ESSELBACH

Kaum eine Alternative zu Mobilfunkmast in Esselbach

Fotomontage: So könnte der Mobilfunkmast mit rund 20 Metern Höhe aussehen, der 350 Meter außerhalb von Esselbach aufgestellt werden soll. Gemeinderat Reiner Väth legte diese Darstellung in der Sitzung Anfang Dezember vor. Aus den Alternativen mit kleineren Lösungen scheint nichts zu werden, wie in der Gemeinderatssitzung am Dienstag klar wurde.
Foto: Repro: K. Fehr | Fotomontage: So könnte der Mobilfunkmast mit rund 20 Metern Höhe aussehen, der 350 Meter außerhalb von Esselbach aufgestellt werden soll.

Fast ein ganzes Jahr lang kämpfte eine Bürgerinitiative vehement gegen das, was sich nun abzeichnet: Die Errichtung eines Mobilfunkmastes zur Verbesserung des Handyempfangs scheint seit dieser Woche unumgänglich. In der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstag konstatierte Bürgermeister Richard Roos den Ist-Zustand: „Alle technischen Alternativen, die so hoffnungsfroh begonnen hatten, sind in den letzten Tagen in sich zusammengefallen.“

Mit technischen Alternativen meint Roos zwei von der Bürgerinitiative vorgeschlagene Kompromisslösungen: Eine der beiden Alternativen sah vor, kleine Außenantennen mit Mobilfunkverstärker punktuell an jenen Orten anzubringen, an denen gar kein oder kaum Handyempfang möglich ist.

Das Problem: Die Kosten für die Installation eines einzigen Geräts würden sich nicht, wie angenommen, auf 3000 Euro, sondern auf satte 15 000 Euro belaufen. Damit entstünden für alle Geräte Gesamtkosten von rund 100 000 Euro – für eine Lösung, bei der nur die punktuelle, nicht aber die flächendeckende Versorgung gewährleistet wäre.

WLAN bringt gleiche Belastung

Die zweite Alternative, die im Raum stand, war das Telefonieren über das Internet via WLAN. Auch diese Variante löste sich im Laufe der Sitzung in Luft auf: Denn Dr. Thomas Kurz, Experte für magnetische Felder vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, klärte auf: „Zwar teilt sich die Strahlung bei der WLAN-Lösung auf viele kleine Sender auf, in der Addition ist sie jedoch vergleichbar mit der eines Mobilfunkmastes.“ Hinzu käme, dass eine zellenübergreifende, sprich mobile WLAN-Nutzung in der Praxis problematisch sei.

In einer Umfrage im September hatte sich die eine Hälfte für, die andere Hälfte der Bürger gegen einen Handymast ausgesprochen. Letztere plagen große Sorgen, was ihre und die Gesundheit ihrer Mitmenschen betrifft, die sie durch die Strahlung eines Mobilfunkmastes gefährdet sehen. Immer wieder versuchte die Bürgerinitiative; ihre Sorgen mit Studien zu untermauern, die zeigen, dass Strahlen zu Kopfschmerzen, Fruchtbarkeitsstörungen, gar Krebs führen können.

Kurz machte deutlich, dass es nicht sinnvoll sei, sich auf eine einzige Studie zu beziehen, die zur eigenen These passe. Das Gesamtbild aller Studien zeige, dass kein kausaler Zusammenhang zwischen Strahlung und etwaigen Krankheiten bestehe.

Experte Kurz wiegelt ab

Mithilfe einer simplen Frage entkräftete er die Argumente der Bürgerinitiative: „Wie viele Leute, beispielsweise in München, leben innerhalb eines 400-Meter-Radius um einem Mobilfunkmast?“ Bürgermeister Richard Roos wusste die Antwort: „Alle.“ – Weltweit würden mehrere hundert Millionen Menschen in der Nähe eines Handymastes leben, rechnete Kunz hoch. „Wenn ein Zusammenhang zwischen Strahlung und derartigen Krankheiten bestehen würde: Glauben Sie wirklich, wir hätten diesen noch nicht erkannt?“

Die endgültige Entscheidung pro oder contra Mobilfunkmast fällt im nichtöffentlichen Teil (es handelt sich um ein Grundstücksgeschäft) der nächsten Gemeinderatssitzung am 3. Februar. Fünf Tage zuvor, am 29. Januar, findet ein Informationsabend zum Thema „Gesundheitliche Risiken eines Mobilfunkmastes“ statt. Referieren wird neben Dr. Thomas Kurz vom Bayerischen Landesamt für Umwelt auch Dr. Horst Eger, Autor der Naila-Mobilfunkstudie von 2004.

Die Bürgerinitiative hat indes angekündigt, ein Bürgerbegehren starten zu wollen. Inhalt: Wenn schon einen Handymast bauen, dann mindestens 800 Meter weg von der Siedlung. Allerdings verwiesen die Räte darauf, dass die Telekom nicht noch einmal einen neuen Standort vermessen werde. Der momentan vorgesehene Standort ist rund 350 Meter von den ersten Häusern entfernt.

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