Karlstadt

Kommunalwahl: Jung und weiblich ist selten in den Parlamenten

In Karlstadt hat sich an der Zusammensetzung des Stadtrats kaum was verändert, in Marktheidenfeld wurde alles durcheinander gewirbelt. Frauen sind unterrepräsentiert.
Die Landratskandidaten nutzten ihren Heimvorteil.
Foto: Sebastian Gollnow | Die Landratskandidaten nutzten ihren Heimvorteil.

Die Auszeichnung für die Kommune mit der höchsten Wahlbeteiligung geht in dieser Kreistagswahl an Mittelsinn. Die Gemeinde im Sinntal darf sich rühmen, mit einer Wahlbeteiligung von 79,9 Prozent bei der Landratswahl ihre staatsbürgerliche Pflicht am besten erfüllt zu haben. Landkreisweit lag die Wahlbeteiligung bei 67,6 Prozent, fast unverändert zur Wahl vor sechs Jahren.  Kreuzwertheim hatte mit 57,1 Prozent die geringste Wahlbeteiligung.

Erwartungsgemäß ist die CSU-Kandidatin Sabine Sitter mit 44,6 Prozent als Siegerin aus dem ersten Wahlgang hervorgegangen. Sitter hat ihre besten Wahlergebnisse allesamt im nordöstlichen Landkreis errungen. In ihrem Heimatort Gräfendorf erhielt sie 77,4 Prozent. Ihr bestes Ergebnis erzielte sie in Mittelsinn gar mit 79,9 Prozent. Hoch sind ihre Ergebnisse auch in Burgsinn 60,9 Prozent, Fellen 65,2 Prozent und Obersinn 62,5 Prozent. Am schlechtesten schnitt sie mit 15,3 Prozent in Karbach ab.

Dies liegt auch an ihrem Gegner in der Stichwahl, Christoph Vogel (Freie Wähler). Er hatte mit 69,7 Prozent in Karbach sein bestes Ergebnis, so dass kaum noch Stimmen für die anderen Kandidaten übrig blieben. Ebenfalls stark schnitt er in Steinfeld (43,6 Prozent) und in Birkenfeld (47,6 Prozent) ab und liegt dort deutlich über seinem kreisweiten Ergebnis von 22,1 Prozent. Die Erklärung ist einfach. Der gebürtige Steinfelder Vogel wohnt zwischen Birkenfeld und Karbach. "Es ist schön, wenn die Leute, die einen kennen, auch wählen", kommentiert er das Ergebnis.

Auch Christian Baier (Grüne) konnte seinen Heimvorteil nutzen. In der Kreisstadt Karlstadt erzielte er mit 37,7 Prozent sein bestes Ergebnis. Die 3133 Stimmen, die er in Karlstadt bekam, machen damit einen guten Teil von seinen Gesamtstimmen in Höhe von 11 581 aus und trugen ihn auf den dritten Platz bei der Wahl zum Landrat. 

Frauen an die Macht

Drängen Frauen an die Macht? Die Statistik gibt dies zumindest nicht her – allerdings kann Sabine Sitter Landrätin werden. Die Zahl der Bürgermeisterinnnen ist nicht größer geworden. Wiedergewählt wurden die Bürgermeisterinnen Agnes Engelhardt in Bischbrunn, Thea Kohlroß in Schollbrunn, Zita Baur in Fellen und Lioba Zieres in Obersinn. Allerdings wird es auch in Triefenstein künftig eine Frau an der Spitze der Gemeinde geben. In der Stichwahl sind Karin Öhm (FW) und Kerstin Deckenbrock (Aus Vier mach wir). Sie setzten sich gegen ihre männlichen Mitbewerber durch. Dafür wird in Marktheidenfeld Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder von einem Mann ersetzt. Einsam könnte sich Monika Poracky im Gemündener Stadtrat fühlen. Sie ist die einzige Frau.

Ist die Jugend auf dem Vormarsch? In der Kreisstadt Karlstadt ist kaum eine Verjüngung zu erkennen. In großer Zahl ziehen die amtierenden Stadträte wieder ins Gremium ein. Der nicht in die Stichwahl gewählte FW-Bürgermeisterkandidat Benedikt Kaufmann senkt als künftiger Stadtrat mit seinen 34 Jahren den Altersdurchschnitt. Ebenso auch Janik Havla mit seinen 20 Jahren, der auf der Liste Linke/Die Partei ein Stadtratsmandat gewann. Nicht mehr im Karlstadter Stadtrat sitzt künftig der Grünen-Kreisvorsitzende Gerhard Kraft. Er war auf Platz 24 angetreten.

Junge Kandidaten durchgefallen

Bei der Wahl zum Lohrer Stadtrat sind junge Kandidaten durchgefallen. Marc Nötscher (23) schaffte  es trotz seines aussichtsreichen Platzes 3 auf der SPD-Liste nicht in den Stadtrat. Hannah Imhof (22) auf der Liste der Grünen erzielte zwar ein respektables Ergebnis, ein Mandat hat aber auch sie nicht gewonnen. In Gemünden zieht für die CSU erstmals Andreas Wirth (Jahrgang 1988) aus Langenprozelten in den Stadtrat ein. In Marktheidenfeld hat es Xena Hospes (23 Jahre) auf der Liste der Grünen ins Stadtparlament geschafft. 

Die Initiative ProMar hat in Marktheidenfeld mit ihrer neu gegründeten Liste alles durcheinander gewirbelt und die Machtverhältnisse verändert. Mit gleich fünf Mandaten zieht ProMar in den Stadtrat ein. Dies ging vor allem auf Kosten der Freien Wähler (jetzt nur noch fünf) und der SPD (nur noch zwei), die sich beide nahezu halbiert haben. Zufrieden können auch die Grünen in Marktheidenfeld mit ihrem Abschneiden sein. Sie traten zum ersten Mal an und haben gleich vier Sitze gewonnen.

Für die FDP ist die Rechnung nicht aufgegangen. Hubert Fröhlich ist auch als Landratskandidat angetreten, um mit seiner Kandidatur die FDP-Liste für den Kreistag zu pushen. Nach jetzigem Stand erreicht die FDP bei der Kreistagswahl nur knapp über zwei Prozent. Dafür hat es Fröhlich auf der Ökoliste wieder in den Stadtrat Gemünden geschafft.

Peter Sander, Spitzenkandidat der mit nur neun Kandidaten besetzten Liste der FDP in Lohr, hat den Einzug in den Stadtrat ebenso überraschend geschafft wie Torsten Ruf, der sein Mandat nach einem Jahr als grüner Stadtrat 2015 niedergelegt hatte und nun als Listenführer der ÖDP angetreten war. In Karlstadt hat die FDP kein Mandat gewonnen. Dies ist aber auch kein Wunder. Nur vier Personen standen auf der Liste.

Jede Stimme zählt, das zeigt die Wahl in Eußenheim. Peter Heun hat mit nur drei Stimmen das Mandat für den Gemeinderat verfehlt. In den Gemeinderat gewählt wurden Holger König und Marco Zankl, beide 838 Stimmen auf der Liste der Freien Wähler. Auf Peter Heun waren auf der gleichen Liste nur 835 Stimmern gefallen.

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