Lohr

Lohrer Stadtrat diskutiert Gefahr von 5G-Strahlung

Im Stadtbild nicht zu übersehen: In Lohr gibt es bereits viele Sendeanlagen für den Mobilfunk, wie diese an der Steinfelder Straße in Sendelbach. Bestehende Anlagen werden auch für den Betrieb von 5G genutzt, aber die fünfte Mobilfunk-Generation stößt auf Bedenken.
Im Stadtbild nicht zu übersehen: In Lohr gibt es bereits viele Sendeanlagen für den Mobilfunk, wie diese an der Steinfelder Straße in Sendelbach. Bestehende Anlagen werden auch für den Betrieb von 5G genutzt, aber die fünfte Mobilfunk-Generation stößt auf Bedenken. Foto: Heinz Scheid

Der Mobilfunk pflanzt sich immer schneller fort. Seine fünfte Generation (5G) soll den digitalen Datenfluss enorm beschleunigen. Ein Segen für die Menschen oder Gefahr für deren Gesundheit? Diese große Debatte hat nun auch den Lohrer Stadtrat erreicht.

Anlass waren zwei geplante Funkmasten im Lohrtal (wir berichteten am 25. Juli) und eine Ankündigung der Telekom, dass in Lohr jetzt 5G verfügbar sei. Teile des Stadtrats wollten mehr Informationen dazu und mutmaßten, die neuen Masten würden für das 5G-Netz errichtet.

Torsten Ruf (ÖDP) schrieb an seine Ratskollegen, man müsse an den Schutz der Bevölkerung vor Strahlung denken. Der Einsatz von 5G in Lohr werde "zumindest von mir nicht mitgetragen", so Ruf.

Nicht gegen Digitalisierung

Christine Kohnle-Weis (SPD) forderte von der Stadtverwaltung weitere Informationen zum Mobilfunk in Lohr, und Mathilde Lembach (Grüne) äußerte ebenfalls Bedenken. Ihr ist es wichtig, "dass die Bevölkerung möglichst wenig Strahlung abkriegt", sagte sie im Gespräch mit unserem Medienhaus, denn als Stadträtin fühle sie sich der Gesundheit der Bevölkerung verpflichtet. Es sei bislang ungenügend erforscht, welche Auswirkungen 5G auf die Gesundheit habe. Sie sei nicht grundsätzlich gegen Digitalisierung oder Mobilfunk, "aber 4G würde reichen", meint Lembach.

Damit geben sich die Befürworter eines schnelleren Mobilfunks naturgemäß nicht zufrieden, zumal 5G nichts anderes als eine Weiterentwicklung von 4G sei, sagt Markus Jodl, Pressesprecher der Telekom. Für Mobilfunk zu sein, aber gegen 5G, "das ist Quatsch", so Jodl im Gespräch mit unserer Redaktion. Denn für die neue Mobilfunk-Generation würden bestehende Antennen genutzt und Frequenzen, "die ohnehin in der Luft sind".

Keine Sonderstellung

Möglich wird das, vereinfacht ausgedrückt, durch Verbesserungen in der Funktechnik. 5G sei grundsätzlich mit den vorhandenen Mobilfunknetzen vergleichbar, schreibt die Bundesnetzagentur auf ihrer Internetseite. Es würden Techniken eingesetzt, "die einen sehr effektiven bedarfsorientierten und damit Feldstärke minimierenden Betrieb ermöglichen". Bezüglich des Schutzes der Bevölkerung nehme 5G deshalb keine Sonderstellung ein.

Doch die neue Mobilfunk-Generation bleibt unter Verdacht. "Telekom bestrahlt Lohr mit 5G!" steht auf der Facebookseite der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Lohr-Lohrtal, deren Vorsitzender Torsten Ruf ist. Man sehe "diese Technologie als sehr kritisch, da die Gesundheitsrisiken wohl stark unterschätzt werden".

Sie finde "es seltsam, dass eine Kommune kein Mitspracherecht hat, wenn etwas auf ihrem Gebiet installiert wird," wundert sich Mathilde Lembach darüber, dass im Rathaus so wenig über den Mobilfunkausbau in Lohr bekannt ist. Zumindest die Zahl der Anlagen vor Ort lässt sich jedoch leicht herausfinden (siehe: Zahlen und Fakten). Der städtische Pressesprecher Dieter Daus verweist dazu auf den gesetzlichen Sachverhalt. Zum Beispiel sei der neue Sendemast auf dem städtischen Gebäude an der Steinfelder Straße in Sendelbach baurechtlich ein "verfahrensfreies Vorhaben", für das keine Baugenehmigung nötig sei.

Keine Handhabe

"Auf der Basis des von der Stadt Lohr seinerzeit in Auftrag gegebenen Mobilfunkkonzeptes gibt es keine weitere rechtliche Handhabe", so Daus auf Anfrage unserer Redaktion. Hier sei es nur um die damals geplanten Sendemasten in Sendelbach und Sackenbach gegangen. Welches Unternehmen "in welchen Ortslagen 5G anbietet, ist uns nicht bekannt". Unterdessen erklärt Telekom-Pressesprecher Markus Jodl, es sei bezüglich 5G ein Infoschreiben an alle Standorte gegangen, die es betrifft, in Absprache mit den kommunalen Spitzenverbänden. Zur anhaltenden Kritik an 5G sagt er, die Gegner hätten sich darauf "eingeschossen". Deutschlandweit betrachtet sei das "ein Südphänomen", denn diese Diskussionen würden hauptsächlich in Bayern und Baden-Württemberg geführt. Doch es gebe viele positive Stimmen zum 5G-Ausbau.

Zahlen und Fakten: Sendeanlagen in Lohr

Die Bundesnetzagentur informiert in einer Online-Datenbank über die Mobilfunk-Sendeanlagen. Demnach gibt es im Bereich der Lohrer Kernstadt sechs Standorte mit insgesamt 73 Mobilfunk-Sendeantennen. Ferner gibt es eine Reihe von "sonstigen Funkanlagen". Im Industriegebiet Wombach werden zwei Mobilfunkstandorte mit insgesamt 18 Sendeantennen angezeigt, weitere Funkstandorte im Lohrer Stadtgebiet bestehen an der Farbmühle, in Ruppertshütten, Pflochsbach und Sackenbach. Rechnet man einen Standort zwischen Ruppertshütten und Rieneck dazu, gibt es in und um Lohr rund 140 Sendeantennen für Mobilfunk.
Die Sendeanlage an der Steinfelder Straße in Sendelbach ist in der Datenbank noch nicht verzeichnet, dafür aber zwei Stellen, an denen die Stärke der elektromagnetischen Felder gemessen wurde. Zuletzt vor fünf Jahren beim Schulzentrum an der Jahnstraße. Ergebnis: Der "Ausschöpfungsgrad der Grenzwerte" lag dort bei weit unter einem Prozent.
Unterhalb der Grenzwerte seien keine gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks nachgewiesen, schreibt das Bundesamt für Strahlenschutz auf seiner Internetseite. Beim weiteren Ausbau von 5G könnten aber neue, höhere Frequenzen dazukommen, "deren Wirkungen noch nicht so gut erforscht sind".
Man rate "zu einem umsichtigen Ausbau von 5G" und werde die Wirkung der neuen Frequenzbereiche weiter erforschen. Aber trotz der neuen Mobilfunk-Generation "können wir davon ausgehen, dass das eigene Handy die größte Quelle von Mobilfunkstrahlung im Alltag ist".
Quelle: eiei

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