Bischbrunn

Ein Kulturwanderweg erinnert an den Prinzregenten Luitpold

Das Jagen hoher Herrschaften hat in Bischofsborn seit dem Mittelalter Tradition. Einer blieb im Gegensatz zu anderen in bester Erinnerung und sorgte für Legendenbildung.
Prinzregent Luitpold (links) und seine Leibjäger bei der Schwarzwildjagd im Spessart.
Prinzregent Luitpold (links) und seine Leibjäger bei der Schwarzwildjagd im Spessart. Foto: Archiv Richard Krebs

Der Wald und die Jagd gehören seit Jahrhunderten im Spessart zusammen. Wald und Jagd bilden eine Einheit. Der Wald gab vielen Spessarter über Jahrhunderte Arbeit und Brot. Für viele Nicht-Bischbrunner ist es deshalb immer wieder überraschend zu erfahren, dass es in Bischbrunn praktisch keinen Gemeindewald und keinen Privatwald gibt. Alle umliegenden Waldflächen sind staatliches oder fürstlich-löwensteinisches Eigentum. Als Ausgleich werden beziehungsweise wurden die "Spessarter Holzrechte" beziehungsweise die Laub- und Streurechte gewährt. Dies war mit ein Grund, dass sich Bischbrunn und viele Spessartgemeinden vehement gegen die Ausweisung des Nationalparks Spessart gewehrt haben.

Wo der Bischof sich einst verirrte

Bischbrunn ist erstmals im Jahr 1338 als "Bischofsborn" erwähnt. Der Sage nach soll sich ein Kurmainzer Bischof beim Jagen im Spessart verirrt und am "Bischofsbrunnen" Wasser gefunden haben, das ihm das Leben rettete. Dieser Brunnen müsste nach der Beschreibung der Kändelbrunnen gewesen sein, der am Ortsrand hinter einst zwei Forstdienststellen liegt.

Bischbrunn gehörte bis zur Säkularisation zum Fürstbistum Mainz und war schon damals vor allem für die Jagdherren begehrt. Nach Rothenbuch hatte Bischbrunn eines der ältesten bayerischen Forstämter. Die Bevölkerung durfte nicht zu viel eigene Landwirtschaft besitzen, um Zeit für die Waldarbeit sowie Treiber- und Frondienste bei herrschaftlichen Jagden zu haben. Der Wald hatte für die Einwohner eine wichtige Bedeutung als Wirtschaftsfaktor.

Prinzregent Luitpold (zweiter von rechts) bei einer Jagdpause im Kreis seiner Jagdgäste
Prinzregent Luitpold (zweiter von rechts) bei einer Jagdpause im Kreis seiner Jagdgäste Foto: Richard Krebs

Die Gemeinde, wie auch der heutige Ortsteil Oberndorf, wurde als Jagdhelfersiedlung für die Kurmainzer Bischöfe gegründet. Als Straßendorf angelegt, ziehen sich von den einzelnen Häusern schmale Felder bis zum Waldrand. Historisch gesehen handelt es sich um Grenzorte zwischen dem Kurfürstentum Mainz (Bischbrunn, 1338 erstmals erwähnt) und dem Fürstbistum Würzburg (Oberndorf, 1492 erstmals erwähnt, gut zwei Jahrhunderte bis 1708 das obere Dorf von Esselbach).

Entsprechend ihrer Lage spielen Verkehr und Grenzauseinandersetzungen in der Ortsgeschichte der frühen Neuzeit eine große Rolle. Dazu trägt die Lage an der alten "Heerstraße" bei. Weit wichtiger ist jedoch die Bedeutung des Waldes. Dabei rückte die Bewirtschaftung im 19. und frühen 20. Jahrhundert gegenüber der Köhlerei und der königlichen Jagdverwaltung in den Hintergrund.

Zur Schwarzwildjagd in den Spessart

Prinzregent Luitpold und sein Jagdschloss Luitpoldshöhe
Prinzregent Luitpold und sein Jagdschloss Luitpoldshöhe Foto: Ungemach

Der berühmteste Jäger war Prinzregent Luitpold, der jährlich zur Schwarzwildjagd in den Spessart kam und während dieser Zeit auf dem nach ihm benannten Jagdschloss "Luitpoldshöhe" in Rohrbrunn (seit 2011 in Privatbesitz) einquartiert war. Während dieser Zeit regierte der Prinzregent das Königreich Bayern von dort aus.

