Karlstadt

Historischer Verein erwirbt antike Bücher von Johann Schöner

Der bedeutende Karlstadter Humanist Johann Schöner hat auch einen Medizin-Ratgeber geschrieben. Wolfgang Merklein hat das Buch im Original in einem Antiquariat gefunden.
Wolfgang Merklein zeigt drei bedeutende Bücher, die der Historische Verein Karlstadt erworben hat - darunter ein populärwissenschaftlicher medizinischer Ratgeber von Johann Schöner (rechts oben).
Foto: Klaus Gimmler | Wolfgang Merklein zeigt drei bedeutende Bücher, die der Historische Verein Karlstadt erworben hat - darunter ein populärwissenschaftlicher medizinischer Ratgeber von Johann Schöner (rechts oben).

Grund zur Freude haben die Mitglieder des Historischen Vereins in Karlstadt. Dem Vorsitzenden Wolfgang Merklein ist es gelungen, drei antike Bücher für die Neukonzeption des Museums in der Hauptstraße zu erwerben. Es sind Bücher von den und über die großen Humanisten der Stadt Karlstadt, die in Karlstadt geboren sind und im 16. Jahrhundert ihren Beitrag zur Ausbreitung des Humanismus geleistet haben. "Wir sind froh, dass wir die Bücher erwerben konnten", sagt Merklein.

Medizinischer Ratgeber von Johann Schöner

Behutsam packt er die kleinen Schätze aus, die er in Antiquariaten in Baden-Baden, Heidelberg und Berlin gefunden hat. Das wohl bedeutendste Werk ist "ein nutzlichs buchlein viler bewerter Erzney" von Johann Schöner aus dem 16. Jahrhundert, das beweist, dass sich der Astronom, Globusbauer, Mathematiker und Kalendermacher auch mit Medizin und ihre Anwendung beschäftigt hat. Es ist ein umfassendes Werk aller gängigen Krankheiten mit Anweisungen in mittelalterlichen deutschen Schrift, was man tun kann, um die Beschwerden zu lindern. Bei "Augenleiden nimm Hanf", heißt es da beispielsweise.

Für Wolfgang Merklein war klar: "Angesichts der Bedeutung von Johann Schöner für die Stadt Karlstadt haben wir zugegriffen", sagt er, auch wenn die Kosten dafür nicht gering waren. 2000 Euro musste der Historische Verein bezahlen. "Das sind Preise, die für gut erhaltene Bücher im Original üblich sind", so Merklein. Er ist über Internet-Suche in Antiquariaten auf das Büchlein aufmerksam geworden.

Es passt daher sehr gut in die Neukonzeption des Stadtgeschichte-Museums, die sich der Historische Verein mit Wiedereröffnung der Räume in der Hauptstraße 11 vorgenommen hat. Ein Schwerpunkt soll die Bedeutung der großen Söhne der Stadt Karlstadt sein. Gemeint sind Johannes Schöner, Andreas Bodenstein, Michael Beuther, Johannes Drach und später Rudolph Glauber. Sie sind alle in die Lateinschule in Karlstadt gegangen und haben in Erfurt, Wittenberg, Nürnberg und Würzburg im Sinne des Humanismus gewirkt. Diese Bücher seien daher wichtige Ausstellungsstücke, um zu zeigen und zu verstehen, wie die Menschen im 16. Jahrhundert gedacht haben.

Leben und Werk von Johann Schöner

Ein weiteres Buch, das Merklein gefunden hat, hat den Titel "Johann Schöner von Karlstadt" und wurde von einem Engländer herausgegeben. Es ist ein Buch über Leben und Werk von Johann Schöner und handelt unter anderem davon, wie das Universalgenie seine Globen gebaut hat und wie es ihm schon im 16.  Jahrhundert gelungen ist, eine ungefähre Lage der Kontinente auf seinen Globen darzustellen. "Die große Weite des Pazifiks konnte er noch nicht erahnen", sagt Merklein, "auch Japan und Nord-Amerika liegen eng beieinander". Dennoch ist es erstaunlich, wie genau schon Europa auf Schöners Globen gezeichnet ist. 

Woher nahm Schöner sein Wissen dazu? Es wird vermutet, dass er sich auf eine "Mappa Mundi"  - eine Karte der Welt - des Straßburger Druckers Waldseemüller bezog, sagt Merklein. Zudem ergänzte er diese mit zeitgenössischen Schilderungen. Das Buch, eingebunden in Leinen, hat nur 250 Euro gekostet, da es aus dem Jahr 1888 und damit noch nicht ganz so alt ist. 

Buch über wichtige Persönlichkeiten des 16. Jahrhunderts

Beim dritten Werk, das der Historische Verein erworben hat, handelt es sich um ein Buch von Michael Beuther, ebenfalls ein großer Sohn von Karlstadt. Er hat ein Geschichtswerk geschrieben, eine Art geschichtliches Lehrbuch. Darin beschreibt er chronologisch und in lateinischer Sprache die Geschehnisse nach der Geburt Christi, wie sie zur damaligen Zeit bekannt gewesen sind. Beigebunden ist diesem Werk ein Beitrag von Nicolaus Reusner. Er zeigt alle wichtigen Persönlichkeiten des 16. Jahrhunderts mit Holzschnitt-Porträts. Heutzutage würde man das wohl ein "Who ist who?" nennen - darunter sind die Karlstadter Johann Schöner und Johannes Drach.  

Auch das Buch war nicht billig, weil es ein Original aus dem 16. Jahrhundert ist. 2300 Euro hat es gekostet, dennoch ist sich Merklein und mit ihm der Historische Verein sicher, dass die Bücher das Geld wert sind. Es handelt sich um Zeugnisse von den großen Söhnen der Stadt, als Karlstadt eine Keimzelle des Humanismus war. Die Bücher sollen bei der Neukonzeption des Museums zur Stadtgeschichte einen guten Platz finden.

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