Arnstein

Kritische Haltung zu Fotovoltaik-Freiflächen

Über Freiflächenfotovoltaikanlagen haben die Mitglieder des Energieausschusses in Arnstein diskutiert.
Über Freiflächenfotovoltaikanlagen haben die Mitglieder des Energieausschusses in Arnstein diskutiert. Foto: Günter Roth

Der Arnsteiner Bürgermeister Franz-Josef Sauer will mit  seinen Stadträten neue Wege gehen und Probleme der Gegenwart, aber auch der Zukunft rechtzeitig unter Einbindung aller Stadtratsmitglieder offensiv anzugehen.

Ein Mittel dazu sieht er in zielgerichteter Ausschussarbeit, die so bislang nicht stattgefunden hat. Nach der Arbeitssitzung mit dem Wald- und Landwirtschaftsausschuss zwei Wochen zuvor, tagte nun das Fachgremium für Energie und Umwelt mit den Schwerpunkten Trinkwasserversorgung sowie Fotovoltaik, insbesondere gab einen ersten Gedankenaustausch, wie man künftig mit den Freiflächenfotovoltaikanlagen umgehen soll.

"Landwirte und Fachfirmen rennen mir zurzeit förmlich die Bude ein", klagte der Bürgermeister. Nachdem die bisher geltende Beschränkung für entsprechende Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Flächen aufgeweicht wurde, wächst das Interesse dafür enorm. Indiz sind hier auch entsprechende Bestrebungen in Thüngen, wo theoretisch bis zu 100 Hektar zur Disposition stehen könnten.

Energieausschuss hat Vorbehalte

In der Großgemeinde Arnstein könnten das sogar knapp 200 Hektar werden. Noch halten sich viele Interessenten bedeckt, doch spricht man schon über Flächen auf der Faustenbacher Höhe, den Kühkopf  oder das Breitenloch bei Binsfeld und andere Areale. In Halsheim stehen gar rund 85 Hektar zur Disposition.

In Arnstein aber stießen solche Gedanken im Energieausschuss auf entschiedene Vorbehalte. Der junge Stadtrat und Landwirt Jens Völker aus Reuchelheim schimpfte hochemotional: "Am besten, wir geben alle unsere Felder auf, produzieren Solarstrom und kaufen dafür unsere Lebensmittel aus dem abgeholzten Amazonas-Regenwaldgebiet". Jürgen Meinhardt pflichtete ihm hier weitgehend bei: "Wenn die Erträge aus der Verpachtung für Solarfelder doppelt so hoch sind wie aus der Landwirtschaft, dann stimmt etwas am System nicht", sagte er.

Stefan Dorn verwies auf die Belegung der Dachflächen und anderen geeigneten Standorten, die in Arnstein ausgesprochen selten genutzt würden. Erst wenn die Dächer Sonnenstrom lieferten, dann könne man auch an Ackerland denken, so seine Argumentation.

Betriebe haben kaum Fotovoltaik auf dem Dach

In der Tat hat auch keiner der Investoren der Märkte in der "Neuen Mitte" Interesse gezeigt, seine Dächer mit Solarzellen zu belegen. Dasselbe gilt für die große Mehrzahl der Betriebe in den Gewerbegebieten. Allerdings sah hier Sandro Lang auch die Stadt in der Pflicht, denn öffentliche Gebäude gäben hier kein gutes Beispiel ab.

Josef Grodel forderte Nachhaltigkeit und Nutzen für die ganze Stadt. Das abschreckende Beispiel, der einst so hochgelobte Solarpark Erlasee hat in all den Jahren der Stadt nicht einen Cent an Gewerbesteuer eingebracht. Der Gewinn bleibt nur bei wenigen.

Natürlich bleibt der Druck von Investoren und verpachtungswilligen Grundstückseignern stark und Bürgermeister Sauer will ihnen auch die Möglichkeit geben, im Stadtrat ihre Pläne vorzustellen, doch der Vorschlag von Johannes Keidel, zuvor eine Liste verbindlicher Kriterien für die Verträglichkeit zu erarbeiten, fand im Energieausschuss Zustimmung. In jedem Fall aber soll die Wertschöpfung in Arnstein bleiben.

Wichtige Aspekte der Energiegewinnung vorgestellt

Die Dritte Bürgermeisterin Bettina Schmitt schlug vor, bei Freiflächenanlagen die Arnsteiner Bürgerenergiegenossenschaft mit einzubinden und die Genossenschaft sollte künftig mit ihren Aktivitäten auch "mehr auf die Dörfer" gehen.

Zum Schluss stellte Stadtrat Jürgen Meinhardt in einer Präsentation einige für ihn wichtige Aspekte der Energiegewinnung vor. Solarstrom als wichtige Komponente der Energiewende dürfe Flora und Fauna nicht beeinträchtigen, vielmehr müsse man ganzheitlich denken und verschiedene Methoden miteinander kombinieren.

Großflächige nachführbare Solarzellen auf vier Meter hohen Masten oder die "Agro-Fotovoltaik", die wie Carports über Felder platziert würden, könnten als gemischte Flächennutzung die gesamte Effizienz deutlich steigern. Stromspeicher im "Organic Flow Battery-Verfahren" könnte sich als Schlüsseltechnologie für die Energiewende erweisen. Moderne und ästhetisch ansprechende Solarmodule auf Dachflächen könnten auch im Bereich von gewachsenen Innenstädten Akzeptanz und Nutzen bringen.

Die Ergebnisse der Ausschusssitzung sollen, wie auch die Kriterienliste für Fotovoltaikfreiflächen, dem Gesamtstadtrat zur Verfügung stehen und möglichst von diesem verabschiedet werden.

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