Gemünden

Die Gemündener SPD existiert seit 100 Jahren

Im Gasthaus Löwen in der Gemündener Obertorstraße fand vor 100 Jahren die erste Mitgliederversammlung statt (im Bild Kriegsverwundete im Ersten Weltkrieg).
Im Gasthaus Löwen in der Gemündener Obertorstraße fand vor 100 Jahren die erste Mitgliederversammlung statt (im Bild Kriegsverwundete im Ersten Weltkrieg). Foto: Repro: Hist. Verein Gemünden

Vor 100 Jahren, im Mai 1920, wurde in Gemünden der SPD-Ortsverein gegründet. Kreisheimatpfleger Bruno Schneider hat vor einigen Wochen die entscheidenden Hinweise im Archiv, mehrere Versammlungsankündigungen im „Gemündener Anzeiger“, gefunden, heißt es in einer Pressemitteilung der SPD. Die Gemündener SPDler zeigten sich angenehm überrascht und hocherfreut und wollen das Jubiläum im Herbst feiern.

Demnach erfolgte die erste Versammlung mit dem Ziel, eine „Ortssektion“ zu gründen, am Sonntag, 16. Mai 1920, im „oberen Lokale der Brauerei“. Bereits zwei Wochen später fand im Gasthaus „Löwen“ die erste Mitgliederversammlung statt und am 3. Juni traf man sich dort abermals. Allerdings gibt es keine Mitteilungen über den Verlauf der Versammlungen oder die Wahlen eines Vorstandes und gefasste Beschlüsse. Somit bleibt es weiter im Verborgenen, wer die Sozialdemokratie in Gemünden aus der Taufe gehoben hat und wer die treibenden Kräfte waren. Sonst übliche Protokolle, Kassenbücher und Mitgliederlisten wurden eventuell schon während der Nazidiktatur vernichtet, oder, wie viele Dokumente der Stadt Gemünden, bei der Zerstörung Gemündens vor 75 Jahren.

Nach der Gründung zweitstärkste Kraft in Gemünden

Die Gemündener Sozialdemokraten hatten sich nach ihrer Gründung offensichtlich etabliert. Bei der Reichstagswahl erreichte man 112 Stimmen, bei der Landtagswahl 113. Damit war man nach der konservativen Deutschen Volkspartei (514 und 510 Stimmen) jeweils zweitstärkste Partei in der vielgliedrigen Parteienlandschaft. Zur „öffentlichen Volksversammlung“ im Löwen kam am Samstag, 28. Januar 1922, als prominenter Gast der Landtagsabgeordnete Matthäus Herrmann aus Nürnberg, von Beruf Lokomotivführer.  Der Besuch genau dieses Redners war sicher kein Zufall, denn Gemünden war eine bedeutende Eisenbahnerstadt. Die Eisenbahner waren traditionell gewerkschaftlich gut organisiert.

Wie schnell sich die politische Landschaft damals wandelte, zeigte sich bereits bei den Reichstags- und Landtagswahlen 1924. Die Ergebnisse im Gemündener Anzeiger weisen nun nach der Bayerischen Volkspartei jeweils den „Völkischen Block“ als zweitstärkste Kraft aus. Der Völkische Block war eine Sammelbewegung rechtsnationaler Kräfte, in der auch vorübergehend die nach dem Hitlerputsch von 1923 bis 1925 in Bayern verbotene NSDAP beheimatet war. Eine Ankündigung zur öffentlichen Versammlung am 3. Mai 1924 mit der Überschrift „Völkischer Block Gemünden“, umrahmt von zwei Hakenkreuzen, lässt die Vorboten des sich abzeichnenden Unheils bereits erkennen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es weiter

Im Dritten Reich wurde die SPD verboten, ihre Mitglieder verfolgt. Erste bruchstückhafte Belege zur Geschichte der Gemündener SPD in der Nachkriegszeit finden sich ab dem Jahr 1948. Damals hatte der Ortsverein 17 Mitglieder, im Juli 1953 waren es bereits 39 und 1957 standen 49 Mitglieder, darunter sieben Frauen, auf dem Meldebogen an den Bezirksverband.

Unter den neuen Mitgliedern waren auch Heimatvertriebene aus den Ostgebieten. Der Mitgliederbestand in Gemünden ging zwischendurch wieder zurück, was unter anderem auch auf die Gründung benachbarter Ortsvereine zurückzuführen ist. Heute ist die Zahl der Ortsvereine wesentlich niedriger, die Basisarbeit konzentriert sich auf die zentralen Orte und in Zeiten der digitalen Kommunikation wird auch der Vereinsdiener nicht mehr benötigt, der das Geld für die Mitgliedsmarken im Parteibuch kassiert.

Feier im Kreuzkloster geplant

Aktuell zählt der SPD-Ortsverein Gemünden 59 Mitglieder, davon 22 Frauen. Ihm gehören der Bundestagsabgeordnete, Kreis- und Stadtrat Bernd Rützel an sowie die Stadträte Monika Poracky, Ferdinand Heilgenthal und Jörg Fella. Den Vorsitz führt Monika Poracky, ihr Stellvertreter ist Alexander Martin.

Eine Feier zum Jubiläum ist am 13. November 2020 im großen Festsaal des Kreuzklosters geplant.

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