Lohr

Ein Programm, das sehr viel kann

Christian Maier aus Lohr ist einer der Gründer und Geschäftsführer des Start-ups cherry-click. Seine Firma ist Mieter im Digitalen Gründerzentrum in Lohr.
Foto: Boris Dauber | Christian Maier aus Lohr ist einer der Gründer und Geschäftsführer des Start-ups cherry-click. Seine Firma ist Mieter im Digitalen Gründerzentrum in Lohr.

Kirschen sind über ihren Stiel paarweise miteinander verbunden: Deshalb eignen sie sich auch so gut für das Logo des Lohrer Start-ups cherry-click, das Eltern über eine digitale Plattform mit Schulen und Kindertagesstätten verbinden will. Die Bestellung des Mittagessens, Terminvereinbarungen und die elektronische Bezahlung des Materialgelds sind nur einige der zahlreichen Funktionen, die das Programm bündelt.

Der Lohrer Christian Maier hat cherry-click im Januar zusammen mit seinem Geschäftspartner Cédric Gilger gegründet. Ihr Ziel ist es laut Maier, Verwaltungsprozesse in sozialen Einrichtungen, Schulen und Kindergärten mit ihrer Software zu vereinfachen. Damit das so alltagstauglich wie möglich klappt, können die Kunden mit den unterschiedlichsten Endgeräten, wie Smartphone, Tablet und Computer, auf die Plattform zugreifen. Anrufe, Mails und Faxe, etwa um ein Essen abzubestellen oder eine Sprechstunde mit dem Lehrer zu vereinbaren, sollen der Vergangenheit angehören.

In Kita St. Pius online gegangen

In der letzten Oktoberwoche ist cherry-click in der Kita St. Pius in Lohr-Lindig online gegangen. "Technisch hat das problemlos funktioniert. Im November werden alle Mittagessen und Materialgelder, die anfallen, über die Plattform verwaltet und abgerechnet", berichtet Maier. Sein junges Unternehmen steht derzeit mit weiteren Schulen und Kindergärten aus der Lohrer Region in Kontakt, die sich für das Programm interessieren.

Doch bis dahin war es ein langer Weg, den die beiden Gründer aber nicht alleine gehen mussten. Starthilfe für ihre Idee bekamen sie vom Starthouse Spessart in Lohr. Seit Herbst vergangenen Jahres hat sich cherry-click im Digitalen Gründerzentrum eingemietet. Christian Maier macht keinen Hehl daraus, dass er dem Starthouse viel zu verdanken hat. "Würde es das Digitale Gründerzentrum in Lohr nicht geben, weiß ich nicht, ob wir schon so weit wären und ob ich diese Idee, die ich vor zwei, drei Jahren hatte, mit so viel Nachdruck verfolgt hätte", betont der 44-Jährige.

Austausch mit anderen wichtig

Vor allem das Netzwerk und den Austausch mit anderen Gründern möchte der Lohrer nicht missen. Als Einzelkämpfer und selbst als Duo sei es schwierig, eine Idee zu verfolgen und diese auch in ein Geschäft umzumünzen, sagt Maier. Mit anderen Gründern, Netzwerkpartnern und Leiterin Lisa Straub, die Ende September das Starthouse verlassen hat, verfeinerten die beiden Gründer ihre Idee. Sie grenzten sie gegenüber anderen Anbietern ab und entwickelten ein Geschäftsmodell. "Wir haben das Netzwerk genutzt, um andere Perspektiven einzuholen und weitere Funktionalitäten eingebaut. Hier werden viele Ideen weitergesponnen", erläutert Maier.

Ihm gefällt die Atmosphäre im Starthouse, wo es seiner Meinung nach die richtige Balance zwischen Lockerheit und Konzentration gibt. "Hier kann man hirnen, die Wände vollmalen und Kreativität ausleben", sagt der 44-Jährige. Durch Corona und den Weggang Lisa Straubs habe die Dynamik aber spürbar nachgelassen, bedauert er. Der Firmengründer hofft, dass "der positive Spirit nicht zum Erliegen kommt und die Stadt Lohr alles daran setzt, einen Nachfolger zu finden".

