Esselbach

Kehrtwende im Esselbacher Gemeinderat nach Bürgerprotest

Die Unterschriftenaktion der Anwohner zeigt Wirkung: Der Bolzplatz im Bengelsgut soll nun doch kein Bauplatz werden. Intensiv wurde diskutiert, letztlich mit 9:6 abgestimmt.
In der Alten Schule in Kredenbach informierten sich die Esselbacher Gemeinderäte am Dienstagabend über den Fortgang der Arbeiten und fassten einige Vergabebeschlüsse. Bürgermeister Richard Roos erläuterte Einzelheiten.
Foto: Joachim Spies | In der Alten Schule in Kredenbach informierten sich die Esselbacher Gemeinderäte am Dienstagabend über den Fortgang der Arbeiten und fassten einige Vergabebeschlüsse. Bürgermeister Richard Roos erläuterte Einzelheiten.

Eine außergewöhnliche Bürgerbeteiligung gab es am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung im Esselbacher Feuerwehrhaus. Mehrere der zehn Zuhörer meldeten sich zu Wort, eine Bürgerin verteilte sogar Lagepläne am Ratstisch. Die Beiträge waren offenbar willkommen, halfen sie doch bei der Entscheidungsfindung – zum einen über den umstrittenen Bauplatz am Bengelsgut, zum anderen über den Ärger nach dem Einbau von Schranken am Oberen Hirtenweg. 

Mehrheitlich hatten die Bürgervertreter in der vorletzten Ratssitzung den Entschluss gefasst, aus dem nie ausgebauten 765 Quadratmeter großen Spielplatz am Bengelsgut einen Bauplatz machen. Das kam bei vielen Anliegern aber nicht gut an. Wie Bürgermeister Richard Roos informierte, gab es eine Unterschriftenaktion, an der sich rund 80 Bürger beteiligten. Das Ziel: den Spielplatz erhalten. Außerdem, so ein weiteres Argument der Bürger, werde die Gemeinde den nahe einer Schweinezucht und einem Sägebetrieb gelegenen Platz ohnehin kaum loswerden. 

Der Platz bleibt einfach so wie er ist

Während einige Räte meinten, der abschüssige Platz werde zum Spielen nicht genutzt und außerdem habe man die Weed mit ihrem tollen Spielplatz, hielten anwesende Bürger dagegen, dass die Kinder sehr wohl sommers wie winters dort ihren Spaß hätten. Anwohnerin Silke Behl lobte zwar auch die Weed, meinte aber: "Da oben können die Kinder auch ohne tolle Spielgeräte spielen." Karl-Heinz Hübner beantragte schließlich, den ursprünglichen Beschluss zurückzunehmen: "Wir kriegen nur Ärger, egal was wir machen." Der Antrag fand mit 9:6 Stimmen eine Mehrheit. Die Idee von Bürgermeister Roos, den Platz als Bolzplatz mit Toren und Anpflanzung herzurichten, wurde dagegen mit 12:3 Stimmen abgelehnt.  

"Einen Sturm der Entrüstung ausgelöst" hat nach den Worten des Bürgermeisters die Installation von Schranken am Oberen Hirtenweg. Damit wollte die Gemeinde den unberechtigten Verkehr, über den sich Anlieger beklagt hatten, von diesem Feldweg fernhalten. Nun hat vor Ort unter freiem Himmel eine Aussprache stattgefunden, bei der laut Roos ein Kompromiss gefunden wurde. Die Schranken kommen wieder weg, dafür sollen Schilder mit "Einfahrt verboten, Anlieger frei" hin und außerdem ein gemalter Hinweis auf den Weg selbst. Damit seien alle Anlieger einverstanden, sagte Anwohnerin Irene Väth in der Sitzung. Der dahingehende Beschluss fiel einstimmig.  

Schranke soll nun den Wald vor Parkern schützen

Für eine der Schranken gibt es schon eine neue Verwendung: einen Waldweg am Gewerbegebiet Bärnroth. "Es stehen dort ausreichend Parkplätze zur Verfügung, man müsste halt fünf Minuten laufen, aber es wird im Wald geparkt und an vielen Ecken, wo es nicht erlaubt ist", berichtete der Bürgermeister. Ohnehin scheint das Parken ein Thema in Esselbach zu sein. Auch am Kindergarten, so Vera Sowa, sei das Parken oft zu beanstanden. Sie fragte sich zudem, wie es an der Weed werden soll, wenn der stark frequentierte Parkplatz wegen der Arbeiten an den Außenanlagen des Dorfgemeinschaftshauses gesperrt werden muss. 

