Laudenbach

Genisa-Fund in ehemaliger Synagoge

Bei der Jahreshauptversammlung des Förderkreises ehemalige Synagoge Laudenbach ließ Vorsitzender Georg Schirmer die Arbeit des vergangenen Jahres Revue passieren.

Seit April 2015 ist die Stadt Karlstadt im Besitz der denkmalgeschützten Synagoge. Zurzeit läuft eine Befunduntersuchung der Firma Gruber und Hettiger, die demnächst abgeschlossen wird und sowohl eine Einordnung des baulichen Zustands als auch eine erste Kostenschätzung für die Sanierung ermöglicht. Ebenso untersucht ein Restaurator die Decken und Wandbemalung.

Bei der Voruntersuchung in einem Dachfeld wurden Reste von religiösen Schriften und Stücke eines ledernen Gebetsriemens entdeckt. Dabei handelt es sich um eine sogenannte „Genisa“: Unbrauchbar gewordene religiöse Schriften werden im Dachbereich der Synagoge abgelegt, da sie nach religiöser Vorschrift im Judentum nicht vernichtet werden dürfen. Es sei kein spektakulärer Fund, sagte Schirmer. Nach Auskunft von Fachleuten stammen die Reste aus dem 19. Jahrhundert.

Jedoch habe man erst ein Dachfeld geöffnet, da die Untersuchung des gesamten Dachbereiches zu aufwändig geworden wäre. Es bestehe die Hoffnung, dass man zu einem späteren Zeitpunkt bei der Sanierung des Daches auf weitere Funde stößt. Alle geborgenen Schriftstücke und religiösen Gegenstände werden in der Genisa-Forschungsstelle in Veitshöchheim gesichtet, beschrieben und aufbewahrt.

Eine blaue Plane schützt das Dach derzeit vor weiteren Schäden. Auch wurde der seitliche Schuppen im Rahmen der Voruntersuchung entfernt, um das Gebäude freizulegen. Erstmals seit vielen Jahren kommt jetzt auch wieder von westlicher Seite her Licht in die Synagoge. Da noch keine Kostenschätzung vorliegt, ist es auch noch nicht möglich, bauliche Maßnahmen durchzuführen.

Aber Schirmer sieht gute Chancen, die Synagoge in der bevorstehenden Dorferneuerung als Projekt unterzubringen. Wenn dies gelinge, könnten auch weitere Fördermittel, zum Beispiel Gelder aus dem europäischen Förderprogramm Leader, beantragt werden.

Der Förderkreis ist nicht nur für den Erhalt der Synagoge tätig, er engagiert sich auch sehr stark im kulturellen Bereich. So wurden Lesungen, Vorträge, Theaterstücke und Führungen mit Schulklassen und Gruppen angeboten. Im vergangenen Jahr kamen über 600 Besucher in die Veranstaltungen des Vereins und unterstützten die Arbeit mit Spendengeldern. Die Besucherzahlen bestätigen den Förderkreis in seiner Arbeit und zeigen, dass das Interesse der Bevölkerung für den Erhalt der Synagoge wächst. Seit kurzer Zeit ist es möglich, alle Veranstaltungen und Aktivitäten auf der Homepage www.synagoge-laudenbach.de nachzulesen.

Die nächste Veranstaltung findet vor dem Hintergrund des Europa-Tages mit dem Partnerschaftskomitee der Stadt Karlstadt am Samstag, 7. Mai um 19.30 Uhr im historischen Rathaus statt: „Packt Europa an den Hörnern“ – Liebenswertes von einem geplagten Kontinent. Eine sati(€)rische Revue. Der Eintritt ist frei, Spenden kommen der ehemaligen Synagoge Laudenbach zugute.

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