Starthouse-Ausstattung ist top

Infrastruktur und technische Ausstattung des Starthouses bezeichnet Maier als top. Ein Start-up in der Kleinstadt zu gründen, hat laut Maier einige Vorteile. So lasse sich dort sehr schnell ein Netzwerk mit regionalen Partnern knüpfen. "In Lohr haben wir Netzwerkpartner unterschiedlicher Couleur – von ganz großen Firmen, wie Bosch Rexroth, bis hin zu kleinen Unternehmen."

Bislang hat die Corona-Krise dem Lohrer Start-up nicht viel anhaben können, weil das Produkt der beiden Gründer noch in der Entwicklungsphase war. Da Mit-Geschäftsführer Cédric Gilger im baden-württembergischen Heubach wohnt, waren virtuelles Arbeiten und Internetkonferenzen bei cherry-click schon vorher gang und gäbe.

Unsicherheit wegen Corona

Nun kommt ihr neues Produkt auf den Markt und Christian Maier fragt sich, wie viele Einrichtungen bereit sind, die Software einzuführen, wenn die Corona-Krise noch länger andauert. Schließlich könnte es sein, dass Kindertagesstätten und Schulen doch noch geschlossen werden. "Das könnte die Marktdurchdringung verzögern", befürchtet er.

Andererseits könnte der Digitalisierungsschub, den die Corona-Pandemie an Schulen, Kindergärten und in Verwaltungen zwangsläufig ausgelöst hat, dem jungen Unternehmen aber auch bei der Markteinführung ihres Programms helfen.

Von einem Erfolg würde nicht nur das Start-up selbst profitieren, sondern auch die Stadt Lohr, denn hier ist cherry-click registriert. "Wenn wir mal Umsätze machen, werden wir die Gewerbesteuer auch in Lohr bezahlen", sagt Christian Maier, der in der Nachbarschaft des heutigen Starthouses aufgewachsen ist.

Starthouse in Lohr

Das Digitale Gründerzentrum in Lohr hat seit seiner Eröffnung im April 2019 bewegte anderthalb Jahre hinter sich. Das Starthouse Spessart dient Gründern aus der Region als Anlaufstelle. Dort sollen sie professionell betreut werden und sich untereinander und mit etablierten Firmen austauschen können. Die Miete für die Büro- und Besprechungsräume ist niedrig, die Ausstattung modern. Derzeit betreut das Digitale Gründerzentrum nach Angaben der Stadt Lohr 26 Start-ups. Mehr als 55 Gründer interessierten sich seit der Eröffnung für eine Zusammenarbeit. Damit übertraf die Resonanz alle Erwartungen.
Doch es gab auch Rückschläge. Ende September verließ die unter den Gründern hoch angesehene Leiterin Lisa Straub das Starthouse. Ein regulärer Nachfolger ist noch nicht gefunden. Außerdem erschwerte die Corona-Pandemie den Aufenthalt der Jungunternehmer im gemeinsam genutzten Großraumbüro.
Was das Starthouse leisten kann, erläuterte Lisa Straub noch vor ihrem Weggang: "Wir können versuchen, die richtigen Kontakte herzustellen, den Gründern Mentoren zur Seite stellen oder ihr Geschäftsmodell verfeinern." Es ist geplant, das Digitale Gründerzentrum, das im sanierten Gebäude der Energieversorgung Lohr-Karlstadt in der Lohrer Vorstadtstraße untergebracht ist, zu erweitern. Nach Auskunft der Stadt Lohr sollen durch den Ausbau 195 Quadratmeter dazukommen. Dabei handelt es sich um elf neue Arbeitsplätze, die auf fünf abschließbare Büros verteilt sein sollen. Derzeit leitet Wolfram Klug das Starthouse übergangsmäßig. Die Leitungsposition ist noch bis zum 15. November ausgeschrieben. Ende Oktober lagen laut der Stadt Lohr vier Bewerbungen vor.
Quelle: MEDAU
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