Marktheidenfeld

Herausforderung Pflege: Es gibt viele Baustellen

Pflegediskussion in Marktheidenfeld: am Podium mit (von links) Bernd Rützel, Heike Baehrens, Stefan Kimmel, Ragnhild Buzcko und Georg Rosenthal.
Foto: Tobias Kiefer | Pflegediskussion in Marktheidenfeld: am Podium mit (von links) Bernd Rützel, Heike Baehrens, Stefan Kimmel, Ragnhild Buzcko und Georg Rosenthal.

Einiges wurde schon getan, vieles sei auf den Weg gebracht, berichtete die Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion Heike Baehrens bei einem von ihrem Abgeordnetenkollegen Bernd Rützel in Marktheidenfeld organisierten Diskussionsabend. „Herausforderung Pflege“ war dieser überschrieben, und neben den beiden Genannten saßen Ragnhild Buczko, Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Marktheidenfeld, verdi-Sekretär Stefan Kimmel und SPD-Landtagsabgeordneter Georg Rosenthal am Podium. Etwas enttäuschend die Resonanz: Im Saal saßen gerade mal zwölf Zuhörer.

In ihrem 45-minütigen Vortrag verwies Baehrens auf die Errungenschaften der Politik im Bereich Pflege, wobei sie insbesondere die Pflegestärkungsgesetze nannte. Sie böten bessere Leistungen, mehr Personal für stationäre und häusliche Pflege, Entlastung für Angehörige und eine verbesserte Ausbildung. Dank der Arbeit der SPD könnten Tariflöhne nicht mehr als unwirtschaftlich abgelehnt werden. In der aktuellen Legislaturperiode arbeite man einer gemeinsamen Lösung zur Stärkung der Pflege.

Mit dem Sofortprogramm „Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals“ habe man zunächst das Ziel, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und mehr Personal zu gewinnen. Im Bereich der Altenpflege sollen beispielsweise 13 000 neue, durch die Krankenversicherung finanzierte Stellen geschaffen werden. Der Beruf soll attraktiver werden, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert. Ein Zuhörer merkte an, dass die Schaffung neuer Stellen nicht vielversprechend sei – man wisse ja gar nicht, woher man diese neuen Kollegen nehmen solle.

Als die Pflegebeauftragte der SPD auf eine mögliche Erhöhung der Stundenzahl von Teilzeitkräften zu sprechen kam, regte sich bei den Zuhörern Protest. Fakt sei, dass Teilzeitkräfte viele Überstunden hätten, weil sie oft einspringen müssten. Ihr Arbeitgeber könne ihr die Überstunden gar nicht ausbezahlen, weil das Geld fehle. Ein Zuhörer ergänzte, es sei die persönliche Entscheidung der Mitarbeiter, in Teilzeit zu arbeiten. Es gäbe aber auch Mitarbeiter, die gerne in Vollzeit arbeiteten, denen es jedoch nicht gestattet sei, da die Stellen aus Kostengründen nur in Teilzeit angeboten würden. Hier müssten die Arbeitgeber mithelfen.

Ragnhild Buczko warf die Frage auf, wie man sicherstellen wolle, dass für die Bezahlung von Mitarbeitern bereitgestelltes Geld auch tatsächlich bei ihnen ankomme und nicht für neue Bauten oder Gerätschaften ausgegeben würde. Heike Baehrens antwortete, dies sei im Pflegestärkungsgesetz ausführlich geregelt. Auch die Bezahlung wurde thematisiert. Allgemeinverbindliche Tarifverträge oder etwas ähnliches bestünden nicht und seien auch nur sehr schwer zu machen, würden aber dringend gebraucht, so Rützel.

Wie Nachwuchs gewinnen, war eine weitere Frage. Es wurde bemängelt, dass die Ausbildungskurse heute kaum noch zu füllen seien, da Auszubildende in vielen Bereichen händeringend gesucht würden. Auch die Verweildauer im Beruf sei häufig viel zu kurz. Laut Stefan Kimmel liege diese gerade mal zwischen fünf und acht Jahren. Auch durch die Aussetzung des Zivildienstes fehlten junge Kräfte, so Rützel.

Um Personal zu gewinnen sei es wichtig, niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten in die Pflegeberufe zu haben, so ein Zuhörer. Der Beruf des Pflegehelfers beispielsweise sei sehr wichtig. Oft arbeiteten hier Leute, die gut am Menschen arbeiten könnten, was nicht jeder Akademiker genauso gut schaffe. Diese stellten in erster Linie ihre fachliche Kompetenz zur Verfügung.

Heike Baehrens appellierte an die Auszubildenden, man solle sich nicht mit einer Hilfsausbildung zufriedengeben, sondern eine Fachkraftausbildung abschließen, da die Fachkräfte in allen Einrichtungen dringend gebraucht würden.

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