Marktheidenfeld

Flüchtlinge in der Corona-Krise: Fehlende Kontakte machen es schwierig

Flüchtlinge in der Region erleben die Pandemie noch einmal anders: Neben der Sorge um ihre Familien in der Heimat, machen ihnen vor allem die Kontaktbeschränkungen zu schaffen.
98 Menschen aus neun Nationen leben derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Flüchtlinge in Marktheidenfeld. 
Foto: Lucia Lenzen | 98 Menschen aus neun Nationen leben derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Flüchtlinge in Marktheidenfeld. 

In der Gemeinschaftsunterkunft Marktheidenfeld sind zwei Personen aus zwei verschiedenen Wohneinheiten positiv auf das Coronavirus getestet worden. Sieben weitere Personen wurden als Kontaktperson eins eingestuft. Sie sind an diesem Mittwoch getestet worden, wie der Leiter der Einrichtung, Orhan Demircan, bestätigt. Sie müssen nun in die 14-tägige Quarantäne. Auf dem Gelände der GU bewegen sie sich mit Mund-und-Nasenschutz. Generell gilt auf dem Gelände eine Maskenpflicht für Besucher. 

Derzeit wohnen in der Gemeinschaftsunterkunft 98 Menschen aus neun verschiedenen Nationen, darunter 27 Kinder zwischen 0 und 14 Jahren. Die meisten Geflüchteten kommen aus Afghanistan, gefolgt von Nigeria, Aserbaidschan, Elfenbeinküste, Syrien, Iran, Jemen, Irak und Ägypten. 

Homeschooling und virtueller Unterricht für Flüchtlingskinder meist schwierig 

Die Caritas-Verband für den Landkreis Main-Spessart berät Flüchtlinge und hilft ihnen bei der Integration. In der Außenstelle Marktheidenfeld übernehmen diese Arbeit die Sozialarbeiter Theresia Pretscher und Klaus Oßwald. Pretscher ist dabei auch zuständig für die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft. Gemeinsam mit ihrem Kollegen beschreibt sie, wie Flüchtlinge derzeit die Pandemie wahrnehmen und mit welchen Problemen sie kämpfen. "Viele machen sich zum Beispiel Sorgen um ihre Familien, die nicht in Deutschland leben", erläutert Pretscher. Dazu käme, dass sie räumlich meist sehr viel eingeschränkter und beengter lebten. Was gerade dann, wenn die Bewegungsfreiheit durch Regelungen eingeschränkt wird, zur Belastung werden kann. 

Schwierig gestaltet sich auch die Kommunikation mit den Behörden. Denn viele Ämter sind nur noch telefonisch und nicht mehr persönlich erreichbar. Oftmals sei es für die Flüchtlinge aber einfacher, eine Sache persönlich vor Ort zu klären. Herausfordernd ist auch die Situation in den Schulen für Flüchtlingskinder: Vor allem virtueller Unterricht scheitert oft daran, dass die Familien medial nicht ausgestattet sind. Zudem fehlt bei Home-Schooling ein Ansprechpartner vor Ort für Fragen oder Erklärungen. "Im Frühjahr wurden auch die Integrationskurse ausgesetzt oder Termine wurden verschoben", erklärt Pretscher. Dadurch verzögere sich zwangsläufig das Erlernen der deutschen Sprache und der Einritt in den Arbeitsmarkt wird schwieriger. Wie sehr der Bedarf nach Unterstützung da ist, merken Pretscher und Oßwald an der Nachfrage ihrer Beratung, die sie unter den entsprechenden Hygienemaßnahmen und mit Mund-Nasen-Schutz weiter anbieten. "Es kommen fast täglich Leute."

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