MARKTHEIDENFELD

Kein Boxen-Stopp für Elektro-Räder

Wer braucht eine Radbox? Radtouristen, die mit einem Bus samt Radanhänger kamen, starteten am Freitagmorgen ab dem Adenauerplatz zu ihrer Tour.Foto: ANDREAS BRACHS
| Wer braucht eine Radbox? Radtouristen, die mit einem Bus samt Radanhänger kamen, starteten am Freitagmorgen ab dem Adenauerplatz zu ihrer Tour.Foto: ANDREAS BRACHS

Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder und ihre Tourismuschefin Inge Albert sind sich einig: Die Stadt Marktheidenfeld braucht abschließbare Fahrradboxen mit einer integrierten Akkuladestation für Elektro-Räder. Der Stadtrat lehnte dies aber mit zwölf zu elf Stimmen knapp ab.

Zuvor hatte Albert versucht, das Gremium für diese Idee der Tourismusförderung zu erwärmen. Sie führte die aktuelle Radreiseanalyse des ADFC an, die den Fünf-Sterne-Mainradweg als einen der beliebtesten Radfernwege (2. Platz) in Deutschland ermittelt hat. Platz 1 belegt der Elberadweg. Zudem sind laut Studie 2012 rund 400 000 Elektro-Räder verkauft worden. Ein Viertel der Käufer entscheidet sich mittlerweile für die elektrische Antriebshilfe, bei den über 60-Jährigen sogar jeder Zweite. Da es in Franken laut Tourismusverband nur in Schweinfurt, Maintal und Hanau Fahrradboxen gibt, schlug Albert eine Installation in Marktheidenfeld vor. Das Ziel: Die Stadt könnte eine Vorreiterrolle übernehmen, sich als fahrradfreundlich präsentieren und zugleich ihre Innenstadt beleben. Als Standort für die Box empfahl Albert den Brückenparkplatz – nahe am Radweg, stadtnah und leicht mit Strom zu versorgen. Ludwig Keller hätte diese Initiative seiner Freien Wähler gern verwirklicht gesehen: „Dem Fahrradtourismus täten wir mit diesem Boxen-Stopp einen großen Gefallen.“ Der Parkplatz sei dafür geeignet.

Martin Harth (SPD) hielt dagegen, dass die stundenlange Aufladung und Aufbewahrung von E-Bikes etwas für große Städte sei, in denen sich die Gäste länger aufhielten. In Marktheidenfeld, so habe seine Fraktion beobachtet, nähmen die Radler ihre Räder „bis ins Geschäft mit“. Ein Beispiel: Während die offiziellen Radständer leer geblieben seien, hätten Radfahrer ihre Drahtesel lieber an den Maibaum auf dem Marktplatz angeschlossen. Außerdem habe die Stadt bereits Lehrgeld beim Missbrauch der Schließfächer am Busbahnhof gezahlt. Ähnliches fürchtete Harth bei den Boxen. Der Alternativvorschlag der SPD: mehr normale Radständer in der Stadt und eine zentrale Akku-Ladestation.

Christian Menig (CSU) erinnerte daran, dass der Brückenparkplatz wohl bald für drei Jahre belegt sei, wenn er als Baustelleneinrichtung für die zu sanierende alte Mainbrücke herhalten müsse. Das bringe auch eine Verlegung des Radwegs mit sich. Vor Ende der Bauarbeiten sei eine Umsetzung des Verwaltungsvorschlags nicht sinnvoll. Die Aufladestation fand seine Zustimmung.

Andrea Hamberger (Freie Wähler) bewertete die Anschaffung einer Box als „nur positiv“. So könnten Touristen ihre Räder und zugleich ihr Gepäck sicher verwahren.

Karlheinz Feser (CSU) warf der Verwaltung vor, „etwas krankhaft herbeizureden, was nicht realistisch ist“. Die Box sei für ihn „Kokolores“.

Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder hielt dagegen, dass sie viel mit dem Rad unterwegs sei. Als Radler sei man froh, „wenn Gepäck und Rad für zwei bis drei Stunden in einer Box abgeschlossen sind“. Doch die Stadtratsmehrheit unterstützte dieses Anliegen am Ende nicht.

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