Gänheim

Ehepaar Ullrich aus Gänheim bekommt grüne Hausnummer

Ehepaar Ullrich vor ihrem Haus.
Foto: Frieda Wecklein | Ehepaar Ullrich vor ihrem Haus.

"Wir würden alles wieder genauso bauen wie es jetzt ist" sagt Herbert Ullrich aus Gänheim. Er und seine Frau Maria haben im vergangenen Jahr eine grüne Hausnummer bekommen, eine Auszeichnung für besonders umweltfreundliches Wohnen.

Auf dem Anwesen des Ehepaars wird überall auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz geachtet. Im Haus ist es trotz der heißen Temperaturen überraschend kühl. "Das liegt an der Dämmung." erklärt Ullrich. "Anstatt Styropor verwenden wir Zellulose, die nachhaltiger ist, weil sie aus Altpapier besteht, und Pavatex-Weichholzplatten. So hat das Haus eine ausgezeichnete Wärme- und Schalldämmung."

Geheizt wird mit einer Wärmepumpe, im Winter benutzen sie zudem gerne ihren Kachelofen, der die Wärme bis zu fünf Stunden speichert. Die Bauzeit des Hauses dauerte zwei Jahre, begonnen wurde 1999. Vieles im Haus war damals schon seiner Zeit voraus, wie beispielsweise die TJI-Träger, die im Dach eingebaut sind. Diese ermöglichen bei weniger Holzanteil mehr Platz für die Dämmung.

Alle Pläne selber gezeichnet

"Das hat man bei uns in Deutschland damals noch wenig gekannt." fügt seine Frau hinzu. Man merkt schnell, dass Ullrich Ahnung hat von dem, was er erzählt. "Alle Pläne für das Gebäude habe ich selber gezeichnet, vieles selber gebaut." Er hinterfrage viel und beschäftige sich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit. So entschied sich das Ehepaar 2014 auch, eine Photovoltaikanlage auf ihr Dach bauen zu lassen.

Das Haus ist somit nun ein "Passivhaus", da es mehr Energie produziert wie verbraucht. Dieser Überschuss wird wiederum ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Als Baustoff entschied er sich für Kalksandstein, weil dessen Herstellung weniger Energie benötigt. Nachdem die Wohnung nur eine Ebene hat, ist sie zudem barrierefrei und altersgerecht.

Egal ob Kartoffeln, Äpfel oder Bohnen: im Garten findet man eine große Vielfalt an verschiedenem Obst und Gemüse. "Die schönsten Pflanzen sind die, welche man essen kann" sagt Ullrich und lacht. Er und seine Frau kaufen kaum Obst und Gemüse. Was sie im Sommer nicht verbrauchen, wird eingefroren oder als Marmelade eingemacht. Die Gartenarbeit ist für beide vielmehr ein Hobby als lästige Arbeit.

Pflanzen mit Regenwasser gießen

Das Wasser zum Gießen der Pflanzen wird in Regentonnen aufgefangen, und in einen "Sickerbrunnen" unter die Erde geleitet, wenn die Tonnen voll sind. Auf diesen kann Ullrich bei Bedarf dann zurückgreifen, denn alle Pflanzen werden ausschließlich mit Regenwasser gewässert. Auch auf chemischen Dünger verzichtet das Ehepaar schon lange.

"Unser Kompost ist der beste Dünger." Jeder könne Biomüll kompostieren und als Erde im Garten wiederverwenden. Das ist umweltfreundlich und spare zudem noch Geld. Auch auf Platz für Wildblumen könne jeder Gartenbesitzer achten, um Bienen und sonstigen Insekten Lebensraum zu schaffen.

Neben einem Insektenhotel und mehreren Vogelhäusern steht auch das ganze Jahr ein Sonnenblumenkernspender für Vögel bereit. Als ein "Öko- Freak" würde sich Ullrich dennoch nicht bezeichnen. "Reisen in alle Welt sind der Luxus, den man sich eben ab und zu mal gönnt. Auch Fleisch ist zwei- bis dreimal die Woche in Ordnung – wenn die Qualität stimmt."

Nachhaltigkeit kann Geld sparen

Seit diesem Jahr besitzt das Ehepaar auch einen Hybrid-Plug-in PKW. Im Umkreis von 25 Kilometern erreichen sie so alle Ziele allein mit der Energie aus der Photovoltaikanlage – und sparen so viel CO2 und auch Geld. "Die Kosten belaufen sich deshalb auf nur durchschnittlich drei Cent pro gefahrenem Kilometer – normal sind das 10 Cent."

Beide sind mit der Natur großgeworden, auch ihre Eltern hatten einen erheblichen Einfluss auf ihr Umweltbewusstsein gehabt. "Unser großes Ziel ist es, CO2 einzusparen und dafür nachhaltige Alternativen zu finden. Wir probieren alles aus und versuchen, daraus zu lernen und es besser zu machen."

Ehepaar Ullrich im Garten
Foto: Frieda Wecklein | Ehepaar Ullrich im Garten
Gewächshaus
Foto: Frieda Wecklein | Gewächshaus
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