Frammersbach

Frammersbacher Köhlerfest: Der Kohlenmeiler steht trotzdem

Rudhard Kirsch und Monika Voglsanger am Jubiläumsmeiler.
Rudhard Kirsch und Monika Voglsanger am Jubiläumsmeiler. Foto: Monika Büdel

Wie so viele andere Feste musste auch das Frammersbacher Köhlerfest in diesem Jahr wegen Corona ausfallen. Für den Kegelsportclub (KSC) als Ausrichter besonders bitter: Es wäre das 50. Fest gewesen. Ein Trost und gleichzeitig die Vorbereitung für das Nachholen des Festes 2021: Der Kohlenmeiler steht und wird auch entzündet.

Die daraus gewonnene Grillkohle soll nächstes Jahr zum Einsatz kommen, wenn das 50. Köhlerfest nachgeholt wird, erläutert Monika Voglsanger, eine der drei Vorsitzenden des KSC und mit Stefanie Amberg Leiterin des Organisationsteams. Was von der aus Buchenholz gewonnenen Kohle über den Eigenbedarf geht, verkauft der KSC in haushaltsüblichen Mengen.

Mit Bands geeinigt

"Geahnt, dass es schwierig wird, hat man ja eigentlich schon im Februar", sagt Monika Voglsanger in der Woche vor Pfingsten im Gespräch mit der Redaktion am Köhlerplatz. "Wir haben unsere Planung nur langsam fortgesetzt. Aber das Programm stand." Nachdem im März klar war, dass nichts geht, habe sich der KSC mit den Bands geeinigt. Wer gebucht war, sei nächstes Jahr wieder dabei, sagt die Organisatorin. "Da zahlt sich das Lokale, dass man sich kennt, aus." Zum Glück habe die Waldschlossbräu das Festbier noch nicht gebraut gehabt.

Den Job als Organisationsleiterin macht Voglsanger seit rund zehn Jahren als Nachfolgerin ihres Vaters. Vorher hat sie auf dem Köhlerfest gekellnert. Sie kennt die Freuden und Leiden des Festes. Kälte, Nässe, Sonnenschein. Davon erzählt auch "Köhler Rudi", der Oberköhler Rudhard Kirsch. Schneefall, Hagel und so viel Regen, dass der Platz unter Wasser stand. Beim Auftritt von Supercharge – Voglsanger meint, es müsste 2006 gewesen sein – hätten sie einen Holzsteg zu den Toiletten gebaut, damit die Besucher nicht im Schlamm versanken.

Der Kohlenmeiler wird aus 15 bis 20 Ster Buchenholz aufgeschichtet, erklärt Köhler Rudhard Kirsch.
Der Kohlenmeiler wird aus 15 bis 20 Ster Buchenholz aufgeschichtet, erklärt Köhler Rudhard Kirsch. Foto: Monika Büdel

Trotz des miesen Wetters sei der Festplatz damals mit Feiernden gefüllt gewesen, erinnern sich Kirsch und Voglsanger. Und daran, dass der "Scheese Klaus" (Baustoff Mill) schon einen Lastwagen mit Schotter beladen hatte in der Ahnung, dass der KSC anruft. Am Festsamstag haben sie dann mal eben den aufgeweichten Platz frisch geschottert.

In den Anfangsjahren wurde das Köhlerfest an Christi Himmelfahrt gefeiert, bevor man es auf Pfingsten verlegt hat – in der Hoffnung, dass es wärmer ist. Das hat nicht immer geklappt, was auch daran zu erkennen ist, dass der KSC schon mal Glühwein ausgeschenkt hat.

Köhler Rudi ist seit 20 Jahren dabei. Er ist Mitglied im europäischen Köhlerverband. Bevor er vor 2007 in Rente ging, habe er sich fürs Köhlern in Frammersbach Urlaub genommen. Mittlerweile lässt er sich auch mal von auswärts buchen, um aus Holz Kohle zu machen. "Erfahrung – man braucht viel Erfahrung. Du kannst nur von den Alten lernen", sagt Kirsch. Von den Europa-Treffen habe er schon so manchen Trick mit nach Hause genommen.

Platz und Meiler bewacht

Die Kunst des Köhlerns beginnt schon beim Aufbau des Meilers. Rund 20 Ster Holz werden rundherum aufgeschichtet, Belüftungslöcher angelegt und das Ganze mit Erde und Grassoden abgedeckt. Über den Kamin wird die Glut eingebracht und Holzscheite für den Abbrand eingeworfen, erklärt Kirsch. Die Köhler sind in Frammersbach immer zu zweit, um sich abzuwechseln. Sie bewachen auch dieses Jahr ohne Fest den Platz und ihren Meiler.

Die Kunst ist, erklärt der Fachmann, dass nicht zu viel oder zu wenig Luft in den Meiler gelangt. Ist es zuviel, verbrennt das Holz, ist es zu wenig, geht die Glut aus. "Wirklich schlafen kann man dabei nicht." In einer kleinen offenen Rundhütte haben die Köhler ihr Lager, wo sie sich zwischen ihren Kontrollen mal ausruhen.

Vor einigen Wochen hätten sie die Genehmigung vom Landratsamt bekommen, dass sie den Meiler abbrennen dürfen, sagt Voglsanger: "Unter Einhaltung der Infektionsschutzbestimmungen." Diese umzusetzen sei kein Problem. Für die Vereinsmitglieder gibt es einen Schichtplan. Damit alles seine Ordnung hat, wird der Abbrand mit der Feuerwehr abgesprochen. Auch mit der Gemeinde tauscht sich der Verein aus. Nicht nur wegen des Köhlerns, sondern wegen des Nachpflanzens von Bäumen auf dem gepachteten Platz. Der ist derzeit mit Flatterband abgesperrt, um Schaulustige aus Schutzgründen abzuhalten.

Für alle, die brennend interessiert, wie aus Holz Kohle wird, wird der KSC im nächsten Jahr zum 50. Köhlerfest einen Schaumeiler im Querschnitt aufbauen, kündigt Kirsch an. "Wir haben noch mehr Überraschungen vorbereitet", kündigt Voglsanger an.

Ferdinand Breitenbach hatte das Köhlerhandwerk noch als Beruf ausgeübt und war der erste Köhler bei den Festen. Das Foto entstand 1972 oder 1973.
Ferdinand Breitenbach hatte das Köhlerhandwerk noch als Beruf ausgeübt und war der erste Köhler bei den Festen. Das Foto entstand 1972 oder 1973. Foto: Edmund Büdel

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