Gössenheim

EU-weit bedeutende Artenvielfalt

Die Bienenragwurz ist charakteristisch für die Ruine Homburg . . .
| Die Bienenragwurz ist charakteristisch für die Ruine Homburg . . .

Das Naturschutzgebiet „Ruine Homburg“ zeichne sich durch „kargen Boden, aber eine faszinierende Vielfalt von Lebensformen“, so Naturführerin Katja Winter vom EU-Förderprojekt LIFE+. Im Laufe von Millionen von Jahren haben sich Pflanzen und Tiere an diese Lebensbedingungen angepasst und es entstand ein buntes Mosaik aus Sonnenanbetern. Diese können ohne die spezielle Umgebung in Zukunft nicht überleben. Deshalb starten vielfältige, staatlich unterstützte Naturschutzprojekte zahlreiche Aktivitäten, um die früher vom Weinbau karger Weidewirtschaft gekennzeichnete artenreiche Landschaft in der bisherigen Struktur zu erhalten. LIFE+ „MainMuschelkalk“ ist eine davon.

Extrem trockener Lebensraum

Die Sonne strahlt ungefiltert und mit voller Kraft auf den kargen, grauen Muschelkalkboden. Dieser heizt sich stark auf, speichert die Wärme und wirft sie unmittelbar zurück. Die wenigen Niederschläge, die auf Grund der vorgelagerten Mittelgebirge Spessart, Rhön und Odenwald um die Hälfte reduziert hier abregnen, versickern ungespeichert und relativ schnell in dem durchlässigen Boden. An welche extremen Lebensbedingungen sich die Pflanzen besonders an teilweise exponierten Stellen angepasst haben, das können ein kleines Stück weit die 30 interessierten Teilnehmer der ersten Naturführung des Projektes LIFE+ an der Ruine Homburg am eigenen Körper verspüren. Bei Temperaturen um die 30 Grad und wo immer möglich Schatten suchend, folgen sie interessiert den Erläuterungen Winters.

Aber genau diese extremen Lebensbedingungen benötigen Pflanzen und Tiere, die hier leben. Da ist zum einen an den trockensten Stellen die bunte Erdflechtengesellschaft. Äußerst seltene Flechtenarten, Algen und Moose bilden hier einen außergewöhnlichen und bayernweit einmaligen Lebensraum. Der aus Frammersbach stammende Burkhard Büdel, Professor für Pflanzenökologie an der Technischen Universität Kaiserslautern, hat bereits im Juni 2012 deswegen eine Messstation an der Ruine Homburg errichtet. Auf diese weist die Naturführerin bei ihrem Rundgang hin. Sonneneinstrahlung, Lufttemperatur sowie Feuchtigkeitsgehalt der Bodenkruste und die Temperatur, die im Trockenrasen auch schnell einmal 60 Grad Celsius bei einer Lufttemperatur von 30 Grad erreichen kann, werden hier gemessen.

Mit dem angrenzenden, in Mainfranken endemischen, das heißt, in dieser Zusammensetzung örtlich begrenzten und einzigartigen, Faserschirm-Erdseggen-Trockenrasen finden sich neue Lebensformen und -bedingungen. Der blaugrüne Faserschirm, ein kleiner zweihäusiger Doldenblütler, das Apeninnen-Sonnenröschen und die Erdsegge, ein kleines Sauergras, sind hier die typischen Vertreter. Die nächste Struktur aus kleinflächig wechselnden Halbtrockenrasen, Säumen, Gebüschen und lichten Baumbeständen wird Steppenheidewald genannt. Zwischen locker stehenden Kiefern und Eichen blüht der nach Zimt und Zitrone duftende Diptam. Weitere typische Pflanzenarten sind Bienen-Ragwurz, Großes Windröschen und an den Rändern der Blut-Storchschnabel. Der wiederum ist Nahrungsgrundlage für die Raupen des kleinen Storchschnabel-Bläulings.

Diptam, Ragwurz, Windröschen

„Entstanden und geprägt ist die wechselvolle Landschaft durch jahrhundertelange vielfältige menschliche und landwirtschaftliche Nutzung“, weiß Katja Winter an Hand von alten Flurkarten zu berichten. Steinbrüche, kleinparzelliger Weinbau und auf den kargen Kuppen angesiedelte Weideflächen für anspruchslose Ziegen und Schafe prägten das Gelände und ließen Raum für eine angepasste, spezifisch-artenreiche Tier und Pflanzenwelt.

Das Gebiet um die Homburg und die anderen Flächen des Projektes von Würzburg bis Bad Kissingen sind von übergeordneter Bedeutung – „nicht nur deutschlandweit, sondern EU-weit“. Sie bilden einen Teil des ökologischen Netzes des Naturschutzprogrammes der Europäischen Union NATURA 2000, das die reichhaltige Natur- und Kulturlandschaften mit ihren Pflanzen und Tieren dauerhaft sichern und so die biologische Vielfalt bewahren will.

„Das ist nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch eine Chance für die Region“, ist die beim Projekt angestellte Naturführerin überzeugt. Die entsprechenden Aktivitäten werden zu 50 Prozent von der EU gefördert, 30 Prozent der Mittel stellt der Bayerische Naturschutzfonds. Die am LIFE+ „MainMuschelkalk“ beteiligten Kreise Bad Kissingen, Main-Spessart, Würzburg und die Stadt Würzburg müssen deshalb nur noch 20 Prozent beisteuern.

„So wird Wertschätzung und Wertschöpfung in die Region getragen“, sagt Winter. Die Naturführerin weist immer wieder auf die für den jeweiligen Lebensraum markante Pflanzen- und Tierarten hin. So erfahren die interessierten Wegbegleiter zum einen wissenswertes über die Natur und zum anderen Interessantes über das landkreisübergreifende Projekt „MainMuschelkalk“.

Viel zu sehen rund um die Homburg: Unter dem Titel „Eine buntes Mosaik aus Sonnenanbetern“ hat Naturführerin Katja Winter im Rahmen des Projektes LIFE+ am Wochenende Interessierten die Besonderheiten des Tier- und Pflanzenvorkommens im Naturschutzgebiet erklärt.
Foto: Helmut Hussong | Viel zu sehen rund um die Homburg: Unter dem Titel „Eine buntes Mosaik aus Sonnenanbetern“ hat Naturführerin Katja Winter im Rahmen des Projektes LIFE+ am Wochenende Interessierten die Besonderheiten des ...
. . . ebenso der Russische Bär, hier auf blühendem Feld-Mannstreu.
| . . . ebenso der Russische Bär, hier auf blühendem Feld-Mannstreu.
Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Spessart und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Gössenheim
Karsbach
Artenvielfalt
Lebensbedingungen
Naturschutzgebiete
Stadt Würzburg
Weinbau
Winter
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!