Lohr

Lohr: Kommt statt Festwoche das Drive-In-Festzelt?

In der Mitte die Fahrspur, links die Ausgabe, rechts der Biergarten: Franz Widmann, der Festwirt der Lohrer Spessartfestwoche, betreibt seit einigen Tagen in einem Einkaufspark in Landshut ein 'Drive-In-Festzelt'. Die aus der Corona-Not heraus geborene Idee will er nun zur Festwochenzeit auch nach Lohr übertragen.
In der Mitte die Fahrspur, links die Ausgabe, rechts der Biergarten: Franz Widmann, der Festwirt der Lohrer Spessartfestwoche, betreibt seit einigen Tagen in einem Einkaufspark in Landshut ein "Drive-In-Festzelt". Die aus der Corona-Not heraus geborene Idee will er nun zur Festwochenzeit auch nach Lohr übertragen. Foto: Johannes Ungemach

Für Freunde des Volksfests ist der Sommer 2020 eine Zeit harter Entbehrungen. Wie allen anderen bis einschließlich 31. August terminierten Großveranstaltungen hat die Corona-Krise auch dem geselligen Bierzelt-Treiben einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Das Heimatfest in Gemünden (ehemals geplant vom 2. bis 5. Juli), die Lohrer Spessartfestwoche (24. Juli bis 2. August) und die Laurenzi-Messe in Marktheidenfeld (7. bis 16. August) sind allesamt abgesagt. Doch nun zeigt sich Liebhabern von halben Hähnchen, Grillhaxen und Biertischgesprächen zumindest in Lohr ein zarter Hoffnungsschimmer: Es gibt Bestrebungen, zur Festwochenzeit Anfang August und womöglich gar für zwei Wochen auf der Lohrer Mainlände eine Art Drive-In-Festzelt zu errichten.

Ein solches Zelt betreibt Franz Widmann, Festwirt der Lohrer Spessartfestwoche, seit einigen Tagen in seiner Heimatstadt Landshut. Nachdem sich das Konzept bewährt habe, überlege er, damit auf Reise zu gehen, sagte er jetzt gegenüber dieser Redaktion.

Erste Gespräche mit der Stadt habe es bereits gegeben, sagt Widmann, der von positiven Signalen aus dem Rathaus spricht. Einiges deute darauf hin, dass es ein Gemeinschaftsprojekt wird, bei dem beispielsweise die von Manuel Müller betriebene Halsbacher Kleinbrauerei Goikel-Bräu mit im Boot sitzen könnte.

Zelt 30 mal zehn Meter groß

Das, was sich Widmann auch auf der Lohrer Mainlände vorstellen könnte, ist derzeit zu sehen im Gewerbegebiet "Landshut Park", einem großen Einkaufsgebiet mit über 30 Fachgeschäften und Märkten. Dort hat Widmann auf einem großen Parkplatz ein 30 mal zehn Meter großes Festzelt aufgebaut.

Es gibt einen Drive-In-Bereich, in dem sich Autofahrer bierzelttypische Speisen und Getränke ins Fahrzeug reichen lassen können. Auf der anderen Seite gibt es eine "Walk-through-Zone", also eine Theke, an der auch Fußgänger bedient werden können. Mittlerweile ist auf einer angrenzenden Wiese auch ein Biergarten eingerichtet.

Die Idee zum Festzelt-Drive-In, so sagt Widmann, sei aus der Not heraus geboren worden. Auch der Festbranche ist durch die Corona-Auflagen das Geschäft komplett weggebrochen. Ihm sei es darum gegangen, den zehn Mitarbeitern, die er das ganze Jahr über beschäftige, dennoch eine Arbeit bieten zu können statt sie in Kurzarbeit zu schicken.

In Landshut habe die "Dult", das örtliche Volksfest, unmittelbar bevorgestanden, als die Corona-Krise zum Verbot geführt habe. Viele Besucher hätten sich schon mit Bier- und Hähnchenmarken eingedeckt gehabt, so Widmann. Wer will, könne diese Marken nun im Landshuter Drive-In-Festzelt einlösen.

"Kein Volksfest-Ersatz"

Dort ist eine Küche aufgebaut, natürlich nicht in der Dimension, wie man sie von der Spessartfestwoche gewöhnt ist. Das Konzept sei sicher "kein Volksfest-Ersatz", weiß Widmann. Doch das Angebot werde in Landshut "sehr gut angenommen". Für Widmann ist das coronabedingte vorübergehende Aus für Volksfeste nicht nur wirtschaftlich ein Schlag, sondern auch emotional: "Das ist wirklich schlimm", beschreibt er die Gefühlslage eines Festwirtes ohne Fest.

Doch nun gehe es darum, das Beste aus der Lage zu machen. Widmann hat deswegen mit Dieter Daus, dem Festwochenorganisator im Lohrer Rathaus, gesprochen. Widmann schilderte, dass er den Eindruck habe, dass es "nicht schlecht aussieht" für das Drive-in-Festzelt auf der Lohrer Mainlände.  Nun soll es weitere Gespräche geben, unter anderem mit Manuel Müller von der Halsbacher Goikelbräu und Hilmar Ullrich von der Raiffeisenbank Main-Spessart. Beide hatten schon vor Widmanns Idee darüber nachgedacht, wie man trotz Corona den Menschen in einem Gemeinschaftsprojekt wenigstens ein bisschen Festwochengefühl geben könnte.

Auch sie hatten schon Kontakt mit der Stadt und deren Citymanagement aufgenommen. Die Idee dabei war eine Art Liefer- und Abholservice mit einem Angebotspaket bestehend aus Bier der Goikelbräu und festtypischen Speisen lokaler Anbieter.

"Lebensgefühl Festwoche"

Ullrich kündigte gegenüber der Redaktion an, dass man sich nun mit Widmann abstimmen werde. Er sei zuversichtlich, so der Pressesprecher der Raiffeisenbank, der auch als Mitglied der ehemaligen Lohrer Kultband Jukebox einen engen Bezug zur Festwoche hat, dass man gemeinsam ein Konzept ausarbeiten werde. Das Ziel der Bemühungen umschreibt Ullrich so: "Es geht darum, dass das Lebensgefühl Festwoche in diesem Jahr nicht ganz verloren geht."

Wenngleich die Detailabstimmung aller Akteure noch aussteht, so steht eines fest: In der Halsbacher Goikelbräu, so kündigt Manuel Müller an, wird am Donnerstag damit begonnen, ein "Festbier Löhrer Brauerart" einzubrauen.

Die Essensausgabe für 'Fußgänger' im Landshuter Küchenzelt.
Die Essensausgabe für "Fußgänger" im Landshuter Küchenzelt. Foto: Johannes Ungemach

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Lohr
  • Johannes Ungemach
  • Bier
  • Biergärten
  • Dieter Daus
  • Fahrzeuge und Verkehrsmittel
  • Gerichte und Speisen
  • Getränke
  • Kurzarbeit
  • Laurenzimesse Marktheidenfeld
  • Lohrer Spessartfestwoche
  • Manuel Müller
  • Spessartfestwoche
  • Volksfeste
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
7 7
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!