Lohr

Ende in Sicht: Bauprojekt Alte Brauerei auf der Zielgeraden

Die Eröffnung war für Juli 2020 anvisiert. Dieser Plan ließ sich nicht halten. Wir haben nachgefragt, woran das liegt und wann der Gebäudekomplex in Lohr fertig sein wird.
Nach Fertigstellung des Rohbaus sind nun Fenster und Fassade sowie der Innenausbau an der Reihe.
Nach Fertigstellung des Rohbaus sind nun Fenster und Fassade sowie der Innenausbau an der Reihe. Foto: Roland Pleier

Es ist die derzeit einzige Großbaustelle in Lohr, in der sich was tut: Am Gebäudekomplex am Westrand der Altstadt, inzwischen meist "Alte Brauerei" genannt, zeichnen sich nun schon deutlich Konturen ab. Die Hülle steht. Jetzt geht es an den Innenausbau.

Gut zwei Jahre ist es her, dass mit dem Abriss Brauerei Stumpf begonnen wurde.
Gut zwei Jahre ist es her, dass mit dem Abriss Brauerei Stumpf begonnen wurde. Foto: Roland Pleier

Als im April vor zwei Jahren mit dem Abriss der Brauerei Stumpf begonnen wurde, war das Ziel definiert: Bereits im Juli 2020 sollte er fertig sein, der Gebäudekomplex, der Heimat werden wird für Rewe und dm,  für den Pflegedienst Advita GmbH und das Boardinghouse von Katja Bundschuh. Dieser Zeitplan wurde auch mit den Partnern, "den am Bau beteiligten Unternehmen und den zukünftigen Mietern rechtzeitig und transparent kommuniziert", wie der Projektentwickler Krakat Real Estate (KRE) auf Nachfrage der Redaktion bestätigt. Doch zeichnet sich schon seit einiger Zeit ab: Dieser Termin ist nicht zu halten.

Mal so, mal so ...

Im März 2019 hatte es noch geheißen: Alles liegt gut im Zeitplan. Als Ende Oktober die Sperrung der Alfred-Stumpf-Straße bis Ende Mai 2020 verlängert wurde, begründete der städtische Pressesprecher Dieter Daus dies mit Verzögerungen beim Bau. Beim Richtfest im Dezember schließlich wurde bekannt, dass die Baustelle schon fast ein Vierteljahr hinter dem Zeitplan gelegen hatte, weil beim Aushub belastetes Material aufgetaucht sei, das beprobt, getrennt gelagert und entsorgt werden musste. Das Unterfangen der Baugrube sei sehr aufwendig gewesen, hieß es damals, und die Nutzung des ehemaligen Brauereibrunnens via Wärmetauscher für die Heizung habe zusätzliche Zeit gebraucht.  Mittlerweile habe man den Rückstand zumindest beim Rohbau jedoch wieder aufgeholt, hinke nur der Innenbau noch etwas hinter dem Zeitplan her.

Fertigstellung, Stand heute: viertes Quartal 2020

Wohl ist es typisch für das Bauwesen, dass nicht alles planbar ist. Seit Februar dieses Jahres jedenfalls gilt ein neuer Fahrplan. "Aktuell sehen wir keine weitere Zeitverschiebung und gehen, Stand heute, von einem Bauende im vierten Quartal 2020 aus", so die Antwort aus dem Hause KRE Mitte April, also vier Wochen nach Beginn der Ausgangsbeschränkungen.

Jetzt ist der Innenausbau dran: der Gebäudekomplex von Westen her. Rechts neben dem Kastanienbaum der Stadtbahnhof.
Jetzt ist der Innenausbau dran: der Gebäudekomplex von Westen her. Rechts neben dem Kastanienbaum der Stadtbahnhof. Foto: Roland Pleier

Wie sich die Corona-Krise auswirkt

Das Baugewerbe lässt sich von der Corona-Krise zwar ab-, aber nicht ausbremsen. "Die Gesundheit und die daraus resultierende Verantwortung gegenüber aller am Bau beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht an erster Stelle unseres Handelns", macht die Unternehmensgruppe aus Bamberg deutlich. Die gesamte Bauaktivität werde eng mit den zuständigen Behörden – Gewerbeaufsichtsamt, Berufsgenossenschaft und Gesundheitsamt – abgestimmt. Abstandsregeln, Kontaktverbote und Hygienevorgaben würden "strikt umgesetzt und konsequent eingehalten". Auch die anfängliche Problematik bei der Beschaffung und Bereitstellung von Desinfektionsmittel sei "kurzfristig sowie vollumfänglich gelöst" worden. 

