Karlstadt

Lage am Klinikum Main-Spessart „extremst angespannt“

Klinikreferent Bostelaar informiert den Werkausschuss des Landkreises über die aktuelle Suituation.
Nicht im Landratsamt, sondern im Historischen Karlstadter Rathaus tagte am Montag der Klinikausschuss des Landkreises Main-Spessart - der Belüftung wegen. Nach 30 Minuten Sitzung hatten alle ihre Jacken wieder an.
Foto: Markus Rill | Nicht im Landratsamt, sondern im Historischen Karlstadter Rathaus tagte am Montag der Klinikausschuss des Landkreises Main-Spessart - der Belüftung wegen. Nach 30 Minuten Sitzung hatten alle ihre Jacken wieder an.

Die Lage im Klinikum Main-Spessart sei wegen Corona "extremst angespannt", sagte Klinikreferent René Bostelaar in der Werkausschusssitzung des Kreistags am Montag im historischen Rathaus in Karlstadt – "aber wir haben das alles im Griff". In den letzten zehn Tagen sei man vom Coronavirus regelrecht überrollt worden, so Bostelaar, der von weiter steigenden Infiziertenzahlen im Landkreis ausging. Main-Spessart gehöre mittlerweile zu den Hot-Spots in Bayern.

Planbare Operationen habe man im Klinikum bereits vor zwei Wochen heruntergefahren, erläuterte Bostelaar, aktuell würden nur noch Notfälle behandelt. Von der auf 30 Betten ausgeweiteten Isolierstation in Lohr sind laut Bostelaar derzeit 25 belegt. Auf der Intensivstation befindet sich ihm zufolge kein Coronapatient, im Normalbereich des Krankenhauses seien aktuell 80 Betten frei.

Konzentration auf Lohr

Vor dem Hintergrund, dass sich derzeit 28 Ärzte und Pflegekräfte in Quarantäne befänden, habe man den Standort Marktheidenfeld heruntergefahren und das dortige Pflegepersonal nach Lohr gebracht, wo das "akute Krankenhausgeschäft" nun konzentriert sei. Sollte es erforderlich werden, wäre das Krankenhaus in Marktheidenfeld eine Ausweichmöglichkeit, sagte Bostelaar. Allerdings schränkte er ein, dass man dafür dann auch Personal bräuchte. Das Personal des Klinikums wird nach den Worten des Klinikreferenten regelmäßig getestet. An der Teststation in Marktheidenfeld seien täglich 250 bis 300 Tests möglich.

Angesichts steigender Infiziertenzahlen wollte Sven Gottschalk (SPD) wissen, ob der Landkreis über härtere Maßnahmen nachdenke. Stellvertretender Landrat Christoph Vogel (FW), der die Sitzung leitete, erinnerte an die gestaffelten Regularien des Freistaats mit Verschärfungen bei höheren Fallzahlen; in Main-Spessart liege der Schwerpunkt der Infizierten in den Pflegeeinrichtungen. Christian Baier (Grüne), selbst Mediziner, riet, jeder solle sich außerhalb seines Privatbereichs so verhalten, als wäre er infiziert, also Maske tragen und Abstand halten. Vogel ergänzte, am besten seien FFP2-Masken.

Mit Blick auf die Umstrukturierungsmaßnahmen im Krankenhaus Lohr sagte Bostelaar, dass die Umbauarbeiten für das ambulante OP-Zentrum liefen; die Inbetriebnahme sei für Februar 2021 geplant. Weitere Umbaumaßnahmen wie Ambulanzbereich sowie Rückbau und Modernisierung von Patientenzimmern seien im Zeitplan.

Am Standort Marktheidenfeld hat laut Bostelaar der Umbau zur Modernisierung des Eingangsbereichs begonnen, in Karlstadt werden ihm zufolge die durch den Auszug von Teilen der Verwaltung freigewordenen Räume im zweiten Obergeschoss nun durch das Gesundheitsamt genutzt.

Fachliche Billigung für Klinik-Neubau fehlt noch

Die fachliche Billigung durch die Regierung von Unterfranken für den geplanten Neubau eines Zentralklinikums in Lohr liegt laut Bostelaar noch nicht vor, es hake noch an Raumgrößen sowie beim Thema Hygiene. Die fachliche Billigung sei Voraussetzung für den Erhalt von Fördergeldern. Die Rodung für den Bau der geplanten Zufahrt wird nicht gefördert, deshalb kann sie im Januar erfolgen. Der eigentliche Straßenbau  kann jedoch erst nach erfolgter Förderzusage beginnen. Die Fertigstellung des Zentralklinikums ist für Ende 2024/Anfang 2025 geplant.

Kurt Schreck (AfD) fragte nach wegen unterschiedliche Kostenangaben zum Klinikum. Im Juli habe Bostelaar noch von 140 Millionen Euro gesprochen, vorletzte Woche dann von 160 Millionen. Dazu sagte Bostelaar, dass noch der alte Kreistag eine Kostensteigerung beschlossen habe. In der genannten Summe von 153 Millionen Euro seien alle Nebenkosten erhalten, ergänzte der ärztliche Direktor Dr. Matthias Schneider.

Das Defizit des Klinikums soll von rund 5,7 Millionen Euro im Jahr 2019 verringert werden. "Vor vier Wochen hätte ich gesagt, es wird um eine Million geringer ausfallen", sagte René Bostelaar im Pressegespräch. Nun sei eine Prognose wegen der Corona-Entwicklung schwierig. In dem für die Isolation von CoVid-Patienten genutzten Bereich mit 30 Betten stünden bei Normalbetrieb 63 Betten zur Verfügung. Der Einnahmeausfall durch Unterbelegung werde in Krankenhäusern der Basisversorgung, anders als im Frühjahr, diesmal nicht mit einem Rettungsschirm ausgeglichen.  

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