ESSELBACH

Junge Botschafterin: Erst zu Westerwelle, dann nach Rumänien

Freut sich schon auf Rumänien: Silvia Steininger aus Esselbach. Bürgermeister Klaus Hofmann wünscht ihr im Namen der Gemeinde alles Gute für ihre Reise im Auftrag des Goethe-Instituts.
Foto: Joachim Schwamberger | Freut sich schon auf Rumänien: Silvia Steininger aus Esselbach. Bürgermeister Klaus Hofmann wünscht ihr im Namen der Gemeinde alles Gute für ihre Reise im Auftrag des Goethe-Instituts.

Ganz viele dicke Wintersachen will sie einpacken, wenn sie Mitte September abreist und wenn bei uns die goldenen, warmen Herbsttage beginnen. Silvia Steininger aus Esselbach stehen nämlich eisige Tage bevor. In gut zwei Wochen macht sie sich auf den Weg in die tiefsten Karpaten. „Dort sind 30 Grad Minus im Winter an der Tagesordnung“, weiß sie schon jetzt.

Als jugendliche Botschafterin wird sie dort an einer Schule Deutsch unterrichten, Jugendliche auf ihr deutsches Sprachdiplom vorbereiten, unsere Kultur vermitteln und im Deutschklub für Erwachsene mitarbeiten – praktisch das „neue“ Deutschland kulturell und bildungsmäßig repräsentieren.

Sie tut das im Auftrag des Goethe-Instituts, das sich in die Arbeit von „Kulturweit“, eines Freiwilligendienstes des Auswärtigen Amtes, einbindet. Zunächst wird sie für ein halbes Jahr in Rumänien bleiben. Wenn ihr Interesse so lebhaft bleibt wie jetzt, dann verlängert sie ihren Aufenthalt möglicherweise auf ein ganzes Jahr.

Ihre Einsatzstelle ist das Liceul de Arta Nagy Istvan. Das ist eine Hochschule mit starker Kunst- und Musikprofilierung und Deutsch als erster Fremdsprache. Sie befindet sich in Miercurea Ciuc, einer Stadt, die im Gebiet der ungarisch-stämmigen Bevölkerung Rumäniens liegt. „Obwohl sie 40 000 Einwohner hat, herrscht in dieser entlegenen Region tiefe Abgeschiedenheit“, hat sich Silvia Steininger schon vorab informiert. „Dort führt eine Straße hin und eine wieder hinaus – mehr ist da kaum an Verkehrswegen, außer einer Bahnlinie.“

Sprachlich hat sie fast ein Heimspiel. Ihr Stiefvater Konstantin Vadian stammt nämlich aus Rumänien. „Ich verstehe deswegen die Sprache ganz gut, tue mir aber beim Sprechen noch etwas schwer.“ Damit sich das bald ändert, besucht sie ein Vorbereitungsseminar in Berlin, in dem sie aber auch Ungarisch-Grundbegriffe lernen soll. Die Bevölkerung in ihrem Einsatzgebiet hat sich nämlich ihre ursprüngliche Sprache als Umgangssprache bewahrt. Rumänisch ist nur Amtssprache.

Unterkunft bei einer Gastfamilie

Wohnen wird Silvia bei einer Gastfamilie – auf eigenen Wunsch. Er ist Architekt, sie Lehrerin an der Schule, an der Silvia arbeiten wird. Mit dazu gehören noch drei Kinder im Alter von 10, 16 und 18 Jahren.

Die 19-jährige Abiturienten vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Wertheim hätte auch eine amtliche Unterkunft wählen können. „Bei der Familie bekommt man aber das Leben in der Fremde leibhaftig mit, viel intensiver“, begründet sie ihren Entschluss. Das Geld, das ihr trotzdem zusteht, will sie der Familie geben, bis auf das Taschengeld. Mit dem will sie auch Reisen unternehmen, um das Land intensiv kennen zu lernen.

Ihre Mutter Beate Reinfurt und ihr Stiefvater Konstantin Vadian werden Silvia die 1800 Kilometer in ihre befristete neue Heimat fahren. Vorher nimmt sie mit rund 250 Kolleginnen und Kollegen an einem Empfang mit Außenminister Guido Westerwelle im Außenministerium teil.

Weihnachten und Silvester wird sie in Rumänien verbringen. Sie hat diese Region gewählt, weil sie gerne nach Südosteuropa wollte. „Diese Region ist für uns unbekannt und es gibt viel zu entdecken. Nach Amerika oder Südamerika kommt man vielleicht im Privatleben. Und in Afrika sind nur wenige Stellen dieser Art vorhanden.“ In die GUS wäre sie aber nicht gegangen. „Da kommt man möglicherweise nach Armenien, und das ist nicht gerade der Traum für einen jungen Menschen“, erklärt sie.

Und noch einen Grund für ihr Ziel nennt sie: „Die ungarisch-stämmigen Menschen sind sehr an Europa interessiert. Insbesondere orientieren sie sich an und nach Deutschland. Es besteht auch ein eigener Deutschland-Klub für Erwachsene, in dem ich mitarbeiten werde.“ Sie weiß auch, dass die ganz jungen und die ganz alten Menschen dort neben Ungarisch oft gut Deutsch sprechen. Die mittlere Generation wuchs auf in einer politischen Bildungsphase, in der Russisch unterrichtet wurde.

Die junge Esselbacherin wird nicht nur fachliches Wissen und deutsche Kultur vermitteln. Sie will auch die Weltoffenheit der Deutschen und einen wahrhaften Eindruck vom modernen Deutschland in Rumänien hinterlassen. Natürlich wird sie auch vom Leben im Spessart berichten. Bürgermeister Klaus Hofmann hat ihr deswegen leihweise einen Sprachatlas überlassen und will ihr auch die Schrift von Franz Wamser mitgeben, in dem Ur-Esselbacher Ausdrücke niedergeschrieben sind.

Der Aufenthalt in Rumänien soll eine Stufe der beruflichen Entwicklung von Silvia sein. Sie möchte nämlich in Heidelberg oder Freiburg später einmal Politik und Internationale Beziehungen studieren.

„Kulturweit“

Der Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes in Kooperation mit der deutschen-Unesco-Kommission (DUK) nennt sich „Kulturweit“. Es wurde 2009 auf Initiative des damaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier gegründet und sendet im September die dritte Staffel Freiwilliger im Alter zwischen 18 und 26 Jahren in die Welt. Das sind 250 junge Leute aus 2000 Bewerbungen.

Einsatzstellen sind beim Goethe-Institut, der Deutschen Welle, dem Pädagogischen Austauschdienst, dem Deutschen Archäologischen Institut und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst.

Ziele sind die Vermittlung deutscher Kultur, Geschichte und Werte, die Repräsentation eines modernen Deutschlandbildes im Ausland, die Förderung der deutschen Sprache, die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung, die Förderung einer weltoffenen Gesellschaft und die persönliche Weiterentwicklung des Entsandten.

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