Himmelstadt

In Himmelstadt gab's Zertifikate für Naturgarten-Pioniere

Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege überreicht 50 Auszeichnungen an Gärtner aus ganz Unterfranken.
Aus ganz Unterfranken kamen Gartenfreunde nach Himmelstadt um dort die Zertifizierung 'Naturgarten' in Empfang zu nehmen. Ein Großteil der Veranstaltung fand wie die Begrüßung zwischen dem Glaspavillon und Naturschaugarten im Freien und vorsichtshalber mit Mund-Nasen-Schutz statt. 
Foto: Jürgen Kamm | Aus ganz Unterfranken kamen Gartenfreunde nach Himmelstadt um dort die Zertifizierung "Naturgarten" in Empfang zu nehmen.

Sie sind Pioniere, weil sie in ihren Gärten mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie ankämpfen. Die Besitzer der ersten 50 in Unterfranken zertifizierten Naturgärten kamen am Wochenende nach Himmelstadt im Landkreis Main-Spessart, um die Urkunde und das kleine rautenförmige Schild "Naturgarten - Bayern blüht" in Empfang zu nehmen.

Für den Ort entschied sich der Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege in Unterfranken in Zusammenarbeit mit dem Bayerische Landwirtschaftsministerium, weil es dort den unter der Federführung des Landkreises Main-Spessart entstandenen Naturschaugarten gibt. Und weil Himmelstadt als "gartenverrückt" gilt.

Viele Bilder von vielen unterschiedlichen Gärten

Nach der offiziellen Verleihung der Zertifizierung durch den Vorsitzenden des Bezirksverbands für Gartenbau und Landespflege, Otto Hünnerkopf, gab es vier Führungen durch den Naturschaugarten und eine durch einen privaten Garten. Das war bei prächtigem Spätsommerwetter eine wahre Freude und so mancher dürfte sich trotz jahrzehntelangen "Gartelns" neue Anregungen geholt haben.

Die Gartenfreunde – 42 der 50 Gartenbesitzer waren gekommen – konnten dank Bildern auf einen Blick auf die anderen zertifizierten Gärten werfen. Zudem hatte Landwirtschaftsrätin Christine Bender vom Gartenbauzentrum Bayern Nord (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), die die Zertifizierung in Unter- und auch in Oberfranken leitet, für jeden Gartenbesitzer einen großen Bogen mit einer Auswahl von Bildern seines Gartens angefertigt. Es zeigte sich, dass sehr unterschiedliche Gärten die Zertifizierung bekamen – von Garten mit Schwimmteich in Büchold über den Garten am Würzburger Käpelle, den alten Schulgarten in Oberschleichach mit viel Gemüse und Obst bis hin zum über 4000 Quadratmeter großen Umwelt- und Lehrgarten in Stockstadt am Main, hinter dem ein ganzer Verein steht.

Mit 14 sind die meisten zertifizierten Naturschaugärten im Landkreis Würzburg zu finden, acht liegen in Kitzingen, sieben in Main-Spessart, sechs in Schweinfurt, fünf in Bad Kissingen, vier in Rhön-Grabfeld, je zwei in Aschaffenburg und Haßberge, einer ist in Miltenberg zu finden.

Kernkriterium: Keine synthetischen Dünger

Die Zertifizierung durch die Verbände soll eine boden- und wasserschonende Bewirtschaftung sowie den Erhalt der Artenvielfalt im Haus und Kleingarten würdigen. Das ist auch ein Stück weit Klimaschutz. Die Beurteilung und das Prozedere sind bayernweit einheitlich geregelt. Die vier "Kernkriterien" müssen erfüllt werden. Neben den Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger zählen zu diesen Kernkriterien auch der Verzicht auf Torf und chemische Pflanzenschutzmittel. Außerdem muss der Garten eine hohe ökologische Vielfalt (Biodiversität) aufweisen. Dazu kommen "Kann-Kriterien" wie der Einsatz von Insektennährpflanzen und heimischen Bäumen und Sträuchern. Punkte gibt es auch für Mischkulturen im Gemüsegarten mit Kompost, Nützlingsunterkünfte oder Regenwassernutzung.

Dabei bedeutet Naturgarten bedeutet nicht, der Wildnis freien Lauf zu lassen; auch ein Naturgarten will gepflegt sein. Es geht um das Gestalten im Einklang mit der Natur. Das ist gut für den Klimaschutz und schafft überlebensnotwendige Trittsteinbiotope für Tiere und Pflanzen. Die Zertifizierung soll Signalwirkung haben, Gärten herausstellen, die vielfältig, biologisch und nach dem Vorbild der Natur bewirtschaftet werden. Sie fördern Tiere und sind doch Orte der Entspannung und des Rückzugs.

Ganz praktisch schaute sich einer der 15 geschulten Zertifizierer in Unterfranken jeden der Gärten etwas zwei Stunden an. Vier Gärten wurden noch 2019 zertifiziert, 46 in diesem Jahr. Die Idee der Zertifizierung kommt aus Österreich, 30000 Naturgärten sind dort schon zertifiziert. In Bayern ging es vor drei Jahren mit einem Pilotprojekt in Niederbayern los.

Wichtig ist Landwirtschaftsrätin Christine Bender das Austausch unter den zertifizierten Gartenfreunden und eine Vernetzung der Naturgärten. Sie denkt neben der Zertifizierung weiterer Gärten schon über einen Tag der Naturgärten oder eine Naturgärtentour nach.

In einer früheren Version des Artikels hieß es, auch Bürgermeister Herbert Hemmelmann habe zur Besichtigung in seinen Garten geladen. Das ist nicht richtig. Einer der Gartenführer war Winfried Hemmelmann. Wir bitten um Entschuldigung.

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