Weibersbrunn

Glosse: Von falschem Urin und anderen Accessoires

Die Polizei hat auf der Autobahn ein Produkt sichergestellt, das dazu dienen sollte, Beamte bei Drogentests hinters Licht zu führen. Genutzt hat das jedoch nichts.
Ein Saft, der viel aussagt: Urinproben von Sportlern in einem Labor im sächsischen Kreischa.
Ein Saft, der viel aussagt: Urinproben von Sportlern in einem Labor im sächsischen Kreischa. Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Das Abwasser des menschlichen Körpers ist gelb und bahnt sich aus der Niere heraus über die Harngänge den Weg in die Freiheit. Es sagt bei seiner Analyse, gemeinhin Urinproben genannt, viel über den Menschen aus, der es abgegeben hat. Zum Beispiel, ob die Person an einer Krankheit oder körperlichen Fehlfunktion leidet. Ob sie vielleicht schwanger ist oder zur Leistungssteigerung beim Sport zu unlauteren Mitteln gegriffen hat. Und nicht zuletzt, ob sie Betäubungsmittel zu sich genommen hat.

Letzteres macht sich die Polizei zunutze, wenn sie Autofahrer auf Drogenmissbrauch kontrolliert. Ein Schnelltest mit dem Körpersaft überführt Menschen, die besser nicht hätten in ihr Fahrzeug steigen sollen und die dann ihres Führerscheins verlustig gehen. Die Furcht vor derlei Konsequenzen macht offensichtlich kreativ: In dieser Woche stoppten Polizieibeamte auf der A3 einen Autofahrer, der eine Packung künstlichen Urin mit an Bord hatte. Wohl, um im Falle einer Kontrolle eine Flüssigkeit abzugeben, die keine Drogenrückstände aufweist. Blöd nur für den Mann aus Hessen, dass ihn die Beamten gleich zur Blutentnahme baten, weil sein Verhalten ziemlich deutlich auf den Missbrauch von Betäubungsmitteln hinwies.

Bloß nicht in die Mikrowelle

Den Kunst-Urin gibt es für knapp 20 Euro pro Packung bei diversen Online-Versandhändlern, nebst Rezensionen von Benutzern und der Warnung davor, das in eine Kunststoffhülle verpackte Produkt in der Mikrowelle zu erhitzen. Den Vorgang, der diesem Eintrag in der Küche des Rezensenten vorausgegangen sein mag, wollen wir uns aber genauso wenig vorstellen wie die Folgen des Umstands, dass ein Benutzer beklagt, dass die Verpackungen der Flüssigkeit leicht undicht werden können.

Andernorts haben Polizisten neben Urin-Beuteln auch ein Accessoire sichergestellt, das dazu dienen sollte, die besagte künstliche Flüssigkeit bei Kontrollen in Umlauf zu bringen und somit die staatliche Ordnungsmacht hinters Licht zu führen. Die Rede hier ist von einem Kunst-Penis, welcher bei besagten Online-Händlern für etwas über 150 Euro zu haben ist. Über die Handhabung des Produkts gibt es allerdings nur spärliche Rezensionen.

Der Alkomat: Mit ihm versucht die Polizei, trunkene Autofahrer aus dem Verkehr zu ziehen.
Der Alkomat: Mit ihm versucht die Polizei, trunkene Autofahrer aus dem Verkehr zu ziehen. Foto: dpa/Sina Schuldt

Der schwunghafte Handel mit den Produkten legt nahe: Offensichtlich gibt es für bei Drogenkontrollen mehr Spielraum für Tricksereien wie bei Alkoholtests, denen sich Autofahrer unterziehen müssen. Dort haben sich nämlich die Einnahme von Mundwasser, Kaffee oder Pfefferminzbonbons als untauglich erwiesen, um Trunkenheit zu kaschieren. Als einzig wirkungsvoll, um den eigenen Alkoholabsus zu verschleiern, gilt Kälte. Doch versuchen Sie mal, mit einem Mund voller Eiswürfel in einen Alkomaten zu blasen.

Immerhin dürfte es in diesem Sommer in der Region die ein oder andere Alkoholkontrolle weniger geben. Schließlich finden die großen Volksfeste in Lohr, Marktheidenfeld und Gemünden, in deren Umfeld die Ordnungshüter schon mal den ein oder anderen Autofahrer aus dem Verkehr ziehen, in der heißen Jahreszeit nicht statt. Und auch viele geplante Weinfeste sind Corona zum Opfer gefallen, was den hiesigen Polizisten möglicherweise die Chance eröffnet, mehr nach Menschen mit künstlichem Urin und dem dazugehörigen Accessoire zu schauen.

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