Lohr

Konstanz in Zeiten des rasanten Waldwandels

Der langjährige Forstschulleiter Robert Staufer (rechts, 63) hat seine Aufgabe übergeben an Christof Welzenbach (Mitte, 59). Dieser war mehrere Jahre bereits stellvertretender Schulleiter. Den Posten von Welzenbach übernimmt Maximilian Muninger (links, 39). Er wechselt aus der Bayerischen Vertretung in Brüssel nach Lohr. 
Foto: Johannes Ungemach | Der langjährige Forstschulleiter Robert Staufer (rechts, 63) hat seine Aufgabe übergeben an Christof Welzenbach (Mitte, 59). Dieser war mehrere Jahre bereits stellvertretender Schulleiter.

Stabwechsel an der Lohrer Forstschule: Robert Staufer, seit 21 Jahren Leiter der Schule, ist zum Jahreswechsel in die passive Phase der Altersteilzeit gewechselt. Sein Nachfolger ist Christof Welzenbach. Er war bereits mehrere Jahre Staufers Stellvertreter. Diese Rolle füllt nun Maximilian Muninger aus, der aus Brüssel nach Lohr gewechselt ist.

Die neue Leitung übernimmt in einer Phase, in der sich die Forstwirtschaft ebenso wie die Anforderungen an den Wald in einem starken Wandel befinden. Einerseits greift die Digitalisierung auch in der Waldbewirtschaftung deutlich um sich, bis hin zu Versuchen, von Borkenkäfern befallene Bäume per Drohne aus der Luft zu entdecken. Gleichzeitig wachsen die gesellschaftlichen Erwartungen an die Waldbewirtschaftung stetig. Längst zählt nicht mehr nur die Holzproduktion, zunehmend geht es auch um Erholung sowie den Schutz von Arten, Trinkwasser oder um den Erhalt des Waldes selbst. Längst sind der Klimawandel und seine Folgen zum Mega-Thema auch im Wald geworden.

All das verlange von der Forstschule eine stetige Weiterentwicklung, machen der alte und der neue Leiter im Gespräch mit der Redaktion deutlich. Die Anforderungen an forstliches Personal würden immer größer, der Bedarf an gut ausgebildeten Forstleuten sei heute so hoch wie selten zuvor. Und dennoch müsse die Lohrer Forstschule vermehrte Werbung betreiben, um all ihre Ausbildungsangebote mit Teilnehmern zu füllen.

Wandel in der Wertschätzung

Als Robert Staufer im Jahr 2000 Leiter der Forstschule wurde, war die Lage noch eine andere. Die Forstbranche galt als Krisensektor, geprägt von schlechten Holzpreisen und geringer Wertschätzung. Mit dem Ziel, Geld zu sparen, wurden die Bayerische Forstverwaltung umgekrempelt und etliche Forstämter aufgelöst.

Phasenweise, so schildert Staufer, musste man gar um den Fortbestand der Lohrer Forstschule fürchten. Doch statt im Trubel der Reformen unterzugehen, ging die Forstschule 2005 aus der letzten großen Reform sogar gestärkt hervor. Sie erhielt etliche zusätzliche Ausbildungs- und Organisationsaufgaben.

Freude am Umgang mit dem Nachwuchs

Heute sei die Schule "die wichtigste Klammer" zwischen der durch die Reform voneinander getrennten amtlichen Forstverwaltung und den Bayerischen Staatsforsten, sagt Staufer. Diese Entwicklung sei für ihn ebenso Freude gewesen wie der ständige Umgang mit dem forstlichen Nachwuchs.

Die Tätigkeit in der Ausbildung zwinge dazu, sich immer wieder mit aktuellen Fragen und Themen zu befassen. "Da musst du dranbleiben", beschreibt Staufer. Für ihn sei es wesentlicher Antrieb und wunderschöne Aufgabe gewesen, über die Ausbildung junger Forstleute Grundwerte einer guten Behandlung der Wälder transportieren zu können. "Über die Menschen prägt man das, was draußen im Wald passiert", sagt Staufer.

Als herausragendes Einzelereignis seiner Zeit als Schulleiter nennt er die von der Lohrer Forstschule ausgerichtete Europameisterschaft der forstlichen Schulen im Jahr 2009, aber auch das Jubiläum zum 125-jährigen Bestehen 2013.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe die gesamtgesellschaftliche Wertschätzung für den Rohstoff Holz und für die Forstwirtschaft stark zugenommen, blickt Staufer zurück. Die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Absolventen der Forstschule seien deutlich besser geworden. Es sei ein "ausgesprochen schönes Erlebnis, zu sehen, dass die Leute, die wir hier ausbilden, gebraucht werden", sagt Staufer.

