Lohr

Gertraud Waschinger wird 90 Jahre alt

Gertraud Waschinger feiert 90. Geburtstag.
Foto: Gisela Büdel | Gertraud Waschinger feiert 90. Geburtstag.

Gertraud Waschinger feiert am Freitag  im Caritas-Seniorenzentrum St. Martin ihren 90. Geburtstag. Nach entbehrungsreichen Kriegsjahren mit dem Verlust der Heimat im böhmischen Schlossbösig wagte die damals 18-Jährige einen beherzten Neuanfang. Dazu brauchte es Mut, Fleiß und Entschlossenheit. Diese Eigenschaften ebneten der Jubilarin einen erfüllten Weg in die Zukunft.

Geboren wurde die Jubilarin am 23. April 1931 als Gertraud "Traudl" Dreßler am Schlossberg Bösig in Nordböhmen. Für Klein-Traudl wurde neben den Eltern ihr Großvater zur geliebten Bezugsperson. Ein überliefertes Zitat ihrer Schwester Hedl besagt: "Früh entwickelte sich aus dem kleinen Mädchen eine selbstbewusste Persönlichkeit".

Bereits im Alter von acht Jahren ging sie den Eltern auf ihrem Gutshof zur Hand. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges geriet das Leben der Familie Dreßler aus den Fugen: Der Vater gelangte wegen seines Bürgermeisteramtes in Gefangenschaft, die ältere Schwester Hedl musste zur Zwangsarbeit auf einen tschechischen Bauernhof . Am 11. Juli 1945 wurde die Familie vom Gutshof vertrieben. "Es folgte eine ungewisse Reise von Station zu Station mit dem Ziel, etwas Essbares zu finden und zu überleben", erinnert sich die Jubilarin an harte körperliche Arbeit.

Mit der Entlassung des Vaters aus der Gefangenschaft 1947 war die siebenköpfige Familie wieder vereint. Im Alter von 18 Jahren ging Traudl den ersten Schritt in eine neue Zukunft. Von Fernweh geplagt, zog sie aus, um die Welt kennenzulernen. "Was ich an meiner Mutter bewundere, ist ihr Mut, über die grüne Grenze zu fliehen", betont Tochter Karin. Per Zug ging es für die wagemutige Traudl über Göttingen nach Neustadt, um mit dem Schelch ihr Ziel auf der anderen Main-Seite zu erreichen: In Erlach fand die Jugendliche eine neue Heimat bei ihrer Tante Milli, die sie bei der Wohnungs- und Arbeitssuche unterstützte.

In jungen Jahren:  Die 21-jährige Gertraud Waschinger.
Foto: Repro Gisela Büdel | In jungen Jahren: Die 21-jährige Gertraud Waschinger.

Von da an verdiente sich Traudl ihren Lebensunterhalt beim Lohrer Obst- und Gemüsegroßhandel Schumm, wo ihr späterer Ehemann Franz Waschinger als Fahrer beschäftigt war. "Im Festzelt der Spessartfestwoche 1956 sprang der Funke zwischen Traudl und Franz über", ist im "Stück Geschichte" zu Traudls 60. Geburtstag zu lesen. Aus dem Flirt entstand eine Liebe fürs Leben, die am 30. August 1958 mit der Hochzeit gekrönt wurde. Die Geburt der Kinder Wolfgang, Karin und Petra machte aus der Zweisamkeit eine fünfköpfige Familie.

Franz Waschinger hatte 1957 eine Lebensstellung in der Zulassungsstelle des Landratsamtes Lohr (heute Main-Spessart) gefunden. Dort besiegelte er über viele Jahrzehnte mit seiner markanten Unterschrift die Führerscheine der Fahranfänger. Ein Schicksalsschlag traf die Familie mit dem plötzlichen Tod des Vaters und Ehemannes im Oktober 2020. Ein Ereignis, das die Jubilarin bis heute nicht überwunden hat: "Vom Bewusstsein her fehlt mir die Zeitspanne zum Trauern", bedauert sie.

Umso dankbarer erinnert sie sich an 62 gemeinsame Ehejahre, an ihr Familienleben und die geliebten Reisen und Ausflüge. Was sich Gertraud Waschinger zum Ehrentag wünscht, ist ein rasches Ende der Corona-Pandemie und damit "wieder mehr menschliche Wärme". Zum 90. Geburtstag gratulieren neben den Kindern sechs Enkeltöchter und eine Urenkelin.

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