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Die Macht der Musik

Kunstvolles Harfenspiel: Tom Daun verzauberte sein Publikum im vollbesetzten Mehlingskeller nicht nur mit Harfenklängen, sondern auch mit wundersamen Legenden.
Foto: Gisela Büdel | Kunstvolles Harfenspiel: Tom Daun verzauberte sein Publikum im vollbesetzten Mehlingskeller nicht nur mit Harfenklängen, sondern auch mit wundersamen Legenden.

Wer am Nikolausabend einen Ort der Entspannung suchte, war im Weinhaus Mehling richtig: Tom Daun erfüllte den Klangraum des Gewölbekellers mit Harfenmusik und Poesie. Dank leiser Töne traten vorweihnachtliche Geschäftigkeit und Lärm des Alltags in den Hintergrund.

Da sitzt einer auf der Bühne, der Klasse statt Masse bietet: Tom Daun, „Master of Music“ der Universität Edinburgh, setzt nicht auf Unterhaltung um jeden Preis. Er lässt allein den Zauber von Instrument und Stimme wirken. Legenden und Mythen, die sich um die Harfe ranken, geben dem Konzert den unverwechselbaren Charakter.

Als „schöner Einstieg an Santa Claus“ erklingt irische Musik aus dem Barock des 17. Jahrhunderts. Der Harfenist zitiert den englischen Renaissancedichter John Fletcher und sagt: „Auch der Sommer hat seine Vergnügen. Was aber die langen Winternächte verkürzt, sind Liebe und Musik“.

Dass die Macht der Musik auch im Märchen wirkt, wird in der literarischen Erzählung „Vom jungen Harfenisten und der schönen Prinzessin“ deutlich. Im Mittelpunkt steht die Harfe mit goldenen Saiten, gesponnen aus dem Haar einer Wald-Elfe. Vor Liebe brennend, drückte der Musikant mit seinem Instrument Fröhlichkeit wie Trauer aus: „Dann lachte alles oder weinte mit ihr.“

Genau dieses Talent scheint auch Tom Daun in die Wiege gelegt. Seine Musik ist in den verschiedensten Ecken Europas angesiedelt. Sie reicht bis an die Königshöfe des 16. Jahrhunderts zurück. Stets griffbereit: die zweireihige italienische Barockharfe, die irische und die böhmische Harfe. Letztere bevorzugt Daun für spanische und südamerikanische Kompositionen.

In zwei Tänzen des englischen Komponisten und Lautenisten John Dowland (1563 - 1626), der zu den wichtigsten Persönlichkeiten der englischen Musikgeschichte zählt, variiert er den Klang ebenso piano wie forte. Da es aus dieser Zeit keine Harfenmusik gibt, bearbeitete Daun in der Auflage „Dowland's Delight“ Lautenmusik für diatonische Harfe.

„Singen Sie mit, aber grölen Sie nicht“, fordert der in Solingen lebende 52-Jährige spaßhaft die Zuhörer auf und stimmt zu einer lockeren Folge von Weihnachtsliedern an. „Es ist eine Freude, ihm zuzuhören“, lobt eine Besucherin bereits in der Pause. Interessant und kurzweilig nennt sie den Wechsel zwischen Musik und Erzählung.

Im zweiten Teil dominieren spanische Barockwerke und irische Carols, mit denen die Musikanten in der Weihnachtszeit von Haus zu Haus ziehen und mit Süßigkeiten belohnt werden. Nach eineinhalb Stunden hat Tom Daun seine kräftig applaudierende Zuhörerschaft erobert und seinem Namen als „einer der führenden Vertreter traditioneller und historischer Harfenmusik“ alle Ehre gemacht.

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