Lohr

Die Welt im Miniaturformat

Mitten in all dem, wovon viele sich so oft nicht trennen können, hat eine Figur in der Miniatur „Was übrig bleibt“ eine Kiste mit alten Fotos gefunden. 
Foto: Wolfgang Weismantel | Mitten in all dem, wovon viele sich so oft nicht trennen können, hat eine Figur in der Miniatur „Was übrig bleibt“ eine Kiste mit alten Fotos gefunden. 

Alle vier Wochen wird das Kunstschaufenster der Hubertus-Apotheke in Lohr mit Bildern und Objekten von Künstlern neugestaltet. Meist gehören sie zum Kunststammtisch wie die Steinbacherin Gertrud Lohr. Es sind hier ihre gerade entstandenen Miniaturen zu sehen, neben einer Puppenküche aus dem Jahr 1920.

Umrahmt werden die ansprechenden Werke von einem Bild des Künstlers Reinhard Stinzing, das zeigt, wie man Schneewittchen auf dem Weg durch den geheimnisvollen Märchenwald Spessart zu den 7 Zwergen begleiten kann. Wie gewohnt hat Stinzing diese kleine Ausstellung organisiert, um auf diesem Weg Menschen im Vorbeigehen für kreative künstlerische Ideen zu interessieren.

Die neuen Miniaturen von Gertrud Lohr sprechen offensichtlich viele Passanten an, die sich Zeit nehmen, um die detailreichen kleinen Fantasiewelten genauer anzuschauen und miteinander darüber zu sprechen. Bereits zum vierten Mal sind Arbeiten der Künstlerin in der Schaufenstergalerie zu entdecken.

Das zeitkritische Werk "Noch schwimmen wir oben" war für sie eine besondere Herausforderung, da sie dabei erstmals Harz verarbeiten und eine neue Technik erproben musste. Sehr überraschend und voller ansprechender Details ist die Hommage an "Cocktails und Cadillacs", in der zwei Wunschwelten aufeinandertreffen.

Handgefertigte Einzelteile

Außerdem findet man ein Ausstellungsstück, das wohl manche Erinnerungen auslösen dürfte. Es besteht aus sehr vielen handgefertigten Einzelteilen, die im Alltag fast überall Zimmer, Schränke und Regale füllen, und trägt den vielsagenden Titel "Was übrig bleibt".

Die Hobbykünstlerin Gertrud Lohr hat vor 25 Jahren angefangen, Puppenstuben zu gestalten. Dann ist sie schrittweise dazu übergegangen, sich an anderen Miniaturen zu erproben und sich dabei auf immer neue Themen einzulassen. Auslöser, sich für diese künstlerische Form der Gestaltung zu interessieren, sei ein Bericht im bayerischen Fernsehen gewesen. Dort wurde ein Geschäft vorgestellt, das solche kleinen Kunstwerke verkaufte. Das hat Gertrud Lohr so angesprochen, dass sie es selbst ausprobieren wollte, besondere Ausschnitte aus der Welt in einem Miniformat nachzuempfinden und individuell in vielen Detailansichten zu formen. 

"Ich habe inzwischen über 30 Miniaturen bei mir zuhause und der Platz wird eng," erklärt die Künstlerin, wenn sie auf die Vielfalt ihrer Werke zu sprechen kommt. Geplant hat sie die Objekte eigentlich nie, da die Ideen dazu immer spontan entstanden. Das konnte auf der Straße sein, auf einem Foto oder im Internet. Oft war der Gedanke sofort da: "Daraus kannst du eine Miniatur bauen".

In der Zeit, als sie sich anfangs in Puppenstuben verwirklichte, sei die Reaktion "noch verhalten" gewesen, weil darin weniger die Umsetzung einer kreativen Idee, sondern eher "nette Unterhaltung" für Kinder gesehen wurde. Je mehr sie aber andere Themen aufgriff, umso positiver und nicht selten begeistert nahmen Kunstfreunde ihre Objekte wahr.

Eine Weihnachtskrippe gehört bisher noch nicht zu ihren Kunstwerken, die regelmäßig im Kunstschaufenster der Hubertus-Apotheke zu entdecken sind und auch bei Ausstellungen im Schulmuseum oder im Fischerhaus präsentiert wurden.

Am bekanntesten ist wohl ihre Miniatur, die den "Kiosk Stiegler" in der Anlagestraße zum Thema macht. Das Kunstwerk erinnert an ein Gebäude, das jeder Lohrer kannte und mit dem Umbau der alten Turnhalle zu einem Kulturtreffpunkt verschwunden ist.

Erinnerung an die Kindheit

Eines ihrer Lieblingsstücke hat sie speziell für eine ihrer Schwestern detailgetreu gestaltet, bei der es inzwischen im Wohnzimmer hängt. Es ist ein Gebäude mit einer Kuckucksuhr. Sie meldet sich jede Stunde und erinnert an das so nicht mehr existierende Elternhaus sowie die Kindheit der Geschwister.

Momentan hat sich Gertrud Lohr keine neuen Projekte vorgenommen. Doch sie braucht in diesen gerade schwierigen Zeiten nicht die Flucht in ihre Miniaturwelten als Ablenkung, da sie auch andere Hobbys hat. Aber sie ist auf jede Überraschung vorbereitet: "Vielleicht kommt wieder mal eine neue Idee, die mich nicht loslässt. Dann geht es weiter".

Lohrer Kunststammtisch

Der Lohrer Kunststammtisch ist ein lockeres Treffen von Künstlern ganz unterschiedlicher Ausrichtung und Kunstinteressierten aus der Region. Es gibt diese Begegnungen seit 2002, bei denen sich die Beteiligten über künstlerische, aber auch gesellschaftliche Themen austauschen und gemeinsam kreative Ideen entwickeln. Seit sechs Jahren darf das Schaufenster der Hubertus-Apotheke als Galerie mit Blick von der Straße von ihnen genutzt werden, was seitdem im monatlichen Wechsel geschieht.
Die Gruppe hat unter anderem schon im Fischerhaus ausgestellt und Lesungen mit besonderem Eventcharakter in der städtischen Anlage veranstaltet. Regelmäßig nehmen einzelne der am Stammtisch beteiligten Künstler an Ausstellungen teil und reichen wie auch in diesem Jahr Arbeiten beim Kunstpreis der Stadt Marktheidenfeld ein.
Quelle: (meww)
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