LAUDENBACH

Jüdische Märchen vom Diesseits und Jenseits

Ein Abend zum Träumen und Besinnen: Karola Graf erzählte jüdische Märchen und Geschichten im alten Rathaus Laudenbach. Die Musik steuerte die Gruppe „FrankenStreich“ (Leitung Franz Berwind) bei.
Foto: Armin Marschall | Ein Abend zum Träumen und Besinnen: Karola Graf erzählte jüdische Märchen und Geschichten im alten Rathaus Laudenbach. Die Musik steuerte die Gruppe „FrankenStreich“ (Leitung Franz Berwind) bei.

Einen märchenhaften Abend erlebten die Besucher der Benefizveranstaltung „Himmel und Hölle“ am Samstag im alten Rathaussaal in Laudenbach. Der Förderkreis ehemalige Synagoge Laudenbach mit seinem Vorsitzenden Georg Schirmer begrüßte die zahlreichen Besucher im fast überfüllten, mit Kerzenlicht dekorierten Rathaus.

Der blaue Vorhang ging auf und Franz Berwind eröffnete mit seiner Gruppe „FrankenStreich“ musikalisch das Programm. Im Anschluss zog die bekannte Märchenerzählerin Karola Graf die Zuhörer in ihren Bann. Graf kommt aus Himmelstadt und erzählt schon seit vielen Jahren Märchen vor Publikum. Nach jeder Geschichte spielte die Gruppe FrankenStreich ein Stück. Meist Jazz.

Von Himmel und Hölle

Karola Graf hatte kurze und auch längere jüdische Geschichten dabei. Darunter jene Geschichte, als ein Rabbi Gott einmal bat, Himmel und Hölle sehen zu dürfen. Gott erlaubte es und gab ihm den Propheten Elias als Führer mit auf den Weg. Dieser führte den Rabbi in zwei Räume, in deren Mitte jeweils ein Topf auf dem Feuer stand. Rundum saßen viele Menschen mit langstieligen Löffeln.

In dem einen Raum versuchten die Leute, selbst mit den Löffeln zu essen, doch es gelang ihnen nicht, das herrliche Essen zu ihrem Mund zu bringen. Darum sahen die Menschen blass, mager und elend aus. Das war die Hölle. Im andern Raum sahen die Menschen gut genährt, gesund und glücklich aus. Was sie anders machten: sie fütterten sich gegenseitig. Das war der Himmel.

Eine weitere Geschichten war jene von „Schmil – gebojrn in a Hajbl“. Der Schmil ist das, was man einen Luftmenschen nennt. Das ist einer, der Geschäfte abwickelt, die gar nicht stattfinden, aber er macht dennoch Gewinn. Schmil wusste auch mit dem Tod ein Geschäfte zu machen. So erklärte er einer Gutsherrin, deren Mann gestorben war, er sei selbst sterbenskrank. Sie könne ihm auf seine baldige Reise ins Jenseits Dinge für ihren Mann mitgeben. Die naive Gutsherrin packte reichlich Sachen zusammen und gab sie Schmil, der eines Tages verschwunden war.

Der schlagfertige Schmil

Doch ein Jahr später traf die Gutsherrin ihn auf dem Jahrmarkt wieder. „Was ist, Schmil, was machst du hier? Wie geht es meinem Mann?“, fragte sie ganz überrascht. Darauf antwortete Schmil, er sei auferstanden von den Toten, denn er müsse noch einige Sachen erledigen – „himmlische Aufträge sozusagen“. Ihrem Mann gehe es jetzt sehr gut und er lasse schön für die Sachen danken. Da meinte die Gutsherrin: „Ihr seid eine gute Seele, wer würde so etwas heute noch für einen anderen tun?“

Gespannt und „mucksmäuschenstill“ lauschten die Zuhörer den Worten der Märchenerzählerin und folgten ihr gedanklich zu den verschiedensten Orten. Graf begeisterte ihr Publikum mit gekonnter Gestik und Mimik. Dabei musste sie nicht einmal auf ein Textblatt schauen, denn sie trug alle Geschichten frei vor.

Der Eintritt zur Benefizveranstaltung war frei, es wurde allerdings um Spenden gebeten. Der Erlös kommt dem Verein Förderkreis Ehemalige Synagoge Laudenbach e.V. für dessen Arbeit zu gute.

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