Lohr

Kommentar zu Vorfällen in Lohr: Es braucht Wachsamkeit und Zivilcourage

Warum die Polizei allein die Probleme nicht lösen kann
Roland Pleier
Roland Pleier Foto: Angie Wolf

Jeder wisse es und niemand mache etwas. Wo denn die Polizisten seien, "die von unseren Steuern ihr Gehalt bekommen". Mit Bemerkungen dieser Art kommentieren einzelne Lohrer in sozialen Medien die Meldungen über Drohgebärden und teilweise tätliche Streitigkeiten in Lohr. Wobei just jener, der nach der Polizei ruft, sich beschwert: "Ach die müssen ja die arbeitende Bevölkerung kontrollieren, die spät abends aus ihrer Schicht kommt."

Dies zeigt das Spannungsfeld auf, in dem sich die Polizei bewegt. Im Gespräch mit Polizeichef Remelka wird deutlich, dass sich die Beamten sehr wohl intensiv mit der Situation befassen und darauf reagieren. Vorschnelle Pauschalurteile sind nicht angebracht.

Voreilige Schlüsse zieht auch die Polizei nicht. Zwar konzentrieren sich die Vorfälle im Wesentlichen auf die gleichen Orte wie im Krawallsommer 2018 – Stadthalle, Skaterplatz, das Mainufer auch unter den Brücken; doch sind es überwiegend andere Personen als die damaligen Unruhestifter.

Zudem haben die Vorfälle eine andere Qualität: ein Messer, eine Machete, eine Luftdruckpistole, eine zerbrochene Bierflasche, möglicherweise auch eine Eisenstange – es werden Waffen mitgeführt oder Werkzeuge, die als solche benutzt werden können. Das war 2018 nicht so. Das beunruhigt – auch die Polizei.  

Doch diese reagiert durchaus: Sie zeigt sich flexibel, erhöht die Präsenz, verstärkt Kontrollen, beschleunigt Ermittlungen und Verfahren. Und das ist gut so. 

Freilich kann sie nicht Wachposten rund um die Uhr abstellen, wo immer sich Leute treffen. Sie ist auch auf die Hinweise und Hilfe von Zeugen angewiesen. Es braucht also Zivilcourage, wie sie Dieter Daus, der Pressesprecher der Stadt, schon vor zwei Jahren gefordert hat: Bei Vorfällen nicht weg-, sondern hinschauen und die Polizei informieren.

Nur am Rande sei wiederholt: Bei nahezu allen Vorfällen spielte Alkohol eine Rolle.  So auch bei dem Vorfall in der Hauptstraße, wo eine 62-jährige Frau zur Geisterstunde einen 21-jährigen mit einer Liebeserklärung bedachte. Gerufen wurde die Polizei, weil sie auf dem Boden lag und schrie. Ihr Alkoholspiegel: 1,8 Promille.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Lohr
  • Roland Pleier
  • Beamte
  • Dieter Daus
  • Ermittlungen
  • Polizei
  • Polizeichefs
  • Polizistinnen und Polizisten
  • Pressesprecher
  • Probleme und Krisen
  • Stadthallen
  • Streitereien
  • Zeugen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!