Lohr

Immer noch keine heiße Spur vom höflichen Bankräuber

Auch nach Veröffentlichung des Fahndungsfotos erhielt die Polizei nur wenig Hinweise. Jedoch legen die Beamten auch nicht alle Erkenntnisse offen. Was wir bisher wissen:
Mit diesem Fahndungsfoto vom 27. Juni sucht die Polizei nach dem Lohrer Bankräuber.
Foto: Polizei | Mit diesem Fahndungsfoto vom 27. Juni sucht die Polizei nach dem Lohrer Bankräuber.

"Schönen Tag noch!" Mit diesen Worten soll sich der maskierte Mann verabschiedet haben, der am 27. Juni die HypoVereinsbank-Filiale in Lohr überfallen hat. Er habe deutsch gesprochen, ohne erkennbaren Akzent oder Dialekt, bestätigte Michael Zimmer, einer der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken auf Anfrage der Redaktion. Der etwa 30-jährige, vermummte Mann zwang die beiden Angestellten im Schalterraum mit vorgehaltener Pistole, ihm Geld auszuhändigen. Die Polizei sprach von einer niedrigen, fünfstelligen Summe, die er erbeutete.

Bei der Fahndung nach einem Bankräuber hatte die Polizei alle Ausfahrtsstraßen aus der Innenstadt gesperrt und kontrollierte jedes Fahrzeug.
Foto: Roland Pleier | Bei der Fahndung nach einem Bankräuber hatte die Polizei alle Ausfahrtsstraßen aus der Innenstadt gesperrt und kontrollierte jedes Fahrzeug.

Bei der sofort eingeleiteten Fahndung zog die Polizei rasch zahlreiche Kräfte zusammen. Knapp drei Stunden lang wurden alle Fahrzeuge auf stadtauswärts führenden Straßen registriert und kontrolliert, was zu erheblichen Staus führte. Gesucht wurde auch mit Hubschrauber, Suchhund und Zivilstreifen – ergebnislos. 

Möglicher Fluchtweg des Bankräubers vom 27. Juni 2019: Die Treppe unmittelbar vor dem Parkplatz der HypoVereinsbank zum Fußweg, der zwischen Alter Mainbrücke und den Gärten der Fischerstraßen-Häuser zur Mainlände führt.
Foto: Roland Pleier | Möglicher Fluchtweg des Bankräubers vom 27. Juni 2019: Die Treppe unmittelbar vor dem Parkplatz der HypoVereinsbank zum Fußweg, der zwischen Alter Mainbrücke und den Gärten der Fischerstraßen-Häuser zur Mainlände führt.

Der Bankräuber flüchtete zu Fuß in Richtung Main. Diese Angabe präzisierte die Polizei auf Anfrage nicht. "Das ist Täterwissen", so die Begründung. Nahe liegend wäre, dass der Räuber gleich die erste Möglichkeit nutzte und die zehn Stufen unmittelbar neben dem Kundenparkplatz hinab zu dem Fußweg gelangte, der unmittelbar nördlich der Alten Mainbrücke zur Mainlände führt.

Wer dort unten geht oder läuft, ist von oben aus praktisch kaum zu sehen: der Fußweg von der HypoVereinsbank entlang der Auffahrt zur Alten Mainbrücke zur Mainlände.
Foto: Roland Pleier | Wer dort unten geht oder läuft, ist von oben aus praktisch kaum zu sehen: der Fußweg von der HypoVereinsbank entlang der Auffahrt zur Alten Mainbrücke zur Mainlände.

Da dieser Fußweg nach wenigen Metern teilweise unter dem Fußweg der Brücke verläuft, ist man dort mit wenigen Schritten quasi von der Bildfläche verschwunden. Der etwa 200 Meter lange, schmale Weg zwischen Brückenböschung und den Gärten der Fischergasse-Häuser ist in der Regel wenig frequentiert. Überquert man die beiden Fahrbahnen der Staatsstraße 2315, so gelangt man unmittelbar auf den Parkplatz Mainlände. 

Überfall auf HypoVereinsbank Lohr am 27. Juni 2019: Die Polizei sucht auch mit dem Hubschrauber nach dem Bankräuber
Foto: Wolfgang Dehm | Überfall auf HypoVereinsbank Lohr am 27. Juni 2019: Die Polizei sucht auch mit dem Hubschrauber nach dem Bankräuber

Ob der Räuber seine Flucht zu Fuß fortsetzte, mit einem Fahrrad, Motorrad oder Auto, ist nicht bekannt. Nicht auszuschließen ist auch, dass er seine Kleidung nach dem Überfall wechselte. Doch auch dafür hat die Polizei bislang keine Hinweise. 

