Gemünden

Ein Ort des Grauens? Lippert über Kritik am Gemündener Friedhof

An Allerheiligen werden viele Menschen den Friedhof in Gemünden besuchen. In einem Schreiben ans Rathaus beklagte eine 49-Jährige dessen Zustand. Was der Bürgermeister sagt.
Der Friedhof in Gemünden: Eine Besucherin kritisiert, dass er zu wenig gepflegt wird. 
Foto: Rosemarie Knechtel | Der Friedhof in Gemünden: Eine Besucherin kritisiert, dass er zu wenig gepflegt wird. 

Ob zur Grabpflege, zum Trauern oder zum Gedenken: Nicht nur an Allerheiligen besuchen viele Menschen die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen. So auch eine 49-Jährige, die in Gemünden aufgewachsen ist und mittlerweile in Kitzingen wohnt. In einem Schreiben an das Rathaus und an die Redaktion übte die 49-Jährige kürzlich heftige Kritik am Zustand des Gemündener Friedhofs. "Es ist ein Ort der Unordnung und des Grauens", schrieb die Frau, deren Eltern und Großeltern dort bestattet sind. Die Bitten um Pflege an Bürgermeister, Stadtrat und Mitarbeiter des Bauhofs seien bisher unerfüllt geblieben.

Vorwürfe: Ungemähtes Gras und Müll

Auf Nachfrage der Redaktion erklärte die Verfasserin der Mail, dass sie besonders störe, dass das Gras auf dem Friedhof gerade im Sommer "extrem hoch" sei und Grünabfälle vor den Tonnen liegen würden. Zudem würden Blätter zu selten zusammengefegt. Und wenn man sich schon dafür entscheide, die Natur stehen zu lassen, dann brauche man auch "ein Konzept in Richtung Biodiversität", sagt sie im Gespräch. Doch das fehle.

Wie reagierte die Stadt auf ihre Vorwürfe? Eine Rückmeldung habe sie nicht bekommen, berichtet die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Dass sie keine Antwort bekam, finde sie "schwach". Doch bei einem Besuch des Familiengrabes – nach dem Versenden der Mail – hatte sie zuletzt das Gefühl, dass es dort "ein bisschen besser" aussah. Das sei aber das erste Mal so gewesen, seit sie häufiger den Friedhof besucht.

Lippert über Mail verärgert 

Gemündens Bürgermeister Jürgen Lippert weist die Vorwürfe der Dame von sich. Der Friedhof sei nicht tadellos, aber in einem "sehr guten Zustand", sagt er gegenüber dieser Redaktion. Über die Mail aus Kitzingen habe er sich sogar geärgert.

Immerhin habe die Stadt einen eigenen Mitarbeiter eingestellt, der für die Friedhofspflege zuständig ist. Vor einigen Jahren war es tatsächlich noch so, dass unregelmäßig gemäht wurde, räumt Lippert ein. "Das haben wir mittlerweile im Griff." Dass im Herbst auch Laub auf Gräber falle, liege an der Jahreszeit. Das sei für ihn kein Kriterium um zu sagen, dass der Friedhof unordentlich aussehe. Zudem wehre er sich dagegen, wegen des Laubs die Bäume zu entfernen. Diese spendeten im Sommer schließlich auch Schatten.

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Auch bei den "alten Wegen" des Friedhofs komme man voran, betont Lippert. Vor drei Jahren habe man angefangen, sukzessive neues Pflaster zu verlegen. Da die Kosten dafür aber recht hoch sind, müsse das Schritt für Schritt passieren. Für Abfall vor den Tonnen sind aus Sicht des Bürgermeisters in erster Linie die Friedhofsgänger verantwortlich. Straßenreiniger kümmerten sich zwar auch darum. Man könne dort aber nicht täglich "hinterherräumen".

 Bürgermeister: Stadt bei Friedhöfen auf einem guten Weg

Auch der Kritik, dass es kein Konzept für den Friedhof gebe, widerspricht Lippert. Ein neues Friedhofskonzept habe der Stadtrat erst 2019 beschlossen. Damit sollten unter anderem die Friedhofsgebühren gesenkt werden. Eine Blumenwiese anzulegen, ist aus Lipperts Sicht auch eine gute Möglichkeit, da der Trend zu Erdgräbern ohnehin rückläufig ist und neuer Platz entsteht.

Die Neugestaltung eines Friedhofs erstrecke sich allerdings über viele Jahre. Denn Flächen könne man erst gestalten, wenn sie frei von Gräbern sind. "Und mit Umbettungen kann man sich nur unbeliebt machen", so Lippert. Sein Fazit: "Es geht langsam voran. Aber ich meine wir sind auf einem guten Weg."

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