Lohr

Krankenhaus Lohr: Krebspatientin heimlich mit THC-Öl versorgt

Das Amtsgericht in Gemünden.
Foto: Michael Mahr | Das Amtsgericht in Gemünden.

Dass sie ihrer sterbenskranken Freundin pflanzliches THC-Öl besorgten, kostet einen Mann und eine Frau jeweils über 2000 Euro. Weil sie keine Erlaubnis für den Umgang mit der als Betäubungsmittel eingestuften Zubereitung hatten, verurteilte das Gericht beide zu einer Geldstrafe.

Bei den beiden Angeklagten handelte es sich um eine 47-jährige Angestellte und den 45-jährigen ehemaligen Lebensgefährten einer an Lungenkrebs erkrankten Frau. Diese wurde vor drei Jahren im Krankenhaus Lohr behandelt und Mitte Mai 2016 weggetreten im Bett gefunden. An den Vortagen hatte sie zusätzlich zu ihren ärztlich verordneten Medikamenten, unter denen auch synthetische Cannabis-Tropfen waren, kleine Mengen des pflanzlichen THC-Öls zu sich genommen.

Menschlich nachvollziehbarer Plan

"Ein Hauch von Nichts", beschrieb es der angeklagte Mann, er habe ihr morgens und abends mit einem Zahnstocher etwas von dem Öl auf ein Brot oder eine Banane gegeben. In der Anklage war dagegen von drei Tropfen am Tag und insgesamt sieben "Fällen" die Rede. Weiter ging die Anklage von einem Wirkstoffgehalt von fünf Prozent aus. Sicher ist das nicht, es wurde nie untersucht. Der ehemalige Lebensgefährte sagte, er habe das Fläschchen aus seinem fahrenden Auto geworfen. Strafbefehlen über jeweils 80 Tagessätze hatten beide Angeklagten widersprochen.

Wie das Öl ins Krankenhaus kam und woher es stammte, blieb vor Gericht offen. Die Frau sagte, Bekannte hätten es hergestellt, der Mann, es sei im Internet bestellt worden. Für die Tat spielte das keine Rolle. Überlassen unerlaubter Betäubungsmittel sei der geringstmögliche Tatvorwurf überhaupt, erklärten Richterin und Staatsanwalt. Diese beschränkten ihren Einspruch auf die Rechtsfolgen, was einem Geständnis gleich kommt. Auch sei der Plan, einem geschätzten Menschen die letzten Tage zur erleichtern, menschlich nachvollziehbar. Die Patientin verstarb rund ein Vierteljahr später.

Anfangs hatte sich die Frau eingelassen, sie habe lediglich davon gewusst. Daraufhin hielt ihr die Richterin vor, dass sie bei der Polizei angegeben hatte, mit ihrer Freundin über THC gesprochen und im Internet recherchiert zu haben. Auch eine Dokumentation im Fernsehen über die damals diskutierte Freigabe von Cannabis zu medizinischen Zwecken habe eine Rolle gespielt.

Drogenscreening zeigte Einnahme des Öls

"Die Ärzte taten nicht alles, um ihr zu helfen", zitierte die Richterin die Aussage des Lebensgefährten. Mit Übelkeit und Wahnvorstellungen sei es der Frau nach der Chemo-Therapie nicht gut gegangen. Ihm sei aber klar gewesen sei, dass das Öl keine Wunder bewirken würde. Vor Gericht gab der Mann zu, seiner Freundin das Öl an zwei Tagen überreicht zu haben. Dann habe sie es nicht mehr gewollt. Seiner Erinnerung nach habe sie einen epileptischen Anfall erlitten.

Die damals behandelnde Ärztin sagte vor Gericht, die Patientin sei über 24 Stunden nicht ansprechbar, aber nicht in Lebensgefahr gewesen. Danach habe sie gesagt, sie wolle die Drogen nicht mehr nehmen und damit nicht die medizinische Medikation gemeint, sondern etwas, das im Schrank aufbewahrt wurde. Gefunden wurde das nie, der Lebensgefährte habe aber auffällig schnell das Zimmer verlassen. Ein Drogenscreening im Blut habe das erwartete Ergebnis auf die verordneten Cannabis-Tropfen und Morphin gezeigt. Eine denkbare Ursache für den Zustand sei die Wechselwirkung des Öls mit Morphin. Ungewöhnlich sei gewesen, dass die Patientin gleich am Anfang nach Cannabis oder THC fragte.

Am Ende forderte der Staatsanwalt für beide Angeklagten Geldstrafen von 60 Tagessätzen. Diese tauchen in einem Führungszeugnis nicht auf. Richterin Karin Offermann folgte seinen Antrag und legte die Tagessatzhöhe auf 35 Euro fest. "Sie wollten die Schmerzen ihrer Freundin lindern, aber der Umgang mit Betäubungsmitteln, die im Gehirn wirksam sind, ist Laien aus gutem Grund verboten", sagte sie. Anders als ein Arzt könnten sie Neben- und Wechselwirkungen mit Medikamenten nicht beurteilen. Das Urteil ist rechtskräftig. 

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