Lohr

Familie Falke brütet im Lohrer Schloss

Auf sechs Eiern brüten seit 14 Tagen das Turmfalkenweibchen.
Auf sechs Eiern brüten seit 14 Tagen das Turmfalkenweibchen. Foto: Jochen Kümmel

Seit über 30 Jahren leben bereits Turmfalken im Lohrer Schloss hoch über der Stadt mit bestem Blick auf den Lohrer Talkessel. Dieses Jahr ist das Turmfalkenpärchen bereits Ende Februar wieder in ihre Nisthöhle in der kleinen Gaube in der Turmspitze des hinteren Turmes eingezogen, um dort ihre Kinderstube einzurichten.  "Einen Tag nach dem Abbau des Gerüstes waren sie da", erläutert Museumstechniker Andreas Eich im Gespräch mit dieser Redaktion. Durch ein kleines Loch im Fenster schlüpfen sie in ihr Brutrevier.

Bereits einige Tage zuvor war das Pärchen erwartungsvoll über dem Schloss gekreist. Seit schätzungsweise 14 Tagen brütet das Weibchen auf sechs Eiern. Sie werden etwa 29 Tage dauerhaft bebrütet, bevor die Jungen voraussichtlich gegen Mitte Mai schlüpfen. Durch ein kleines Loch in der Rückwand des Nistkastens kann man die drei bis vier Zentimeter großen Eier mit einer ockergelblichen Färbung mit rostrot-braunen Flecken gut erkennen.

Wieder sechs Eier

"Meist sind es sechs Eier, in wenigen Fällen nur fünf"«, erzählt der ehemalige Museumstechniker Reinhold Scherg aus seiner 25-jährigen Tätigkeit im Schloss. "Und mindestens fünf Jungtiere kommen durch", so Scherg weiter.

Während das Männchen Futter für beide Elterntiere jagt, sitzt das Weibchen auf den Eiern. Nur während das Weibchen die mitgebrachte Beute frisst, übernimmt das Männchen die Brut. Zur Nahrungssuche verschwindet nach den Beobachtungen von Andreas Eich das Männchen in Richtung Krankenhaus und zum stadtnahen Grünbereich der Wöhrde. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Mäuse. "Da ist auch mal ein Frosch dabei", weiß Reinhold Scherg zum Speisezettel der Familie Falke.

Man erkennt das Weibchen an dem einheitlich braunen Gefieder. Das Männchen hat einen gräulich gefärbten Kopf und ist etwas kleiner. Vor einigen Jahren waren es sogar mehrere Brutpärchen, die um den Platz in der Gaube kämpften, erinnert sich Museumstechniker Eich.

Idee des Hausmeisters

Zu Turmfalken ist das Lohrer Schloss durch den damaligen Hausmeister Herrmann Steigerwald gekommen. Er hatte die Idee, einen hölzernen Nistkasten für die Gauben-Nische zu installieren, damit das Gelege vom großen Dachbereich abgetrennt ist. Dass junge Turmfalken anscheinend nicht die cleversten sind, zeigte sich vor ein paar Jahren, als ein Falke bei den ersten Flugversuchen in den Kamin gestürzt ist. "Die Putzfrau hat dann gehört, dass Leben im Kamin ist", beschreibt Andreas Eich eine von mehreren Rettungsaktionen. Jetzt kann das nicht mehr passieren, da einige Kamine im Zuge der Dachsanierung abgebaut wurden.

Auch Reinhold Scherg kann Kurioses erzählen: Nachdem vor 15 Jahren die Elterntiere über Nacht nicht nach Hause kamen, musste Scherg die Aufzucht der Jungtiere übernehmen: "Da bin ich zum Metzger gegangen und habe gesagt, ich möchte gerne für zwei Euro Filetsteaks für die Falken."

Nicht nur Turmfalken beherbergt das Schneewittchenschloss hinter seinen Kulissen. Vor allem wenn Ruhe im Spessartmuseum eintritt, erwachen die rund 200 Muttertiere der Fledermausart "Mausohr" zum Leben. Sie nutzen im Sommerhalbjahr den Dachstuhl zur Fortpflanzung. Bei der Dachsanierung berücksichtigen die Planer eigens eine kleine Dachgaube für den ungehinderten Einflug zum "Fledermausdachboden". Wenn es wieder kälter wird, verziehen sich die Tiere in ihr Winterquartier auf die Ruine Schönrain. Markierungsversuche von Naturschützern vor einigen Jahren ergaben dies laut Scherg.

Früher ist es auch öfters mal vorgekommen, dass die Fledermäuse in den gesicherten Bereich des Museums vorgedrungen sind und Alarm ausgelöst haben. Dann bestand für Reinhold Scherg die Herausforderung, die Tiere wieder einzufangen.

Einen raumhaften Blick haben die Turmfalken von ihrem Nistkasten hoch über der Stadt. 
Einen raumhaften Blick haben die Turmfalken von ihrem Nistkasten hoch über der Stadt.  Foto: Jochen Kümmel
Durch ein Fenster in der Gaube in der Spitze des rechten Turms (ohne Gerüst) geht es zum Brutplatz der Turmfalken.
Durch ein Fenster in der Gaube in der Spitze des rechten Turms (ohne Gerüst) geht es zum Brutplatz der Turmfalken. Foto: Jochen Kümmel

Dacharbeiten und Naturschutz

Bei den Sanierungsarbeiten wurde auf die Belange der Turmfalken und der Fledermäuse besonders Rücksicht genommen. Die Arbeiten sind so getaktet, dass der von den Flugtieren "bewohnte" Dachbereich in den ungenutzten Monaten umgebaut wurde. Es ist gewährleistet, dass auch nach der Sanierung Turmfalken am Schloss brüten können.
Mit der Naturschutzbehörde hat die Hochbauverwaltung des Landkreises die Details abgestimmt. Mit Abschluss der Dacharbeiten ist voraussichtlich im Herbst zu rechnen.
Quelle: mejk

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