Himmelstadt

Himmelstadter Kelter: Windrad bläst Frost über dem Weinberg weg

Der Rotor gehört zum Projekt Frostprävention der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Das Verfahren setzt sich jedoch hierzulande nicht durch.
Rund vier Meter Durchmesser hat der Rotor im Weinberg bei Himmelstadt. In der Nacht zum Dienstag kam es zu dem seltenen Ereignis, dass er angestellt wurde. 
Rund vier Meter Durchmesser hat der Rotor im Weinberg bei Himmelstadt. In der Nacht zum Dienstag kam es zu dem seltenen Ereignis, dass er angestellt wurde.  Foto: Karlheinz Haase

In der kalten Nacht vom Montag zum Dienstag war er erstmals in diesem Jahr im Einsatz: der Rotor, der in der Weinlage "Himmelstadter Kelter" die Triebe der Weinstöcke vor dem Erfrieren bewahren soll. Vielleicht bläst er in der Nacht zum Samstag noch einmal.

Nanu, mag sich mancher Spaziergänger denken beim Anblick des Propellers in den Himmelstadter Weinbergen. Daneben steht ein Flüssiggastank. Die Anlage gehört zum 2012 gestarteten Projekt Frostprävention der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim (LWG). Die hat in der frostempfindlichen Lage "Himmelstadter Kelter" rund drei Hektar Weinberg. In kalten Nächten kann mit dem Rotor die Luft verwirbelt werden und so wärmere Luft zu den Weinstöcken gelangen.      

Wärmere Luft wird angezapft

"Ich brauche eine Inversionswetterlage", erklärt Daniel Heßdörfer, der Leiter der Forschungskoordination Wein in der LWG. Das ist eine Wetterlage, bei der es unten kalt ist und sich darüber wärmere Luftschichten befinden. "Der Rotor zapft sozusagen die wärmere Luft an." Möglich wäre das auch mit einem Hubschrauber. Der aber darf nur bei Sicht fliegen, also nicht nachts.

Am Montag hatte es geregnet. Die Wetterbeobachtung ergab: Die Temperatur fällt schnell. Bis Mitternacht war der Himmel klar. Um 0.30 Uhr wurde der Rotor eingeschaltet. Er wird von einem Gasmotor angetrieben.      

Teures Verfahren

Die unterfränkischen Winzer nutzen keine Rotoren – zu teuer. Der in Himmelstadt hat 30 000 Euro gekostet und ist im Schnitt höchstens dreimal im Jahr in Betrieb. Denn sinnvoll ist er nur in den heiklen vier Wochen zwischen dem Austrieb – also etwa Mitte April – und den Eisheiligen. Ein Problem ist laut Heßdörfer der Klimawandel. Dadurch verschiebt sich der Austrieb weiter nach vorne. Die Gefahr von Frostnächten allerdings bleibt weiterhin bis Mitte Mai bestehen. Die Reben treiben zwar wieder aus, doch bedeute das dann mehr Arbeit im Weinberg. 

Solche Rotoren gebe es eher im Obstbau in Übersee, weiß der Weinexperte. In Unterfranken wird als Alternative am häufigsten die Bewässerung der Rebstöcke genutzt. Das geschah mancherorts am Dienstag kurz nach Mitternacht, als die kritische Temperatur auf zwei Grad plus gesunken war. Eine dritte Möglichkeit wäre das Beheizen des Weinbergs durch Aufstellen von Paraffintöpfen. Das allerdings ist ebenfalls eine kostspielige Angelegenheit. Heßdörfer gibt zu bedenken, dass es dennoch sinnvoll sein kann, zu einer teuren Schutzmaßnahme zu greifen. Das Weingut Baldauf in Ramsthal habe beispielsweise drei Jahre hintereinander schwere Schäden hinnehmen müssen. Und wenn ein Weingut nicht die erwartete Menge liefern kann, verliert es leicht die Kundschaft.       

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