Warum das Fahndungsfoto so spät erschien

Ein Mann, den die Polizei im Rahmen der Großfahndung intensiver kontrollierte, kam als Tatverdächtiger letztlich nicht infrage. Tagelang wähnten sich die Beamten auf einer heißen Spur. Erst als sich diese dann als kalte Spur erwies, veröffentlichte die Polizei fünf Tage nach dem Überfall ein Fahndungsfoto von der Überwachungskamera der Bankfiliale. 

Seitdem seien "einige Hinweise" eingegangen, teilte Polizeisprecher Zimmer auf Nachfrage mit. "Wir haben zwar noch nicht alle abschließend geprüft," führte er aus. Eine heiße Spur aber sei bislang nicht dabei.

Was Kleidung und Accessoires verraten

Natürlich versuchen die Ermittler herauszufinden, wo der Mann seine Bekleidung möglicherweise erworben hat. Im Fall der Baseball-Kappe und der Arbeitshose handelt es sich eher um Massenprodukte. Das Halstuch mit den Buchstaben ADV ist laut Polizei verbreitet in Kreisen von Wintersportlern. Denkbar ist aber auch ein Zusammenhang mit der Motorradmarke Honda, die ein Modell "ADV" anbietet. Ein T-Shirt dieser Farbe und mit dieser Aufschrift ist im Internet trotz intensiver Suche nicht zu finden. Es liegt deshalb nahe, dass es in einem Laden gekauft wurde.

Banküberfälle sind selten geworden

Die Zahl der Raubüberfälle auf Geldinstitute in Deutschland ist in den vergangenen 15 Jahren nahezu kontinuierlich zurückgegangen. Hatte die Polizei 2003 noch 767 Fälle registriert, waren es im vergangenen Jahr laut Bundeskriminalamt nur noch 60. Die Aufklärungsquote ist im gleichen Zeitraum leicht gestiegen und pendelte meist um die 70 Prozent.

Daten und Fakten des Banküberfalls
Ort und Zeit: Donnerstag, 27. Juni, gegen 12 Uhr, HypoVereinsbank Lohr, Obere Brückenstraße 3 an der stadteinwärts führenden Abfahrt von der Alten Mainbrücke. Dieser Donnerstag war in Lohr ein heißer Tag mit Temperaturen über 30 Grad Celsius.
Fluchtweg: Der Bankräuber flüchtete zu Fuß in Richtung Main. Genauere Angaben machte die Polizei nicht.
Personenbeschreibung: Der Mann ist etwa 30 Jahre alt Er sprach deutsch ohne erkennbaren Akzent oder Dialekt
Bekleidung und Ausrüstung: 
- Er trug eine schwarze Baseball Cap auf der Oberseite weißem Schirm und mit einem schwarz-weißen Wappen auf der Stirnseite, sehr wahrscheinlich das des Deutschen Fußball-Bundes: in der Mitte der Bundesadler, im Kreissegment darüber "Deutscher". Bei den weißen Punkten auf der Kappe könnte es sich um Sterne für gewonnene Weltmeistertitel der DFB-Elf handeln. Nicht erkennbar ist anhand des Fahndungsfotos, ob es drei oder vier Sterne sind.
- Um Hals und Kinnpartie trug der Mann ein schwarzes Skituch. Auf dem Fahndungsbild erkennbar sind in weiß gehaltene Buchstaben "ADV". Nicht auszuschließen ist, dass es sich um die ersten Buchstaben von "ADVENTURE" handelt. Vermutlich handelt es sich um ein schlauchartiges Multifunktionstuch, das über den Kopf gezogen wird.
- Das T-Shirt hat die Grundfarbe rot mit Tendenz zu den Tönungen lachs- oder indisch-rot. Im Aufdruck in geschwungener Schrift "The Authentic Company" , darunter ist noch "VINTALICIOUS" zu entziffern. An den Ärmel-Enden sind zwei schmale, weiße Bänder zu erkennen.
- Die schwarze Arbeitshose der Marke Engelbert Strauss hatte laut Polizei 2/3-lange Beine. 
- Keine näheren Angaben machte die Polizei bislang zu der Stofftasche des Discounters „Penny“, in die der Bankräuber seine Beute verstaute, zu seinen braunen Lederschuhen und der Pistole, mit der er die Herausgabe des Geldes erzwang.

Hinweise bitte an die Kripo unter Tel. (0931) 457-17 32

Überfall auf HypoVereinsbank Lohr am 27. Juni 2019: An allen Ausfallstraßen wurden jedes einzelne Fahrzeug registriert und kontrolliert. 
Foto: Wolfgang Dehm | Überfall auf HypoVereinsbank Lohr am 27. Juni 2019: An allen Ausfallstraßen wurden jedes einzelne Fahrzeug registriert und kontrolliert. 
Überfall auf HypoVereinsbank Lohr am 27. Juni 2019.
Foto: Wolfgang Dehm | Überfall auf HypoVereinsbank Lohr am 27. Juni 2019.
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