Homburg

Homburg: Siedlung Mutterhausen ist nicht mehr nur eine Sage

Südlich des Triefensteiner Ortsteils Homburg wurde lange eine mittelalterliche Siedlung vermutet. Nun gibt es neue Erkenntnisse.
Zahlreiche Sandsteine und Mönchsziegel gehören zu den Funden im "Mutterhausen-Wald" südlich von Homburg.
Foto: Dr. Ralf Obst | Zahlreiche Sandsteine und Mönchsziegel gehören zu den Funden im "Mutterhausen-Wald" südlich von Homburg.

"Es konnten auf beiden Untersuchungsflächen sehr interessante Ergebnisse erzielt und viele neue Erkenntnisse gewonnen werden," fasst Stefanie Arz, die Vorsitzende des Kuturvereins Schloss Homburg den "Blick" in die Wald-, Wiesen- und  Ackerflächen südlich von Homburg  zusammen.

Der ursprünglichen Vermutung, dass es dort in alter Zeit tatsächlich die Siedlung Mutterhausen gab, ist man jetzt ein deutliches Stück näher gekommen. Die Sagenwelt muss also künftig nicht mehr bemüht werden, wenn nach der mittelalterlichen Siedlung an der Gemarkungsgrenze Homburg-Bettingen gesucht werden muss.

Interessante Funde und Untersuchungen mit Hilfe neuester Techniken (Archäoprospektion) lassen in den jetzt erstellten Magnetogrammen helle oder dunkle Spuren erkennen, die auf Siedlungsreste hindeuten.

In den Magnetogrammen lassen sich helle und dunkle Spuren erkennen, die auf Siedlungsreste hindeuten.
Foto: Staatsarchiv | In den Magnetogrammen lassen sich helle und dunkle Spuren erkennen, die auf Siedlungsreste hindeuten.

Besonders starke Anomalien (Abweichungen) fanden die Experten der Firma Terrana Geophysik aus Mössingen (Landkreis Tübingen) auf einer 4000 Quadratmeter großen Waldfläche. Dort hatte man die "Hofstelle Mutterhausen" vermutet. Nach einer genauen Erkundung wurden hier zahlreiche verstreute Sandsteine und Mönchsziegeln auf einer 20 mal 50 Quadratmeter großen Fläche auf dem Waldboden sichtbar. Für den Kulturverein stellt sich jetzt die Frage, ob er hier weitere Forschungen anstellt, um der Größe und den Gebäudeteilen des vermutlich mittelalterlichen "Hofgutes" von Mutterhausen auf die Spur zu kommen.

Siedlung könnte bereits im siebten Jahrhundert existiert haben

Weitere Untersuchungen betrafen die "Siedlungsstelle Mutterhausen" auf der 3,2 Hektar großen Niederterrasse zwischen Main und der heutigen Maintalstraße. Hier finden sich in den Magnetogrammen nach Ansicht von Ralf Obst vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und von Arno Patzelt (Firma Terrana Geophysik) reichlich Belege, die sich noch ungestört im Boden befinden, die auf eine Siedlung hindeuten.

Es wird vermutet, dass die Siedlung Mutterhausen bereits in einem Zeitraum vom siebten bis 14. Jahrhundert existiert hat. Dies wird auch durch Tonscherbenfunde belegt. Sowohl die Geophysik als auch die Feststellung des Würzburger Historikers Peter Rückert im Jahr 1990 in der Schrift "Landesausbau und Wüstungen des hohen und späten Mittelalters im fränkischen Gäuland" lassen vermuten, dass Mutterhausen im Spätmitttelalter geschrumpft ist.

Andere Anomalien auf der Niederterrasse deuten  auf mittelalterliche Grubenhäuser (Keller) hin. Auf einer 500 Quadratmeter großen Fläche wurden Häufungen ausgemacht, die von "stark zerpflügten Gebäuderesten bis bis zu aufgebrachtem fremdem Bodenmaterial" reichen.

Was wir bereits von Mutterhausen wissen

Die Rinne wird einer Fundstelle im Wald zugeordnet, die möglicherweise in umittelbarer Nähe des ehemaligen Mutterhausen-Hofes verlaufen soll.
Foto: Dr. Ralf Obst (Bay. Landesamt für Denkmalpflege) | Die Rinne wird einer Fundstelle im Wald zugeordnet, die möglicherweise in umittelbarer Nähe des ehemaligen Mutterhausen-Hofes verlaufen soll.

Die kürzlichen Aktionen sind nicht die einzigen Belege und Lesefunde für ein "tatsächliches Mutterhausen" .

Noch deutlicher ist von Mutterhausen in dem "Leitfaden der fränkisch-würzburgischen Geschichte" von Heffner-Fischer aus dem Jahr 1880 die Rede. Hier lesen wir wörtlich: "Das Dorf Mutterhausen bestand wahrscheinlich aus mehreren Höfen." Das vermutete Dorf wird weiter als Lehen der Homburger Vasallen-Ritter (Lehnsmänner) genannt, die namentlich zitiert werden. 1446 soll ein Philipp Jemmerer ein Haus von Mutterhausen mit Äckern und Wiesen, Holz und Fischweide erhalten haben.

Kulturvereinsvorsitzende Stefanie Arz, eine studierte Volkskundlerin,  bewertet die jüngsten Untersuchungen rundum positiv. Die Suche nach archäologischen Spuren  mit finanzieller Unterstützung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, der Unterfränkischen Kulturstiftung und des Marktes Triefenstein sowie der "tatkräftige Einsatz der Vorstandsmitglieder und weiterer Helfer des Kulturvereins haben sich überaus gelohnt", bewertet Arz die historischen Blicke in die Vergangenheit des südlichen Areals von Homburg.

Erfreulich sei ferner das große Interesse der Ortschaften Bettingen und Dertingen im angrenzenden Main-Tauber-Kreis, die "das Projekt mit dem Kulturverein gemeinsam weiter verfolgen und unterstützen wollen." Für eine grafische Darstellung Mutterhausens als Siedlung und Hofstelle seien allerdings weitere Forschungen in Archiven und entsprechende finanzielle Aufwendungen erforderlich.

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