Kreuzwertheim

Koffer zum Gedenken

Der Beschluss fiel einstimmig und ohne Diskussion: Der Markt Kreuzwertheim wird sich mit einem Zuschuss von 1500 Euro an dem geplanten Projekt „DenkOrt Aumühle“ in Würzburg beteiligen. Entsprechende Mittel sollen im noch zu verabschiedenden Haushalt 2018 eingeplant werden. Im Projekt gehe es um das Gedenken der im Dritten Reich in Unterfranken deportierten Juden, erläuterte Bürgermeister Klaus Thoma in der Sitzung des Gemeinderates das Vorhaben.

Der frühere Güterbahnhof Würzburg-Aumühle sei der zentrale Ort für die Deportationen gewesen. Den Ladehof mit Schienen gebe es nicht mehr – erhalten sei jedoch ein Stück des Aufgangs zu den Gleisen von der Schweinfurter Straße aus mit den original Pflastersteinen. Als Denkmal ist laut Thoma eine mehrstufige Konstruktion vorgesehen. Die 109 unterfränkischen Gemeinden, in denen sich zu Beginn der NS-Zeit noch jüdische Gemeinden befunden hätten, seien gebeten worden, sich mit einem Gepäckstück am Denkmal zu beteiligen und ein weiteres Gepäckstück in der jeweiligen Ortschaft aufzustellen.

Ein wichtiger und richtiger Ansatz

Die übrigen 200 Kommunen ohne jüdische Gemeinde – zu denen auch Kreuzwertheim gehört habe – seien gebeten worden, sich an der Finanzierung zu beteiligen, wobei als Mindestbetrag an 500 Euro gedacht sei. „In der Vorbesprechung zur Gemeinderatssitzung mit den Fraktionssprechern sind wir uns einig gewesen, dass das Projekt wichtig ist“, sagte der Bürgermeister. Gerade angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen sei dies ein wichtiger und richtiger Ansatz. Der zur Beteiligung vorgeschlagene Betrag sei von Kämmerer Rupert Schiller unter anderem anhand der Gemeindegröße kalkuliert worden, so Thoma auf Nachfrage von Reinhold Dosch.

In Kreuzwertheim selbst, verwies Jo Krimm auf die Chronik zum Marktjubiläum, habe es seit Sommer 1931 keine jüdischen Mitbürger mehr gegeben. In seinem Beitrag „Kreuzwertheim im Nationalsozialismus“ im ersten Band besagter Chronik schrieb Manfred Schneider, „wenigstens die menschenverachtenden Übergriffe auf jüdische Mitbürger und deren Deportation blieben Kreuzwertheim erspart, aber nur, weil 1933 keine Juden mehr am Ort lebten“.

Gerd Flick nutzte die Gelegenheit, um anzuregen, bei künftigen Straßenbenennungen an die Personen zu denken, die zu Kriegsende die weiße Fahne in Kreuzwertheim gehisst haben.

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