Begonnen hatte die Sitzung mit einem Ortstermin in der Alten Schule in Kredenbach, wo Bauleiterin Annette Kollmann und Katja Manger (Firma Basis-Plan) über Gestaltungsvarianten informierten. Bis zum 1. Mai soll das Projekt abgeschlossen sein. Einige der Vergaben ordnete Bürgermeister Roos unter "nette Kosten" ein, da diese Ausgaben nicht zwingend seien, aber der Schönheit und Optik dienten. Mehrheitlich beauftragt wurden Ausbesserungsarbeiten an der Fassade (3300 Euro, Firma Hofmann & Stephan), Innentüren (9950 Euro, Schreinerei Klaus Väth), Fußböden abschleifen (2551 Euro, ebenfalls Väth), Beamer, Lampen und Sprechanlage (4500 Euro, Firma Lermann Technik), Zaunarbeiten (4306 Euro, MSW Montage GmbH) und Endreinigung (4500 Euro, Star Reinigung GmbH).  Zugestimmt wurde auch dem erhöhten Aufwand der Baufirma Roland Väth (Nachtrag Maurerarbeiten 8109 Euro) und der Firma Stahl (15 000 Euro für Putz- und Deckenarbeiten).

Auch am Dorfgemeinschaftshaus geht es weiter

15 953 Euro bewilligte das Gremium für die Aufrüstung der alten Heizung im Rathaus, an die das Esselbacher Dorfgemeinschaftshaus angeschlossen werden soll (Firma Weierich). Die Investition rechne sich in mehrfacher Hinsicht, so Planerin Manger, zumal bei einer Umstellung von der alten Öl- auf Pelletsheizung die Einrichtung weiter genutzt werden könne. Der Auftrag für die Außenanlage (mit Parkplatz, Kriegerdenkmal und Lärmschutz) ging für 492 347 Euro an die Firma Hofmann in Marktheidenfeld. Im April soll es mit den Arbeiten losgehen.

Beschlossen wurde die Anschaffung eines neuen Lkw-Anhängers für den Bauhof (29 996 Euro, Firma Klaus Köhler). Erstattet werden die Kanal- und Wassergebühren dem FSV Esselbach (211 Euro), dem RSV Esselbach (728 Euro), dem FSV Steinmark (982 Euro) und dem Kindergarten Esselbach (1612 Euro).

Kurzfristig zurückgezogen hat Jagdpächter Robert Schreck seinen Antrag auf vorzeitige Verlängerung der Jagdpacht. Er hat in Billingshausen ein neues Revier gefunden, wird seinen Verpflichtungen in Esselbach aber bis Vertragsende im März 2023 nachkommen, informierte der Bürgermeister.  

Bebauungsplan "Welzengraben" kommt voran

Einstimmig verabschiedet wurde die neue Verordnung über die Reinigungs- und Räumpflicht für Anlieger. Zum Bebauungsplanverfahren "Welzengraben" verlas der Bürgermeister die Stellungnahmen der 28 Behörden und Träger öffentlicher Belange. Das Gremium ging in jeweils einzelnen Beschlüssen darauf ein, griff verschiedene Anregungen auf und beschloss einstimmig die erneute öffentliche Auslegung. 

Nachdem die staatliche Beförsterung des Gemeindewaldes ausläuft, werde über die Gründung eines Zweckverbandes nachgedacht, informierte Roos. Mehrere Gemeinden könnten dann zusammen einige Förster einstellen. Die Kosten lägen aber voraussichtlich doppelt so hoch wie bisher, vermutete er.  

Nichts Näheres berichten konnte der Bürgermeister auf die Frage von Siegfried Kuntscher, wo das statt des Karbacher Landwirts beauftragte mittelfränkische Unternehmen künftig den Klärschlamm ausbringe. Einig scheint sich das Gremium jedoch, dass der Schlamm aus dem Abwasserverband mittelfristig getrocknet und thermisch verwertet werden sollte.

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