Thüngen

Grünes Licht für Solarparks: Damit die Energiewende auch in Thüngen gelingt

Die Energiewende nimmt in der Marktgemeinde Thüngen immer konkretere Formen an. Nach Abwägung der eingegangenen Stellungnahmen von Behörden beschloss der Gemeinderat einstimmig die Änderung des Flächennutzungsplanes und anschließend auch den Bebauungsplan für das "Sondergebiet Fotovoltaik südliche Buchenhölle" und gab auch grundsätzlich grünes Licht für die Weiterplanung eines ähnlichen Vorhabens am Ortsrand nach Arnstein und Retzstadt.

Schon im vergangenen Sommer hatte die Firma Solar Konzept vom Marktgemeinderat die Genehmigung erhalten, durch das Planungsbüro OPLA die notwendigen Planungs- und Genehmigungsschritte einzuleiten. Auf drei Teilflächen mit insgesamt 17 Hektar plus 5,4 Hektar als Ausgleichsfläche ist ein Solarpark vorgesehen, der im besten Fall 18 Megawatt an Sonnenstrom für rund 5000 Haushalte liefern könnte. Die Flächen seien so ausgewählt, dass zum einen die landwirtschaftlich hochwertigeren Areale ausgespart und daher für den Anbau erhalten bleiben würden und zum anderen genügend Austrittsmöglichkeiten für das Wild böten, erläuterte damals Konrad von Thüngen.

Landratsamt besteht auf Heckenpflanzungen

Jetzt hatte das Gremium die eingegangenen Stellungnahmen dazu abzuwägen und einen verbindlichen Beschluss zu fassen. Noch in vorausgegangenen Einwendungen hatte besonders das Landratsamt mögliche Blendwirkungen, ein gestörtes Landschaftsbild und verschiedene ökologische Nachteile bemängelt. Diese konnten mittlerweile weitgehend ausgeräumt werden. Letztendlich bestand die Behörde aber auf Heckenpflanzungen von drei bis fünf Metern Breite als Ausgleichsmaßnahme, die Ansaat von autochtonem Saatgut und den Schutz von Reptilienlebensräumen. Der Bund Naturschutz forderte noch einmal, auf Bodenversiegelung zu verzichten und die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche unter den Modulen, beispielsweise als Weideland.

Der Gemeinderat beschloss ohne große Diskussion nach Anhörung der Stellungnahmen sowohl die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans, als auch den dazugehörigen Bebauungsplan. für das "Sondergebiet Photovoltaik südliche Buchenhölle".

Baubeginn schon Ende September/Anfang Oktober

Wie geht es nun weiter mit der Anlage? Nach Eingang der Bauanträge beim Landratsamt hat dieses drei Monate Zeit zur Bearbeitung, dann erfolgt das Baurecht. Mit dem Baubeginn wird Ende September, Anfang Oktober gerechnet, die Fertigstellung soll noch in diesem Jahr erfolgen. Nach Anschluss an die Trafostation in Karlstadt durch eine vier Kilometer lange Kabeltrasse kann die Anlage ans Netz gehen.

Für die Gemeinde Thüngen ergeben sich aus dem Vertrag mit dem Betreiber einige Vorteile. Sitz des Unternehmens ist Thüngen, damit fällt hier auch Gewerbesteuer an. Außerdem erhält die Kommune eine Beteiligung von 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde und die Bürger haben die Möglichkeit, sich mit eigenen Einlagen zu beteiligen. Dazu soll nach der Sommerpause eine Informationsveranstaltung stattfinden.

Den dritten Vorteil teilte Bürgermeister Lorenz Strifsky jetzt in der jüngsten Sitzung mit. Die Freiherrliche Domäne Thüngen ist bereit, rechts an der Staatsstraße nach Retzbach einen 3,5 Meter breiten Grundstücksstreifen im Verhältnis 1 : 1 einzutauschen. Damit könnte der langgehegte Wunsch der Gemeinde Thüngen nach einem sicheren Fahrradweg dort umgesetzt werden. Die Familie von Thüngen fordert aber, dass dieser Weg für Lkw und Erntefahrzeuge weiterhin nutzbar sein müsse.

Dritter Solarpark in Thüngen

Das nächste Projekt für eine Freiflächen-Photovoltaikanlage in der Gemarkung Thüngen steckt zwar noch im Anfangsstadium, doch hat der Gemeinderat auch hier seine Zustimmung erteilt. Thomas Jungkunz stellte die Pläne seiner Firma Südwerk vor. Die Anlage soll im Dreieck Thüngen, Binsfeld und Retzstadt entstehen, in zwei Flächenteile aufgespalten und insgesamt rund 19 Hektar groß sein. Sie soll bis zu 20 Megawattstunden pro Jahr an elektrischem Strom erzeugen und damit Energie für über 500 Haushalte liefern. Pro Jahr können hiermit 12.400 Tonnen CO2 eingespart werden.

Das Gebiet soll durch Heckenstrukturen eingegrenzt werden, einen Wildkorridor erhalten und mit extensiv gepflegten Blühwiesen bepflanzt werden. Am südlichen Ende sind naturnahe Tränken für das Wild vorgesehen. Auch hier ist wegen der Gewerbesteuer Thüngen als Firmensitz vorgesehen, die Gemeinde könnte rund eine halbe Million Euro in 20 Jahren plus eine Kommunalbeteiligung in Höhe von 45.000 Euro erhalten. Zudem soll eine Bürgerbeteiligung ermöglicht werden. Mit der Fertigstellung wird Ende nächsten Jahres gerechnet.

Der Marktgemeinderat beschloss ohne Gegenstimme, die notwendigen planerischen Maßnahmen einzuleiten. Für die notwendige Bauleitplanung wird eine Verwaltungskostenpauschale von 15.000 Euro festgelegt.

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