Lohr

Glosse: Nur der Onkel-Otto-Laden kann unser Heimatgefühl noch retten

Wer in der Corona-Krise noch nicht zum Nachdenken gekommen ist, den haben die drohenden Schließungen von Bankfilialen vielleicht dazu angeregt. Es ist Zeit für Veränderungen.
Schon mal ein Anfang: die Öschpringer Dorfladenvision im Fasching 2020.
Schon mal ein Anfang: die Öschpringer Dorfladenvision im Fasching 2020. Foto: Heidi Vogel

Zweifellos werden in späteren Jahren unsere Nachkommen, auf von Meer umspülten Inseln fiebrig unter Covid-134 leidend, mit Staunen auf das komische Jahr 2020 zurückblicken. Was für eine merkwürdige Zeit das doch damals war, als es noch Blumenwiesen gab, so groß, dass Demonstranten darauf Abstand halten konnten – oder halt nicht. Ob die künftigen Generationen nachvollziehen können, was uns Main-Spessarter heute so erschüttert: den gefühlten Verlust an Heimat? Ja, es sind momentan Tage, da selbst Sonnenbrille tragende Skelette Reißaus nehmen.

Aber kommen wir tapfer unserer Coronistenpflicht nach. Jahrzehntelang sind wir, ob geimpft oder nicht, in unseren Dörfern herumspaziert, haben unseren liebevollen Blick über kaum genutzte Einrichtungen wie Rathaus, Kirche, Bankfiliale, Metzger oder Tante-Emma-Laden schweifen lassen, und haben uns im Innersten bestätigt: Hier bin ich daheim, so ist Heimat, so soll es sein. Dann sind wir zufrieden nach Hause, haben uns online etwas die Zeit vertrieben und haben, weil wir eh schon im Netz waren, noch schnell was bestellt und eine Überweisung getätigt. Und dann dieser Paukenschlag: die Sparkassenfiliale schließt.

Goldbären oder Goldbarren?

Wie sollen wir, Rollator schiebend, nun an unser Geld kommen, wo unseren in Druckbuchstaben mühsam ausgefüllten Überweisungsträger einwerfen? Von den Kindern und ihren Sparbüchsen ganz zu schweigen. Natürlich können wir, wenn wir eh schon dort einkaufen, im Discounter ein paar Scheine abheben. Natürlich können wir unseren Bankberater auch weiterhin telefonisch, womöglich gar im Video-Chat erreichen, und fragen, ob wir besser in Goldbarren oder Goldbären investieren sollen. Aber machen wir uns nichts vor: Heimatgefühl gibt es bald nur noch dahoam in der Fernsehkulisse. 

Metzger weg, Bäcker weg, Bank weg, Tante Emma weg. Was soll werden? Was könnte uns in dieser Situation noch retten? Kooperationen! Aber nicht von zwei Bankhäusern, denen der Sinn ohnehin so gar nicht nach Miteinander zu stehen scheint. Es braucht neue Geschäftsmodelle: Tante Emma ist passé, es lebe der Onkel-Otto-Dorfladen! Die geballte Dosis an Heimat hinter einer Tür – mit Wursttheke, Bankschalter, Gemeindekanzlei, Postfiliale, Weck- und Schwarzbrotregal, Tiefkühltruhe und Marienaltar – eben alles, was das Herz begehrt. Natürlich auch einem Dorfladencafé mit Zeitungslektüre. Jetzt braucht's geballte Heimat! Am besten nimmt das ganz schnell mal der Pfarrer mit Gottes Segen in die Hand.

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