Prinzregent Luitpold genoss bei seinen Besuchen im Spessart ein geradezu legendäres Ansehen. Er besuchte nicht nur Gottesdienste in den örtlichen Kirchen, sondern zeigte sich auch ansonsten sehr leutselig, pflegte Kontakt mit der Bevölkerung. Jägern und Treibern spendierte er gelegentlich eine seiner berühmten Zigarren, die nicht geraucht, sondern als Reliquie verehrt und aufbewahrt wurden. Die Kinder, die ihm zujubelten, erhielten Wurst und Weck - für die damalige Zeit eine nicht alltägliche Delikatesse.

Reinhold Abt mit einem T-Shirt 'Freundeskreis Prinzregent Luitpold'.
Reinhold Abt mit einem T-Shirt "Freundeskreis Prinzregent Luitpold". Foto: Richard Krebs

Freundeskreis pflegt die Erinnerung

Der Autor dieses Berichtes lernte bei Gratulationsbesuchen als Bürgermeister noch Zeitzeugen kennen, die von diesen Besuchen schwärmten. Die Erinnerung an den Prinzregenten lebt noch heute weiter. Die Senioren der Spessartbund-Ortsgruppe Oberndorf-Bischbrunn gründeten vor rund 20 Jahren sogar einen "Freundeskreis Prinzregent Luitpold" und huldigen dem 1912 gestorbenen Regenten bei ihren monatlichen Treffen. 

Bei der Eröffnung des Europäischen Kulturwanderweges 'Jagd des Prinzregenten Luitpold im Spessart' (von links) Armin Grein, Günter Schmelz, Richard Krebs, Gerrit Himmelsbach, Eberhard Sinner,  Klaus Bernhart und Franz Ruck.
Bei der Eröffnung des Europäischen Kulturwanderweges "Jagd des Prinzregenten Luitpold im Spessart" (von links) Armin Grein, Günter Schmelz, Richard Krebs, Gerrit Himmelsbach, Eberhard Sinner,  Klaus Bernhart und Franz Ruck. Foto: Richard Krebs

Das Archäologische Spessartprojekt (ASP) widmete dem legendären Prinzregenten 2001 einen seiner ersten Kulturwanderwege. Auf dem Rundweg vom und zum Wanderheim des Spessartbundes am Oberndorfer Trieb gibt es für die Wanderer zahlreiche historische Informationen.

Ein Relikt aus vergangenen Tagen : Das 'Rainstor', einer der Eingänge zum Spessarter Wildpark bei Bischbrunn.
Ein Relikt aus vergangenen Tagen : Das "Rainstor", einer der Eingänge zum Spessarter Wildpark bei Bischbrunn. Foto: Richard Krebs

Am "Rainstor", einem Eingang zum ehemaligen Wildpark, ist ein Relikt aus früherer Zeit erhalten. Der Parkzaun sollte das Wild abhalten, die angrenzenden Felder abzufressen oder umzugraben. Wer mit einem Fuhrwerk in den Wald fuhr, musste das Tor öffnen und wieder schließen. Bei Zuwiderhandlungen drohten Geldstrafen. Für Waldarbeiter, die damals zu Fuß zu ihrer Arbeit gingen oder Landwirte, die zu ihren Waldwiesen ins Haseltal gingen, war eine Art Sprossenleiter zum Übersteigen vorgesehen.

Wo einst die Köhler hausten und arbeiteten

So hausten einst die Köhler im Wald.
So hausten einst die Köhler im Wald. Foto: Ungemach

Eine weitere Station ist die ehemalige "Köhlerplatte", wo die Köhler ihre Meiler abbrannten und Holz zu begehrter Holzkohle veredelten. Heute wird Holzkohle fast ausschließlich zum Grillen verwendet.

Wieder einige hundert Meter weiter kommt man auf dem Rainsweg zum "Königsrondell" - einem Schauplatz königlich-bayerischer Jagdinszenierungen. Nach erfolgreicher Jagd wurde die sogenannte "Strecke" präsentiert und mit Jagdhörnern das Ende der Jagd geblasen.

Gußeiserne Platte am Aussichtspunkt
Gußeiserne Platte am Aussichtspunkt Foto: Ungemach

Weiter führt der Rundwanderweg über das Torhaus Aurora zum Muttergotteshäuschen an der verlängerten Ebertsgasse. Von diesem einmaligen Aussichtspunkt aus, markiert durch einen Findling mit gusseiserner Platte, kann man bei günstigem Wetter weit ins Frankenland schauen, bis hin zu den Kühltürmen des ehemaligen Kernkraftwerks Grafenrheinfeld.

Schließlich geht es zurück zum Wanderheim mit (unter normalen Umständen) Einkehrmöglichkeit. Parken können auswärtige Wanderer auf dem Festplatz. 

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