Marktheidenfeld

Lehrstunde der modernen Kirchenmusik

Ein Name der für die virtuose Interpretation von Orgelwerken Bachs und französischer Meister steht: Anke Willwohl aus Würzburg.
Foto: Martin Harth | Ein Name der für die virtuose Interpretation von Orgelwerken Bachs und französischer Meister steht: Anke Willwohl aus Würzburg.

Es war kein ganz einfaches Programm, das Anke Willwohl, Dekanatskantorin an der Würzburger Pfarreiengemeinschaft Heiligkreuz/St. Elisabeth, gut 30 Zuhörern in der Marktheidenfelder St.-Laurentius-Kirche am frühen Sonntagabend bei ihrem Orgelkonzert anbot. Dekan Hermann Becker hatte dazu am Abend eines eisig kalten Wintertags begrüßt und zu inneren Einkehr, Ruhe und Besinnung eingeladen. Mit der flotten Interpretation des beliebten 3. Brandenburgischen Konzerts von Johann Sebastian Bach an der Elenz-/Heissler-Orgel hatte Willwohl einen vertrauten, harmonischen und sehr gefälligen Auftakt gewählt.

Der forderndem absolute Kontrast dazu sollte sogleich folgen, als sich die Konzertorganistin einem Werk, des 1955 in Beirut geborenen Naji Hakim zuwandte. Angeregt aus der Spiritualität des Thomas von Aquin schuf der Pariser Hochschullehrer seine eigenwillige Suite für Orgel mit dem Titel „Agape“ – göttliche Liebe. Laut, stürmisch und voller Dissonanzen war der Beginn, bevor der etwas eingängigere Mittelteil ruhiger in Charakter wurde. Den Schlusssatz prägt eine gewaltige Steigerung bis hin zu einem mächtigen Brausen zum Lobe Gottes.

Der Franzose Charles-Marie Widor (1844-1937) gilt als der Begründer der Orgel-Symphonie. Drei Sätze aus der 9. Sinfonie – Gothique – aus dem Jahr 1895 belegten im eindrucksvollen Vortrag Willwohls das Bestreben, aus dem bis dahin weitgehend am Klavier orientierten Orgelspiel die umfassende Klangdimension eines Symphonischen Orchesters zu erarbeiten. Der langsame, gedämpfte Andante-Auftakt bot Raum zur Besinnung. Widor griff auf alte Formen geistlicher Musik zurück und wandelte sie in die Moderne, was die Organistin vor allem auch in der fließenden Schluss-Toccata zu zeigen verstand.

An das Ende hatte Willwohl ein Werk von Louis Vierne (1870-1937), eines Zeitgenossen und Pariser Kollegen Widors, gesetzt. 1927 schuf der stark sehbehinderte Komponist seine variationsreichen „24 Piéces de Fantaisie“, deren bekannte Toccata in B-Moll mit rasendem Tempo virtuoses Spiel- und Interpretationsvermögen abverlangt. Beunruhigend und finster wirkte das Stück, das Willwohl trotz sicherlich klammer Finger auf der Empore des kalten Gotteshauses brillant meisterte.

Pastoralreferent Alexander Wolf dankte mit Blumen für ein Konzert, in dem die Orgel der St.-Laurentius-Kirche in neuen, bisweilen sicher gewöhnungsbedürftigen und dennoch positiv überraschenden Klangfarben präsentiert wurde. Zuvor hatte Willwohl nach lange anhaltendem Schlussapplaus als Zugabe mit einem Bach-Präludium noch für einen populären Ausklang einer oft fulminanten Lehrstunde der modernen Kirchenmusik gesorgt.

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