LOHR

Gruselstunde im Gewölbekeller

Zwei Stunden Schauer, Gruseln und Erstaunen boten Rolf Sultan und Matthias Hahn am Freitag Abend, lasen und spielten im vollbesetzten – und zeitweise stockfinsteren – Mehlingkeller in Lohr. Die Zuhörer hatten sich darauf eingestellt, erschienen teilweise in Schwarz, drei junge Damen sogar maskiert mit Vogelschnäbeln.
Diese Besucherinnen mit Vogelmasken wollten sich den Halloweenabend im Weinhaus Mehling in Lohr nicht entgehen lassen.
Foto: FOTO Andreas Brauns | Diese Besucherinnen mit Vogelmasken wollten sich den Halloweenabend im Weinhaus Mehling in Lohr nicht entgehen lassen.

Rolf Sultan machte den Auftakt mit einer französische Ballade, die sich aber genauso gut auch im Spessart-Räuberwald hätte zugetragen haben können. „Wir bewegen uns von Lohr aus in Richtung Westen“, kündigte Matthias Hahn an, „um dann in Gedanken den Atlantik zu überqueren, um bei den dortigen Schauplätzen anzukommen". In düsteren Bildern beschrieb er die Steinwildnis, die die Lohrer kennen, moosüberwachsen, dazwischen Farne, den Nebel, der aus dem Tal heraufkriecht in einer dunklen Neumondnacht: „Die Dunkel“.

In dieser Waldabteilung spielt die Geschichte vom Jäger, der dem Tod begegnet und der festen Überzeugung ist, er habe ihm ein Schnippchen geschlagen. Wie ein Mann aus dem Kahlgrund seinen Spott über den "Schwarzen Nix im Wasserloch" mit dem Leben bezahlen musste, wusste Rolf Sultan schauerlich zu berichten, ebenso vom kopflosen Reiter in "Sleepy Hollow" – die Legende vom verschlafenen Tal.

Matthias Hahn ist Biologe, Logopäde, Theaterstücke-Schreiber, Schauspieler, Regisseur der Gaukler und ... er hat eine Buch geschrieben: „Die Bestie von Bangstedt – Abenteuerliche Geschichten“. Zwei davon hatte er passend zu diesem Leseabend ausgesucht. Die erste referiert in Form von Tagebuchaufzeichnungen als „Notizen einer bedrängten Seele“ das, was sich scheinbar nur in der Phantasie des Schreibers abspielt.

Die andere berichtet von einer ganz besonderen Obsession: „Schokohäschen“. Der harmlose Titel täuscht, vielmehr passte die Handlung sehr wohl in das Konzept der Halloween-Lesung. Der Autor bietet keine einfachen Erklärungen, die Zuschauer haben einiges zu rätseln, während Matthias Hahn sein Schauspieltalent unter Beweis stellt. Die verblüffende Auflösung wurde mit stürmischem Applaus bedacht.

Rolf Sultan durfte, ebenfalls schauspielernd, die Besucher mit einer Zugabe verabschieden: Das sei von Fritz Grashoff erklärte er, „etwas Unanständiges, das man sich gern antut“: die Ballade vom (furzenden) Ritter Brunz. Sie schließt: „Dort, wo er starb, steht heute eine Linde – da raunen noch die Winde.“

Rolf Sultan erzählt die Ballade von Ritter Brunz.
Foto: FOTO A. Brauns | Rolf Sultan erzählt die Ballade von Ritter Brunz.
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