Triefenstein

Diskussion um Standort für das Regenrückhaltebecken

Friedlich grasen Alpakas auf einer Lengfurter Wiesenweide. Auf diesem Gelände sollte ursprünglich das mittlerweile verlegte Regenrückhaltebecken errichtet werden.
Friedlich grasen Alpakas auf einer Lengfurter Wiesenweide. Auf diesem Gelände sollte ursprünglich das mittlerweile verlegte Regenrückhaltebecken errichtet werden. Foto: Günter Reinwarth

Fragen über Fragen gab es in der Gemeinderatssitzung unter Leitung von Bürgermeisterin Kerstin Deckenbrock im Saalbau der Kirchhoff-Stiftung die Runde, als es erneut um das Regenrückhaltebecken am Rande des Lengfurter Gewerbegebiets Oberes Eck ging.

Die Verlegung dieses Beckens von einer Waldwiese in den nahen Gemeindewald war bereits am 21. April fest beschlossen worden. Eine neue Sachlage des jetzt wieder verschobenen Tagesordnungspunktes erhofft man sich jetzt nach Gesprächen, die Bürgermeisterin Deckenbrock am 4. Juni im Landratsamt Main-Spessart führen wird.

Über das strittige Becken soll Niederschlagswasser aus dem Gewerbegebiet in den Hartgraben und weiter in den Main geleitet werden. Dabei geht es um die Erledigung einer Pflichtaufgabe, die von den Behörden der Wasserwirtschaft bereits vor drei Jahrzenten der Gemeinde auferlegt worden war. Kritisch wurde von Teilen des Gemeinderats eine aktualisierte Kostenschätzung bewertet. Die jüngsten Berechnungen  hatten sich um 43 000 Euro auf rund 243 000 Euro erhöht. Die Mehrkosten beziehen sich auf eine artenschutzrechtliche Prüfung (10 000 Euro) sowie auf den notwendigen Erwerb einer Ausgleichsfläche (30 000 Euro).

Landschaftsarchitekt Leimeister schließt nicht aus, dass hinsichtlich des weiteren Vorgehens beim Regenrückhaltenbecken geprüft werden müsse, ob sowohl in dem Waldareal beziehungsweise auf den notwendigen Ausgleichsflächen schützenswerte Tiere vorkämen. Die Rede ist unter anderem von seltenen Vögeln sowie von Fledermäusen und so genannten Totholzbewohnern. Ferner bezieht sich der Architekt auf kartografische Unterlagen, nach denen sich die bislang diskutierten Flächen im Naturpark Spessart befinden sollen.

Eine Entscheidungsfindung sei bislang für den Gemeinderat nicht leicht gewesen, betonte Zweite Bürgermeisterin Karin Öhm (Freie Bürger). Sie verwies erneut auf die Wiese am Waldrand als ursprünglichem Becken-Standort, die von einer kleinen Herde Alpakas, eine Kamelart, die in den südamerikanischen Anden vorkommt, beweidet werde.

Stefanie Engelhardt (CSU) zitierte einen Gutachter, der sich auf ein dem Hauptbecken vorgeschaltetes Klärbecken bezog. In diesem würden bereits Schadstoffe heraus gefiltert. Vor diesem Hintergrund sei eine weitere Beweidung der Wiese mit Alpakas möglich. Engelhardts Aussage wurde von Teilen des Gemeinderates kritisch bewertet. Schließlich habe man ja bereits eine Verlegung des Rückhaltebeckens beschlossen, hieß es am Rande der Sitzung.  Den Namen des Gutachters wollte Engelhardt allerdings nicht nennen.

CSU-Fraktionssprecher Wolfgang Virnekäs bedauerte, dass das Hartgraben-Projekt nach drei Jahrzehnten von allen bisherigen Gemeinderats-Gremien noch immer nicht in trockene Tücher gebracht worden sei. Ferner seien die fiskalischen Möglichkeiten des neuen Haushalts noch nicht bekannt. Im weiteren Verlauf der Sitzung  verwies der CSU-Sprecher auf die Planungshoheit der Gemeinde, "die wir uns nicht nehmen lassen". Auch Claudia Holzmann von der neuen Fraktion "Aus vier mach wir" bedauerte, dass die neu gewählten Gemeinderäte noch keinen Einblick in die Finanzen sowie in das Thema Rückhaltebecken bekommen hätten. Karin Öhm schlug vor dem Hintergrund dieser Einschätzung einen weiteren Besichtigungstermin des Gemeinderates vor.

Ein neues Gutachten das mit rund 10 000 Euro dotiert ist, sei vor dem Hintergrund eines "Pro und Contra" in Sachen Standort "auf jeden Fall sein Geld wert", machte Bürgermeisterin Kerstin Deckenbrock deutlich – egal, ob es zu einer erneuten Verlegung komme oder nicht.

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