Karlstadt

Karlstadter Gymnasium war auf acht Gebäude verteilt

Manchmal dauerte es eine Weile, bis die Lehrkräfte bei den Klassen ankamen. Der Bezug des neuen Schulhauses kam, als für die Ältesten die Kollegstufe begann. 
Schullandheimaufenthalt des dritten Jahrgangs im Karlstadter Johann-Schöner-Gymnasium zusammen mit Lehrerin Elfriede Winkler. Die Aufnahme stammt vermutlich aus dem ok, bin Schuljahr 1972/73, als diese Kinder in der fünften Klasse waren.
Foto: Sammlung Christine Siegmund | Schullandheimaufenthalt des dritten Jahrgangs im Karlstadter Johann-Schöner-Gymnasium zusammen mit Lehrerin Elfriede Winkler.

Die ersten Jahre des Karlstadter Gymnasiums waren Pionierjahre. Es startete im Schuljahr 1970/71 mit zwei fünften Klassen. Die zunächst drei Lehrer mussten alle Fächer unterrichten, also auch solche, für die sie eigentlich nicht ausgebildet waren. Jedes Jahr kam ein weiterer Jahrgang hinzu. Damit entstand schrittweise ein massives Platzproblem. Wohin mit den Klassen?

Zunächst aber ging es um die Anerkennung als staatliches Gymnasium. Bei der Gründung "spielte" zunächst der Landkreis den Träger. Nach dem ersten Schuljahr wurde die Neugründung ab 1. August 1971 staatliches, mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium. Damit wurden auch die bisherigen drei Lehrkräfte in den Staatsdienst übernommen. Schon ab Mai trug die Schule den Namen "Johann-Schöner-Gymnasium". Vom zweiten Jahrgang an wurden jeweils drei Klassen gebildet. Die Schule hatte sich etabliert.

Selbst in Mühlbach wurde unterrichtet

Als die beiden Gebäude der Georgschule ausgelastet waren, nistete sich das Johann-Schöner-Gymnasium in allen denkbaren Räumen der näheren Umgebung ein – zunächst im alten Schulhaus am Kirchplatz, dann aber auch im Pfarrheim von St. Andreas, im ehemaligen Schwesternheim an der Ecke Langgasse/Schulgasse, im Theresienheim und in dem Flachbau in der Neuen Bahnhofstraße gegenüber der Post. Dort war der Zeichensaal. Diese Örtlichkeiten sind alle in der Festschrift zur Einweihung des neuen Gebäudes in der Bodelschwinghstraße im Dezember 1977 genannt.

An diesem Tischchen hat Hausmeister Franz Krumpschmid in der Pause die Schulmilch verkauft. Das Foto könnte im letzten Jahr des JSG am Standort Altstadt entstanden sein. 
Foto: Sammlung Christine Siegmund | An diesem Tischchen hat Hausmeister Franz Krumpschmid in der Pause die Schulmilch verkauft. Das Foto könnte im letzten Jahr des JSG am Standort Altstadt entstanden sein. 

Nicht erwähnt ist die alte Schule in Mühlbach. Daran kann sich Hausmeister Franz Krumpschmid aber gut erinnern. Denn auch dort musste er sich um die Ölöfen kümmern. Lediglich die Georgschule wurde nicht mit Öl geheizt. Dort hielt er die mit Koks betriebene Heizung in Gang. "Ich habe da nachts die Schlacke rausgeholt, die Heizung durfte ja nie ausgehen."

Die Lehrkräfte mit dem Wecker ausgetrickst

Die ehemalige Schülerin Christine Siegmund erinnert sich an ein Schuljahr im Theresienheim. Es dauerte ohnehin eine Weile, bis nach Stundenwechsel die Lehrer dort ankamen. "Wir haben dann aus der Klassenkasse einen riesigen Wecker gekauft und den gerne ein Stück verstellt, sodass die Stunde auch noch eher aus war."

