Gemünden

Jagdwilderei mit Habichtsfalle: Halb so wild - Strafe gemindert

Wegen Tierquälerei und Jagdwilderei musste sich ein 47-Jähriger vor Gericht verantworten. Zwei Vorfälle wurden fallen gelassen. Ein bisschen was aber blieb übrig.
Damit der Habicht seinen Tieren nichts antut, stellte ein Taubenzüchter aus Burgsinn eine Falle auf. 
Damit der Habicht seinen Tieren nichts antut, stellte ein Taubenzüchter aus Burgsinn eine Falle auf.  Foto: Uli Deck, dpa

Nicht mehr viel übrig geblieben ist vom Vorwurf der Staatsanwaltschaft Würzburg gegen einen 47-Jährigen aus dem Altlandkreis Gemünden. Sie hatte ihm unter anderem Tierquälerei und Jagdwilderei vorgeworfen und ihm einen Strafbefehl über 4000 Euro übersandt. Gegen diesen hatte der Mann Einspruch eingelegt, weshalb es nun zur Verhandlung am Amtsgericht Gemünden kam.

Um seine Flugtauben zu schützen, hatte der Arbeiter vor seinem Schlag zur Abschreckung gegen Raubvögel eine so genannte Habichtsfalle aufgestellt. Allerdings ohne darin einen lebenden Lockvogel zu setzen. Ein Nachbar wollte am 1. November 2019 aus größerer Entfernung darin eine weiße Taube als Köder gesehen haben und hatte die Polizei alarmiert.

Wofür der Polizist sogar lobende Worte fand

Diese fanden jedoch nur die gespannte Falle vor. In ihr konnten sie auch keine Spuren finden, die darauf hingedeutet hätten, dass sie einmal mit einem Köder versehen war, sagte der ermittelnde Beamte in der Verhandlung. Er lobte sogar die "sehr gepflegte Tierhaltung" des Taubenzüchters. Aufgrund dieser Aussagen hielten Richterin Laura Paczesny und auch die Staatsanwältin den Nachweis, dass eine lebende Taube als Köder benutzt wurde und dadurch Schmerzen erleiden musste, als nicht gegeben. Sie stellten das Verfahren wegen Tierquälerei ein.

Etwas schwieriger war die Frage zu beantworten , was den angeklagten Verstoß gegen Jagdgesetze angeht. Verteidiger Wolfgang Kunz (Karlstadt), selbst seit über 40 Jahren Jagdberechtigter, wies darauf hin, dass das Jagdrecht nur in nichtbefriedeten Bezirken gilt, also in der Regel außerhalb bebauter Gebiete. Im verhandelten Fall handelte es sich aber um ein eingezäuntes Grundstück innerhalb von Wohnbebauung. "Hier ruht das Jagdrecht", so der Verteidiger. Somit war der Angeklagte auch in diesem Punkt nicht zu belangen.

Wofür der Mann dann doch bestraft wurde

Somit blieb nur noch der Vorwurf der unberechtigten Jagdausübung übrig für das Aufstellen der Habichtsfalle. Dafür beantragte die Staatsanwältin  eine Geldstrafe von 2500 Euro (50 Tagessätze zu 50 Euro). Der Verteidiger sah die ganze Angelegenheit nicht so schlimm, da eine aufgestellte Falle ohne einen Köder völlig wertlos ist. Das Aufstellen selbst sei allerdings eine Dummheit gewesen. Er plädierte auf einen Freispruch für seinen Mandanten.

Dem konnte sich Richterin Laura Paczesny allerdings nicht anschließen. Sie verurteilte den Taubenzüchter zu einer Geldstrafe von 1000 Euro (20 Tagessätze zu 50 Euro) wegen "vorsätzlicher Bejagung eines wildlebenden, streng geschützten Wildtieres".  Sie wies darauf hin, dass Greifvögel ihre Berechtigung haben und deshalb besonders geschützt sind. Sie zu bejagen, ist eine Straftat. Das Urteil ist rechtskräftig.

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