Soll im Juli wieder freigegeben werden – zumindest einspurig: die Alfred-Stumpf-Straße.
Soll im Juli wieder freigegeben werden – zumindest einspurig: die Alfred-Stumpf-Straße. Foto: Roland Pleier

Alfred-Stumpf Straße: Spätestens im Juli halbseitig frei

Die Änderung des Zeitplans hat Luft verschafft. Entsprechend sei der Bau "gemäß Zeitplan sehr weit fortgeschritten", heißt es nunmehr. Aktuell werde die äußere Hülle des Gebäudes, beginnend von der Ignatius-Taschner Straße, fertiggestellt. "Bei der Verkehrsführung gehen wir für den Bereich der Alfred-Stumpf Straße von einer halbseitigen Freigabe bis spätestens Anfang Juli 2020 aus", erklärt die H&N Mediaconsult GmbH aus Würzburg, die neuerdings mit der Öffentlichkeitsarbeit für KRE beauftragt ist.

"Alle vereinbarten und avisierten Fristen, sowohl mit den Projektbeteiligten als auch mit den zukünftigen Mietern, können von uns eingehalten werden", versichert der Projektentwickler. "Sollte es durch die Corona Pandemie zu aktuell nicht vorhersehbaren Einschränkungen der Bauaktivitäten kommen, befinden wir uns mit allen Vertragspartnern im Dialog."

20 Millionen Euro - oder mehr?

Mit 20 Millionen Euro war der Neubau des Wohn- und Geschäftskomplexes Alte Brauerei ursprünglich veranschlagt. Diese Zahl wurde zuletzt beim Richtfest im Dezember unwidersprochen veröffentlicht. Ob dieses Ziel zu halten ist? Da lässt sich die KRE-Gruppe nicht in die Karten schauen. Die "anfänglichen und aufwendigeren Arbeiten beim Tiefbau sowie die Vorsorgemaßnahmen bei der Umsetzung der Corona-Vorschriften" hätten zwar zusätzliche Kosten verursacht, räumt das Unternehmen ein. "Für solche Ereignisse" aber sei vorab immer "eine entsprechende Reserveposition" eingeplant. "Zu den Gesamtkosten machen wir grundsätzlich keine Angaben", bittet die KRE-Gruppe nunmehr um Verständnis. 

Zahlen und Fakten zum Neubau auf dem Brauereigelände

Der auf 20 Millionen Euro veranschlagte Neubau des Wohn- und Geschäftskomplexes ist die derzeit größte Baustelle in Lohr. Die Dimension des Projektes der Bamberger KRE-Gruppe lässt sich mit Zahlen verdeutlichen. So wurden knapp 24 000 Tonnen Beton und 1250 Tonnen Stahl verbaut. Der umbaute Raum sind 62 000 Kubikmeter. Auf dem Grundstück mit einer Grundfläche von etwas über 5000 Quadratmetern wird es eine Tiefgarage mit 112 Stellplätzen geben.
Im Erdgeschoss entstehen ein Rewe-Markt (1550 Quadratmeter Verkaufsfläche) und ein dm-Markt (760 Quadratmeter). Dazwischen liegt eine Passage von der Alfred-Stumpf-Straße zur Ludwigspassage. Im ersten und zweiten Obergeschoss entstehen 43 Einheiten für betreutes Wohnen. Im obersten Stock wird mit 17 Appartements zur Kurzzeitmiete betreiben. Zur Ludwigstraße hin gibt es einen 130 Quadratmeter großen Geschäftsraum, im ersten Stock daneben eine 380 Quadratmeter große Einheit, etwa für eine Arztpraxis oder freie Berufe.
jun

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