Lohr

Ein Tante-Emma-Laden weckt Erinnerungen

Eintauchen in eine andere Zeit: Christine Heck und Angela Schlembach (rechts) in dem von ihnen eingerichteten Lädchen im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. 
Foto: Gabi Nätscher | Eintauchen in eine andere Zeit: Christine Heck und Angela Schlembach (rechts) in dem von ihnen eingerichteten Lädchen im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. 

Corona-Lockdown. Die Geschäfte mit nicht lebensnotwendigen Dingen sind geschlossen. Per Internet oder telefonischer Vorbestellung ist es möglich, verschiedene Sachen zu ordern und abzuholen (Click & Collect), aber nicht jeder kennt sich da aus. Und mal einfach »shoppen gehen« oder irgendwo stöbern, ohne zu wissen, was man eigentlich braucht, das geht zur Zeit einfach nicht.

Darunter leidet eigentlich jeder, aber noch schlimmer ist es für die Menschen, die in Heimen betreut leben. Zwei Betreuerinnen des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses am Lohrer Bezirkskrankenhaus hatten dazu eine tolle Idee: Sie richteten in einem Raum einen kleinen Laden ein und verkaufen schöne, nützliche oder nicht so nützliche Dinge aus verschiedenen Lohrer Geschäften auf Kommission. Das Ganze ohne Aufpreis, denn Gewinn soll hier keiner gemacht werden. Vor wenigen Tagen startete der Verkauf. Der Laden ist zweimal pro Woche montags und freitags geöffnet.

Selbstbestimmtes Einkaufen

"Selbstbestimmt einkaufen können ist ein Stückchen Freiheit und Normalität für unsere Bewohner", sagen Heilerziehungspflegerin Angela Schlembach und Betreuungsassistentin Christine Heck einhellig. Sie und andere Betreuerinnen sind früher auch gerne mit den Bewohnern, die das nicht alleine können, in die Stadt zum Einkaufen gegangen. Jetzt sind alle ans Haus gebunden.

Nicht nur deswegen sind die beiden Initiatorinnen ebenso glücklich mit dem kleinen Laden wie die 61 Bewohner. Das Ambiente sei "wie früher im Tante-Emma-Laden, richtig gemütlich und urig", schildert Schlembach Reaktionen.

Im Angebot sind Schreibwaren der Firma Faßnacht, Accessoires wie Mützen, Schals, Socken und Handtaschen vom Schuhhaus Schwind, Spiele von Tschips, Batterien und Pflege für Hörgeräte von Anetzberger oder Schmuck von Kriegbaum. Daneben noch Dinge aus dem Lädchen des Bezirkskrankenhauses, wie Zeitungen, Zeitschriften und Postkarten. "Halt viele Kleinigkeiten in allen Preislagen", beschreibt Heck.

Schlembach ergänzt, dass man gerne noch mehr Geschäfte angesprochen hätte. Doch der Platz reiche einfach nicht für mehr Waren. Gemütlich und urig ist auch der Raum, in den das kleine Lädchen integriert wurde.

Stil der 1950er-Jahre

Die "Gute Stube" ist 2012 eingerichtet worden, ganz nach den Jugenderinnerungen der Bewohner. Man habe alles im Stil der 50er- und 60er-Jahre eingerichtet. "Da fühlen sich die Menschen richtig wohl, das erinnert an früher", erklärt Schlembach, die schon damals dabei gewesen war.

Sei es der alte Plattenspieler, das große hölzerne Nähkästchen, die Anrichte mit dem "guten Geschirr", die gemütliche Eckbank oder das Sofa (oder "Chaiselongue") mit dem Häkelbezug – hier fühlen sich besonders Menschen mit einer psychischen Behinderung oder dementieller Erkrankung wohl.

Neue alte Möbel gesucht

Ein neues Sofa oder Stühle, natürlich "im alten Stil", könne man allerdings mal gebrauchen, sagen die beiden Betreuerinnen. Vielleicht finde sich ja jemand, der so etwas gut erhalten übrig habe.

Schlembach und Heck wollen, dass sich Bewohner wie Besucher in den Räumen wohl fühlen. Da passt der kleine Laden natürlich genau hinein. "Die Leute halten sich auch gerne länger auf, ratschen ein wenig und stöbern richtig – ganz wie in früheren Zeiten im Dorfladen", so Heck und Schlembach.

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