Lohr

Die Grünen drücken auf die Quote und paritätische Listen

Umringt von gleichgesinnten Mitstreitern: Kerstin Celina, grüne Landtagsabgeordnete aus Würzburg (Vierte von links), warb auch in Lohr für paritätische Listen und Frauenquoten.
Foto: Roland Pleier | Umringt von gleichgesinnten Mitstreitern: Kerstin Celina, grüne Landtagsabgeordnete aus Würzburg (Vierte von links), warb auch in Lohr für paritätische Listen und Frauenquoten.

100 Jahre Frauenwahlrecht in Bayern. Na und? „Das können wir jetzt auch nicht mehr ändern“, sagt einer der Passanten. „Gleichberechtigung brauchen wir nicht!“ erklärt ein anderer. Mehr Frauen in der Politik? „Ja,“ sagt ein dritter, „aber nicht in der Politik. So als Zweit- oder Drittfrau vielleicht.“ Sprüche wie diese haben die Grünen schier mehr zu hören bekommen, als sie ernsthafte Gespräche geführt haben.

Zwei Stunden lang machte das Infomobil am Montag bei seiner Roadshow Halt am Alten Rathaus in Lohr. In Gerolzhofen und Schweinfurt war es davor gewesen, danach ging es nach Würzburg. Mit dabei: Landtagsabgeordnete Kerstin Celina aus Würzburg. Es war nicht sonderlich viel los in der Stadt. Und die eingangs zitierten, eher plumpen Sprüche stammten von Leuten, „die nicht bereit sind zu diskutieren“, so Celina.

Paritätische Listenbesetzung

Was die Grünen nicht daran hindert, 100 Jahre Frauenwahlrecht zum Anlass zu nehmen, dieses Jahr zum „Frauenwahljahr 2018“ zu erklären. Ihre Forderung nach einer paritätischen Listenbesetzung, wie sie die Grünen seit Jahrzehnten praktizieren (auf der Wählerliste wechseln sich Männer und Frauen ab), kommt für die anstehende Landtags- und Bezirkstagswahl schon zu spät.

Aber sie wollen Firmen animieren, mehr für die Frauenförderung auch in Führungspositionen zu tun. „Eine Quote motiviert, das Personal entsprechend zu entwickeln“, sagt Celina. „Wenn ich's weiß, dann stell ich mich auch drauf ein.“

Mehr Fortbildungen auch halbtags

Frauen entgegenkommen, das hieße aus ihrer Sicht auch, mehr Fortbildungen halbtags anzubieten. „Solange Fortbildungen nur ganztags sind, werden es Frauen nicht machen“, verdeutlicht die Abgeordnete. Es gelte, Strukturen zu ändern, fordert Celina: „Wo man Strukturen ändert, ändert sich was.“

Pikant: Im Gespräch meint Celina, dass an Grundschulen überwiegend Frauen unterrichten, die meisten Rektoren aber Männer seien. Der Faktencheck ihres eigenen Büros liefert – zumindest für den Landkreis Main-Spessart – ein überraschend anderes Ergebnis: Denn von den 33 Grundschulen im Landkreis werden 25 von Frauen geführt. Auch in den 43 anderen Schulen und Bildungsstätten im Landkreis liegt die Männerquote bei nur 44 Prozent.

Im Nachgang macht Celina aber auch noch eine andere Rechnung auf: Demnach studierten 2015 knapp 17 500 Frauen für das Lehreramt an der Grundschule, aber nicht einmal 2500 Männer. Während der Männeranteil im Studium also bei 12,5 Prozent liegt, ist der Anteil bei den Rektoren in Main-Spessart fast doppelt so hoch. „Gleichstellung ist weder im Beruf, noch in der Politik umgesetzt“, kommentiert sie. „Der Weg ist noch weit und ohne verbindliche Ziele, Quoten, Vorgaben geht es nicht voran.“

Die Kommunalpolitik ist männlich geprägt

Freilich sieht es in anderen Gremien anders aus. Nehmen wir die Bürgermeisterwahl 2014: Damals traten in 37 Kommunen 63 Kandidaten an. Ein Dutzend davon, also keine 20 Prozent, waren Frauen. Aktuell werden fünf der 40 Kommunen von Frauen geführt.

Im Kreistag liegt die Frauenquote bei 23 Prozent. In den jeweils 24-köpfigen Stadträten der vier ehemaligen Kreisstädte sieht es ähnlich aus: In Karlstadt und Gemünden sind jeweils nur drei Frauen vertreten (12,5 Prozent), in Marktheidenfeld immerhin sechs (25 Prozent), in Lohr gar acht (33 Prozent). Bis zu den 50 Prozent, die die Grünen anstreben, ist also noch ein ganzes Stück hin.

Vielleicht hilft ja ein weiterer Vorschlag Celinas, nämlich: Sitzungen zeitlich begrenzen. „Endlos lange Sitzungen, und danach gehen wir noch weg auf ein Bier“, das sei eher Männersache, da steigen Frauen ungern ein, meint sie.

Auch der Landkreis könnte etwas tun

Auch Kommunalunternehmen sollten paritätisch besetzt werden, fordert sie – was Bärbel Imhof, Stadt-, Kreis- und Bezirksrätin aus Lohr, sofort aufgriff: Wenn der Werkausschuss des Eigenbetriebes Klinikum Main-Spessart tatsächlich in ein kommunales Unternehmen umgewandelt werde, „dann wäre das die erste Gelegenheit, wo man dies umsetzen könnte“, sagt sie und zeigt sich überzeugt: „Wenn man Frauen etwas zutraut, dann können sie es auch.“

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