Dieselbe Klasse war in einem anderen Jahr in der Georgschule. Eines Tages, nachdem es kurz zuvor in irgendeinem Land ein großes Erdbeben gegeben hatte, gab es im Klassenzimmer Erschütterungen. "Unser Lehrer Werner Zapotetzy bekam Schiss und befahl der Klasse: Jetzt aber naus hier." Die ganze Klasse rannte runter in den Hof. Von Erdbeben allerdings keine Spur; es hatte im Steinbruch des Zementwerks eine größere Sprengung gegeben. Auch sind die Schüler öfter heimlich in der Pause entwischt und zum Bäcker Schwenk am Kirchplatz gegangen und haben "die Krönung gekauft" – einen Schaumkussweck, der damals noch anders genannt wurde.

Kleincomputer "Modell Monroe 1665"

Der erste Jahresbericht stammt vom Schuljahr 1972/73. Darin schrieb der damalige Referendar Henning Lucht (Mathematik/Physik), dass er sich vom Röntgen-Gymnasium Würzburg einen Kleincomputer "Modell Monroe 1665" ausgeliehen hat. Er bewertete das Gerät: "Freilich ist der Computer kein Computer, mit dem man Astronauten zum Mond schicken könnte, dazu ist er zu klein. Aber er kann Dinge, von denen Schüler Alpträume haben, in fünf Sekunden ausrechnen: 7385 geteilt durch 7135 plus 987 geteilt durch 1028."

Sportlehrer Klaus Deinzer hatte den ersten Skikurs in Eben im Pongau (Österreich) organisiert. Dort finden die Kurse des JSG noch heute statt. Seine Frau Theresa erinnert sich: "Vorher war eine Elternversammlung im Rathaussaal mit großer Diskussion über Sinn und Unsinn eines Skikurses." Bei einem der Skikurse kugelte sich ihr Mann die Schulter aus. Im Folgekurs der nächsten Woche sprang sie für ihn ein – "ohne Vertrag, ohne Versicherung und ohne einen Pfennig dafür zu bekommen". 

549 Schüler in acht Gebäuden

Im März 1974 genehmigte das Kultusministerium neben dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig auch den neusprachlichen mit Schwerpunkt Französisch. Im Jahresbericht zum Ende des Schuljahrs 1973/74 freute sich Schulleiter Hellmut Hampel über erfolgreiche Planungen für das neue Schulgebäude, das ab September 1976 bezugsfertig sein könnte. Tatsächlich war in jenem Jahr dann Richtfest. Bezogen wurde es zum Schuljahresbeginn 1977/78. Da hatten die beiden fünften Klassen der ersten Stunde gerade die elfte Klasse hinter sich. Für sie war das erste Jahr im neuen Schulhaus zugleich der Einstieg in die Kollegstufe. Punktlandung könnte man sagen.

Aus heutiger Sicht unglaublich: Im letzten Schuljahr ohne eigenes Haus waren 549 Schüler in 20 Klassen auf acht Gebäude verteilt. Zum Vergleich: Heute hat das JSG rund 800 Schüler und ein vergleichsweise riesiges Gebäude samt Dreifachturnhalle, Mensa und neuem Anbau für die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer.

Die Lehrkräfte 1973/74

Der erste Jahresbericht des Johann-Schöner-Gymnasiums erschien zum Ende des Schuljahrs 1973/74. Damals unterrichteten folgende Lehrkräfte: Matthias Baum (Englisch/Deutsch), Klaus Deinzer (Sport/Französisch), Barbara Kassner (Englisch/Deutsch), Christine Liebler (Englisch/Französisch), Winfried Renner (Latein/Geschichte), Marie-Luise Reuter (Handarbeit), Peter Gressert (Mathematik/Erdkunde), Henning Lucht (Mathematik/Physik), Wolfgang Rupp (Biologie/Chemie), Pfarrer Josef Dotzel, Pfarrer Paul Steinert, Hermann Zinggl (katholische Religion), Herr Schultz (nicht gesichert, evangelische Religion), Ursula Schlangen (Sport), Christl Hardt (Handarbeit). Personalräte waren Klaus Deinzer und Matthias Baum, Elternbeiratsvorsitzender Dr. Theo Röthlein.
Quelle: JSG
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