Lohr

Lernen mit Sport verknüpfen

Der ehemalige Profihandballer Carlos Prieto demonstrierte beim Lohrer Nachwuchs, wie leicht Schulunterricht in den Sport mit einfließen kann.
Foto: Frank Zagel | Der ehemalige Profihandballer Carlos Prieto demonstrierte beim Lohrer Nachwuchs, wie leicht Schulunterricht in den Sport mit einfließen kann.

Nicht nur optisch stellt Carlos Prieto gegenwärtig alle, die es mit Handball in Lohr auf sich halten, in seinen Schatten. Prietos sportliche Erfolge sprechen ebenso für sich: 96 Länderspiele für sein Heimatland Spanien, dreifacher Champions League Gewinner, Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und mehrere Meistertitel.

Am Freitagnachmittag besuchte der Zwei-Meter-Hüne, der seit September als Kreisläufer für die Lohrer Handballer aufläuft, den Nachwuchs.

Im Rahmen seines "Share & Play"-Programmes möchte der ehemalige Profisportler Kinder zu Bewegung animieren, er wirbt für gesundes Essen und er möchte soziale Kompetenzen fördern. Prieto erklärt den etwa zwei Dutzend interessierten Eltern in seiner neuen Spielstätte, der Spessarttorhalle, die Idee, die hinter seinem Trainingsprogramm für Kinder steckt: "Die Kombination aus Bewegung, Wahrnehmung und Gehirnjogging im Training führt zu mehr Leistung", sagt der ehemalige Nationalspieler.

Einmal pro Monat möchte Prieto seine Erfahrungen nach 19 Jahren im Profisport jetzt an die Jüngsten weitergeben, erklärt Ute Schmitt gegenüber unserem Medienhaus. Das Konzept fördere die Kinder ganzheitlich, sagt die Trainerin. Inwieweit dies für Schulen im Umkreis, die sich dafür interessieren, relevant werden könnte, soll noch abgewogen werden, so die 55-Jährige.

Matheformeln im Handballspiel

Der Gedanke, schulische Aspekte im Sport zu vermitteln, ist eine Besonderheit des Projektes, das der Sportwissenschaftler entwickelt hat. Seine Vision, weg vom klassischen Schulalltag und hin zu einem modernen Sportunterricht, der Fächer wie Mathe, Erdkunde und Biologie miteinander vereint, sieht er durchaus realisierbar. Als Unterstützung für Lehrer und Eltern sieht der Sportler seinen Sportunterricht.

Mittels eines Skelettes könnten Knochen, Muskeln und die Bewegungsabläufe erklärt werden, die Halle unterstütze die räumliche Wahrnehmung als Grundlage der Geometrie. Lernen könne spielerisch, sportlich, vor allem aber mit viel Spaß vermittelt werden, erklärt der 39-Jährige. "Was spricht denn dagegen, während dem Handballspiel auch mal Matheformeln aufzusagen?"

Schwächere im Team integrieren

Auch, dass man im Leben nicht immer nur zu den Gewinnern zählen kann, möchte Prieto vermitteln: "Eine Niederlage, nicht nur im Sport, gehört eben dazu." Als Grundlage für ein zufriedenes Leben sieht der Sportler das Training, das vor allem durch die Teamarbeit bestechen sollte: "Alleine kann ich nicht gewinnen, das muss unser Nachwuchs verinnerlichen." Daher sollten schwächere Kinder integriert werden. Nicht belehrend möchte Prieto, selber Vater einer Tochter, auftreten: "Auch bei uns zu Hause gibt es mal eine Pizza oder Gummibärchen." Jedoch sieht er Eltern in der Verantwortung, ihren Kindern beizubringen, was übermäßiger Zucker- oder Fettkonsum Negatives mit dem Körper anstelle.

Als sich der große Athlet nach seinen Ausführungen auf den Boden inmitten der Halle setzt, ist er sofort von einer Schar Kinder von vier bis neun Jahren umringt. Prieto geht auf sie ein, fragt persönliches, ehe er das Training beginnt. Auch die Jugendtrainer lauschen den Ausführungen. Sie sollen in den kommenden Monaten ausgearbeitet und in das Trainingsprogramm mit eingebunden werden, sagt Ute Schmitt später.

Einige Besonderheiten führt der Handballer gleich bei der ersten Einheit ein: Jedes Kind soll den Ball im Spiel mindestens einmal halten und prellen ist nicht erlaubt - ein Novum im Handballsport. Genauso wie Prietos Programm "Share & Play".

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