Karlstadt

Kreistag MSP wird extremer: Künftig zehn Fraktionen vertreten

CSU und Freie Wähler mit den stärksten Fraktionen, Grüne gewinnen Sitze dazu. UGM, ÖDP, Linke und AfD ziehen neu ein.
Der Eingang des Landratsamts.
Foto: Johannes Ungemach | Der Eingang des Landratsamts.

Am Sonntag um 18 Uhr schlossen die Wahllokale, aber noch am Dienstagnachmittag war unklar, wer künftig im Kreistag sitzen wird. Sicher, die großen Pflöcke waren gesteckt – CSU stärkste Fraktion, Zugewinne bei den Grünen und Einzug einiger kleiner Fraktionen –, doch bei Detailfragen blieb's spannend: Bei der ÖDP beispielsweise lieferten sich Michaela Schwab, Christine Pfrang und Torsten Ruf ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den einzigen Kreistagssitz.  

Die Datenübertragung aus den Wahllokalen streikte am Dienstag. Gegen 9.30 Uhr waren 232 von 242 "Schnellmeldungen" eingegangen, um 16 Uhr waren's laut Anzeige auf der Landratsamts-Webseite erst 239. Die CSU fluktuierte zwischen 19 und 20 Sitzen; in einigen Fraktionen war noch unklar, wer den letzten Listenplatz bekommt. Wahlleiter Thomas Urlaub war entnervt: "Wir haben alles ausgezählt, aber die Datenübermittlung funktioniert nicht. Es ist auch nicht möglich, die Daten händisch einzugeben." Er hoffe, dass sich das am Donnerstag regeln lasse.

Aber einiges stand auch schon fest: Erstmals zieht die neu formierte Liste "Unabhängig – Gemeinsam – für Main-Spessart" (UGM) in den Kreistag ein, und zwar gleich mit vier Vertretern. Auch die AfD (zwei Sitze) und die Linke (ein Sitz) sind neu im Kreistag, die ÖDP kehrt zurück.

Mehr CSUler trotz Verlusten

Für die CSU machte der Kreisvorsitzende Thorsten Schwab eine überraschende Rechnung auf. "Wir werden mehr CSU-Leute als vorher im Kreistag haben", sagt er, obwohl nur 19 Sitze an die CSU-Liste gehen gegenüber 21 vor sechs Jahren. Der Marktheidenfelder Stadtrat Christian Menig und Esselbachs Bürgermeister Richard Roos seien CSU-Mitglieder, Thomas Stamm trat bei der Marktheidenfelder Bürgermeisterwahl für die CSU an. Alle drei kommen über die UGM-Liste in den Kreistag. "Wir können zufrieden sein", sagt Schwab deshalb. "Total zufrieden" ist er aber erst, wenn Sabine Sitter die Landrats-Stichwahl gewinnt.

Die zweitstärkste Fraktion mit elf Sitzen bleiben die Freien Wähler. Der Kreisvorsitzende Marco Pintar sagt jedoch: "Wir haben Sitze und Stimmen verloren, wir können nicht zufrieden sein." Mit Thomas Schiebel, Helga Schmidt-Neder, Paul Kruck, Heinz Nätscher und Peter Franz seien zuverlässige Stimmenbringer nicht mehr angetreten. "Das merkt man natürlich", so Pintar. Zudem würden den FW wohl die Krankenhausschließungen angelastet. Zur Stichwahl um den Landratsposten sagt Pintar: "Frau Sitter hatte 45 Prozent im ersten Wahlgang. Wenn sie das hält, ist's uns recht." Es würde nämlich bedeuten, dass FW-Kandidat Christoph Vogel über 50 Prozent der Stimmen erhält. In Vogels Heimatort Karbach waren die FW die stärkste Partei, ebenso wie in Wiesthal, Neuendorf und Partenstein. 

Grüne und SPD tauschen die Plätze

Als einzige der zuvor schon im Kreistag vertretenen Parteien haben die Grünen zugelegt. Sie haben künftig zehn statt bisher acht Sitze. Der Kreisvorsitzende Gerhard Kraft jubelt: "Wir freuen uns über den Zuwachs. Wir hatten nur mit einem zusätzlichen Sitz gerechnet." Die Strategie, sich vor allem auf die Zentren zu konzentrieren, sei aufgegangen. "In Karlstadt haben wir über 26 Prozent erreicht, ein geniales Ergebnis." Kraft rechnet damit, dass die Kreistagssitzungen künftig länger dauer werden. "Mehr Fraktionen bedeutet mehr Redezeit." 

Die SPD stellte zuletzt elf Kreisräte und künftig nur noch acht. Der Kreisvorsitzende Sven Gottschalk rechnet anders. "Bei der letzten Wahl haben wir zehn Sitze gewonnen. Jürgen Neuwirth von den Piraten hat sich dann unserer Fraktion angeschlossen." Er sei mit den Verlusten nicht zufrieden, gibt aber zu bedenken: "Wir liegen über dem Landesschnitt." Schuld an den Stimmverlusten seien nicht die SPD-Kreisräte. "Wir haben Themen gesetzt und mitgestaltet", so der Kreisvorsitzende. Immerhin: In der Hochburg Frammersbach war die SPD mit fast 30 Prozent die stärkste Kraft. Gottschalk äußert sich kritisch zur UGM. "Ich finde diese regionale Orientierung nicht gut."  

UGM überraschend stark, AfD mit starken Worten

Christian Menig, Listenführer der UGM, betont: "Wir lassen uns nicht auf Marktheidenfelder Themen reduzieren." Die meisten Stimmen für UGM kamen dennoch aus dem Raum Marktheidenfeld. In der Stadt sowie in Esselbach und Birkenfeld waren sie sogar die stärkste Liste. Menig stellt klar: "Wir verstehen uns nicht als Erweiterung oder Anhängsel von CSU oder FW." Über die vier Sitze seiner neuen Gruppierung freut er sich: "Drei Sitze waren unser Ziel, vier wären ein Traum."  

Erstmals zieht die AfD mit zwei Sitzen in den Main-Spessart-Kreistag ein. Kurt Schreck kommentiert: "Wir haben uns ein besseres Resultat gewünscht und eigentlich mit drei Sitzen gerechnet." Zum einen aber habe seine Partei keine komplette Liste aufgestellt und deshalb potenzielle Stimmen verloren, zum andere habe der "Protest des Mainstreams von der CSU bis zur kommunistischen Linken, beispielsweise in Hafenlohr, bei den Wählern Eindruck gemacht". Trotz dieser Rhetorik versicherte Schreck, dass seine Partei keine Blockadehaltung einnehmen wolle. "Vernünftigen Sachvorschlägen werden wir uns nicht verweigern." Thorsten Schwab, der bereits im Landtag mit den Rechtsauslegern zu tun hat, sagt: "In nichtöffentlichen Ausschussitzungen befassen sie sich durchaus mit den Themen. Aber wenn die Kameras laufen, sind sie wie ausgewechselt."  

Die ÖDP erreichte knapp 1,4 Prozent der Stimmen und einen Kreistagssitz. Wer allerdings innerparteilich die meisten Stimmen erhalten hat, war am Dienstagmittag lange offen. Thorsten Ruf blieb ruhig: "Es ist spannend. Wir müssen noch ein bisschen warten." Im verläufigen Gesamtergebnis um 16.24 Uhr lagen er und Christine Pfrang gleichauf und beide neun Stimmen hinter Michaela Schwab.

Für die Linke wird Rudi Gosdschan in den Kreistag einziehen, der besonders die Schließung des Karlstadter Krankenhauses verurteilt hatte. Er war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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