Werben um Schüler

Trotz der guten Berufsaussichten in der Forstbranche ist es laut Christof Welzenbach, dem neuen Leiter, kein Selbstläufer, dass alle Angebote der Forstschule ausgebucht sind. Das zeige sich im aktuellen Forsttechniker-Lehrgang: Erstmals sind nicht alle, sondern nur 19 der 24 Plätze belegt. "Wir haben keine Erklärung dafür", so Staufer und Welzenbach. Beide sind jedoch zuversichtlich, dass sich der Zustand wieder ändern wird, einerseits durch verstärkte Werbung, andererseits durch den Trend in der Branche.

Während diese weiter im Wandel ist, kündigt Welzenbach für die Forstschule und deren kleine aber eingeschworene Mannschaft Konstanz in der Führung an. Staufer hinterlasse ein sehr gut bestelltes Feld, weswegen es abgesehen von der schon immer erforderlichen Weiterentwicklung der Ausbildungsinhalte keinen kompletten Kurswechsel geben werde. Sehr wohl jedoch neue Weiterbildungsangebote. So plane man neue Fortbildungen mit Blick auf den Klimawandel und die Konsequenzen, die sich daraus für die Forstwirtschaft ergeben.

Manche Lehrgänge komplett online

Auch die Forstschule setzt bei ihrem Unterricht zunehmend auf digitale Formate, veranstaltet manche Lehrgänge komplett online. Doch ganz ohne Präsenzveranstaltungen wird es nie gehen: "Den virtuellen Wald gibt es noch nicht", sagt Welzenbach. Ohne Übungen im Wald könne man Forstleute nicht ausbilden.

Auf mehr Zeit im Wald hofft nun Robert Staufer. Er will nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst wieder mehr wandern und reisen, sich daneben zusammen mit dem Enkel seiner Modelleisenbahn widmen – und ja, sich auch weiterhin über die Entwicklungen in der Forstwirtschaft auf dem Laufenden halten.

Die Lohrer Forstschule

Die Bayerische Forstschule und Technikerschule für Waldwirtschaft, wie sie offiziell heißt, wurde 1888 gegründet. Tausende Forstleute der verschiedensten Laufbahnen absolvierten hier ihre Ausbildung ganz oder teilweise. Heute werden in Lohr auch Forstwirtschaftsmeister ausgebildet. Für Forsttechniker ist die Schule die einzige bundesweit. Allein in den 21 Jahren, in denen Robert Staufer die Schule leitete, durchliefen 529 Forstreferendare, 1133 Forstanwärter, 265 Forsttechniker und 197 Forstwirtschaftsmeister die Forstschule. Diese ist mit ihren 25 Mitarbeitern auch bayernweite Fortbildungsleitstelle für Mitarbeiter der Forstverwaltung, der einzige Jägerprüfungsstandort in Unterfranken sowie bayerische Anerkennungsstelle für forstliche Ausbildungen im Ausland.
Quelle: joun

Zur Person

Robert Staufer ist 63 Jahre alt und in Lohr geboren. Sein Vater war Revierförster im Spessart. Ab 1977 studierte Staufer in München Forstwissenschaft. Es folgten ab 1983 Stationen in der Bayerischen Forstverwaltung am Forstamt Nürnberg, an der Forstdirektion Mittelfranken und im Personalreferat des Forstministeriums in München. Ab 1993 leitete Staufer das Forstamt in Arnstein. 2000 übernahm er die Leitung der Forstschule. Staufer wohnt in Arnstein, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.
Christof Welzenbach ist 59 Jahre alt, geboren und wohnhaft in Rieneck. Er studierte in Freiburg Forstwissenschaft. Danach war er an der Forstdirektion Unterfranken für Forsteinrichtung zuständig, also die konkrete Planung der Waldbewirtschaftung. 2005 wechselte er als Lehrer an die Forstschule. Seit 2011 war er stellvertretender Leiter. Nach einem kurzen Intermezzo am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kehrt er nun an die Forstschule zurück. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.
Maximilian Muninger ist Welzenbachs Nachfolger als stellvertretender Schulleiter. Der 39-jährige Forstwissenschaftler aus München war zuletzt in der Bayerischen Vertretung in Brüssel tätig, davor am Bayerischen Forstministerium im Referat für forstpolitische Grundsatzfragen. Befasst war er dabei unter anderem mit der letztendlich erfolglosen Suche nach einem dritten Nationalpark. An der Forstschule ist Muninger unter anderem für die innere Organisation und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er wohnt mit seiner Partnerin in München, hat nun jedoch einen Zweitwohnsitz in Rodenbach.
Quelle: joun
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