthandbuch alle Hände voll zu tun. Dazu will das von "Gaukler" Erhard Schmitt (er ist von Beruf Requisiteur für Film und Fernsehen) trefflich kreierte Bühnenbild samt Darstellern ins rechte Licht gerückt werden. 42 verschiedene Lichtwechsel fordern von Remmel äußerste Konzentration.

Zur Sache: Die Kriminalkomödie spielt im unheimlich anmutenden Landhaus der Henk-Familie im britischen Moor. An den Händen des perfiden Clans klebt Blut, seit über 400 Jahren schon. Um das Erbe des verstorbenen Patriarchen Septimus Henk einem "guten Zweck" zuzuführen, schrecken die Nachkommen keineswegs davor zurück, ihre eigene Sippe auszulöschen.

Antonio Coco schlüpft in der Rolle des aalglatten Anwalts Mortimer Crayle. Er punktet ebenso wie seine nicht minder versiert agierende Sekretärin Zoe Mapelton (Georgia Viola). Die Rechnung jedoch hat das Pärchen ohne den weiblichen Bühnen-Routinier Inge Schwab - ein schwarzer Witwen-Vamp namens Fabia, ohne Octavia (Mirta Dantlgraber), die Frau mit siebtem Sinn, und ohne die grandiose Ditte Remmel als Henrietta gemacht. Nicht zu vergessen einen Gerhard Kolbert in der Rolle des Augustus Henk.

Kolbert, ein Meister der Pantomime und stimmlichen Kraft, hat die Zuschauer auf seiner Seite. Das gealterte Fräulein Athene (Susanne Balzer-Endres) auch. Das Publikum tut vorab schon gut daran, sie wie auch das "Naivchen" Edna (Susanne Happ) oder einen Christian Handel als Larry nicht zu unterschätzen. Dasselbe gilt für den "alten Hasen" Jörg Engelhard - oder sollte man in diesem Fall sagen, die "Schwuchtel" Vernon Previtt mit durchschlagendem Temperament?

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