Marktheidenfeld

Fabienne will die beste Pflegeschülerin in Deutschland werden

Die Frammersbacherin fährt zu den Deutschen Pflegemeisterschaften. Fabienne Steigerwald erzählt, worauf es in der Pflege ankommt – und wie Corona den Beruf verändert.
Fabienne Steigerwald aus Frammersbach ist im dritten Jahr ihrer Ausbildung an der Pflegeschule in Marktheidenfeld. Bei den Deutschen Meisterschaften der Pflege tritt sie für Bayern an.
Fabienne Steigerwald aus Frammersbach ist im dritten Jahr ihrer Ausbildung an der Pflegeschule in Marktheidenfeld. Bei den Deutschen Meisterschaften der Pflege tritt sie für Bayern an. Foto: Daphne Pingol

Die Pflege war nach dem Abitur eigentlich nur Plan B für Fabienne Steigerwald, doch jetzt tritt sie an, um Deutschlands beste Pflegeschülerin zu werden. Sie vertritt Bayern bei der Deutschen Meisterschaft der Pflege. 

"Die Zwischenprüfung meiner Ausbildung war gleichzeitig der hausinterne Wettbewerb darum, wer vom Bildungszentrum für Pflegeberufe in Marktheidenfeld am Vorentscheid teilnehmen darf", erinnert sich Steigerwald. Sie schnitt als Beste ab. "Ich hatte sofort Lust auf diese Herausforderung."

Pflegeausbildung als gute Vorbereitung für Medizinstudium

Für die Finalrunde sollte sie eigentlich im Juni zwei Tage nach Berlin fahren und dort theoretisch und praktisch geprüft werden, in Pflege und Organisation. Die Pandemie ist schuld, dass der Wettbewerb verschoben werden musste. Für Steigerwald ist das besonders ärgerlich: "Die Prüfung wäre eigentlich zwei Wochen vor meiner Examensprüfung gewesen – ich hätte mich also nur einmal vorbereiten müssen."

Wenn die Finalrunde nachgeholt wird, hat die 21-Jährige aus Frammersbach wahrscheinlich schon ihre Ausbildung beendet und sich einer neuen Herausforderung gewidmet: Bereits jetzt ist sie in Erlangen im Fach Medizin eingeschrieben und nimmt zur Zeit schon online Veranstaltungen war. 

"Ein Arzt kann den Patienten nicht alleine heilen."
Fabienne Steigerwald, Pflegeschülerin

Heute ist sie froh, dass ihr eigentlich sehr gutes Abitur nicht gut genug war, um im ersten Anlauf einen Studienplatz für Medizin zu bekommen. Sie habe den Beruf lieben gelernt, sagt sie kurz vor Ende ihrer Ausbildung. "Ein Arzt kann den Patienten nicht alleine heilen. Es sind die Pflegekräfte, die rund um die Uhr für ihn da sind." Dass sie die Arbeit auf Station aus Sicht der Pfleger kennt, könne für ihre spätere Arbeit als Ärztin nur von Vorteil sein, ist sie sich sicher. "Ich würde die Ausbildung vor dem Studium jedem empfehlen."

Pfleger arbeiten manchmal an der Kapzitätsgrenze

Dass die Pflege ein Knochenjob ist, ist kein Geheimnis. "Ich habe auch manchmal Dienste, in den ich gar nicht durchatmen kann. Dann glühen die Füße und raucht der Kopf", sagt Steigerwald. In diesen Situationen wünsche sie sich zusätzliche Kollegen herbei. "Manchmal kann ich nicht fassen, dass wir eine Struktur im Gesundheitssystem akzeptieren, in der alle an ihrer Kapazitätsgrenze arbeiten."

"Das könnte ich ja nicht" ist ein Satz, den Steigerwald oft von Freunden und Familie hört, wenn es um ihren Beruf geht. "Vielen denken, meine Arbeit besteht hauptsächlich aus Körperpflege – dabei ist das nur ein kleiner Teil", sagt Steigerwald. Auch sie muss Krankheitsbilder kennen, Symptome beobachten, Patienten und ihre Angehörigen auch menschlich auf schwierigen Wegen begleiten. "Wenn Patienten zu mir sagen 'Ich bin so froh, dass Sie bei mir sind', dann ist das ein sehr schönes Gefühl. Ein so ehrliches Kompliment bekommt man sonst selten."

Bringt Corona dauerhafte Erleichterungen für Pfleger?

Das Corona-Virus hat die Sicht vieler Menschen auf den Pflegeberuf verändert, das spürt Steigerwald schon jetzt, wo die Welt noch mitten in der Krise steckt. "Ich bekomme jetzt viele Nachrichten von Familienmitgliedern, dass sie in dieser Zeit besonders an mich denken", erzählt sie beispielhaft.

Sie hofft, dass sich für das Pflegepersonal dauerhaft etwas ändert. "Ein einmaliger Bonus von 500 Euro, das kann man eigentlich nur als Schmerzensgeld für diese anstrengende Zeit betrachten", findet Steigerwald. 

Beim Pflege-Bildungszentrum in Marktheidenfeld, in dem Steigerwald ihre Ausbildung macht, hat das Virus dafür gesorgt, dass die Bewerberzahlen für den nächsten Jahrgang sehr gut sind. Tina Starck, Sprecherin des Klinikums Main-Spessart, dem das Bildungszentrum angegliedert ist, sagt dazu: "Wir merken, dass sich die Anerkennung des Berufs wandelt. Es wird klar, das Pflege ein krisensicherer Job ist."

Pflegemeisterschaften auf unbestimmte Zeit verschoben

Wann das Finale der Deutschen Pflegemeisterschaften nachgeholt wird, ist noch nicht bekannt. Fabienne Steigerwald will aber in jedem Fall teilnehmen. Seinen Gewinn, eine Reise nach New York, kann der oder die beste Pflegeschüler oder -schülerin in diesem Jahr wahrscheinlich eh nicht mehr einlösen.

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